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Alzheimer: zwischen Antikörpern und Selbstwirksamkeit

Mit Lecanemab und Donanemab stehen erstmals kausale Therapieoptionen bei Alzheimer-Demenz zur Verfügung – allerdings nur für einen Bruchteil der Patienten. Nach wie vor wird unterschätzt, welchen Einfluss jeder einzelne auf sein Erkrankungs- und Progressionsrisiko hat – etwa über den Lebensstil. Darauf machte Prof. Dr. med. Peter Berlit, Berlin, im Rahmen der Vorab-Pressekonferenz zum diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) aufmerksam.

Volkskrankheit Alzheimer

Jedes Jahr erhalten in Deutschland 450.000 Menschen die Diagnose Demenz. Davon seien zwei Drittel auf eine Alzheimer-Krankheit zurückzuführen. Berlit führte aus, dass mit einem deutlichen Anstieg der Demenz-Diagnosen gerechnet wird – von heute 1,8 Millionen Betroffenen auf bis zu 2,7 Millionen im Jahr 2050. Und er betonte: Über den demographischen Wandel hinaus muss es weitere Mechanismen geben, die zu diesem Anstieg beitragen.

Umso mehr sollten wir uns Gedanken machen, wie wir einerseits den Aufwärtstrend stoppen und andererseits Betroffenen helfen können, möglichst lange bei hoher Lebensqualität mit dieser Erkrankung leben zu können.

Erstmals kausale Therapie möglich

Im Herbst 2025 wurden mit Lecanemab und Donanemab gleich zwei Anti-Amyloid-Antikörper in Deutschland eingeführt – Kosten: rund 25.000 Euro/Jahr. Mit beiden lasse sich eine Verlangsamung der Progression von etwa 30% und ein Gewinn an qualitativer Lebenszeit erreichen.

Inzwischen kann man therapeutisch etwas machen.

Allerdings kommen diese Therapien nur im Frühstadium der Erkrankung infrage – und auch da nur für einen Teil der Betroffenen. Aufgrund der typischen Nebenwirkungen, den „Amyloid-related Imaging Abnormalities“ (ARIA), sind z.B. Patienten ausgeschlossen, die homozygote Träger für das Gen ApoE4 sind oder die auf eine Antikoagulation angewiesen sind. Auch Schrittmacher sind wegen der zwingend vorgeschriebenen regelmäßigen MRTs eine Kontraindikation.

Risikofaktoren korrigieren!

Das bedeute jedoch nicht, dass es ansonsten keine Möglichkeiten zur Progressionsverlangsamung gebe:

Mit einem aktiven und gesunden Lebensstil lässt sich der kognitive Abbau um Jahre verzögern.

Man weiß inzwischen, dass gut 40% des Demenz-Risikos auf modifizierbare Faktoren zurückzuführen sind. Die wichtigsten Risikofaktoren sind Schwerhörigkeit, traumatische Hirnverletzungen, Bluthochdruck, Alkohol, Adipositas, Rauchen, Depression, soziale Isolation, Bewegungsarmut, Luftverschmutzung, Diabetes, Sehschwäche und hohe Cholesterinwerte.

Ganz wichtig sei es, körperlich aktiv zu bleiben: Im Vergleich zu inaktiven Personen ist der kognitive Abbau bei steigender körperlicher Aktivität (5000 bis 7500 Schritte/Tag) um 40% bis 50% geringer.

Sehr gut belegt (und „ohne Nebenwirkungen“, wie Berlit betonte) sei der Nutzen einer gesunden Ernährung, etwa mit einer mediterranen oder nordischen Diät mit hohem Salat-, Frucht- und Gemüseanteil und frisch zubereiteten Speisen. Studien haben gezeigt, dass hochverarbeitete Lebensmittel den kognitiven Abbau verstärken.

Einen wesentlichen Einfluss habe auch das Erlernen und Praktizieren von Fremdsprachen: Personen mit Multilingualität haben ein deutlich niedrigeres Demenz-Risiko. Nicht zuletzt seien der Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie ausreichender Schlaf wichtige Faktoren für die Hirngesundheit.

Es ist nie spät, mit dem Nikotin aufzuhören.

Quellen

Prof. Dr. med. Peter Berlit, Berlin, Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Online-Pressekonferenz zum DGN-Kongress, 11. November 2025.

Pressemitteilung der DGN vom 11. November 2025: Antikörper und Selbstwirksamkeit – Wie lässt sich das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit verlangsamen?

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