Fast die Hälfte aller Demenzen könnte durch Elimination aller 14 bekannten Risikofaktoren verhindert werden. Das ergaben neue Berechnungen der Lancet Commission on dementia. Hinzu kamen außerdem zwei neue Risikofaktoren.
Risikofaktoren für Demenz
Im Zuge der immer weiter steigenden Lebenserwartung nimmt auch die Zahl der Demenzerkrankten zu. Im folgenden sind die bekannten Risikofaktoren für die Entwicklung einer Demenz in den verschiedenen Lebensabschnitten aufgeführt. In Klammern steht die prozentuale Reduktion der Demenzfälle, wenn dieser Faktor beseitigt würde.
Frühe Lebensjahre
- Geringe Bildung (5%)
Mittleres Lebensalter
- Hörminderung (7%)
- Depression (3%)
- Traumatische Hirnverletzungen (3%)
- Bewegungsmangel (2%)
- Diabetes mellitus (2%)
- Rauchen (2%)
- Hypertonie (2%)
- Adipositas (1%)
- Übermäßiger Alkoholkonsum (1%)
Hohes Lebensalter
- Soziale Isolation (5%)
- Luftverschmutzung (3%)
Zwei neue Risikofaktoren für Demenz
Im neuen Bericht der Lancet Commission on dementia kommen nun zwei wichtige Risikofaktoren hinzu:
- unbehandelter Sehverlust im hohen Lebensalter (2%) und
- erhöhte LDL-Cholesterolwerte im mittleren Lebensalter (7%)
Bei Eliminierung aller Risikofaktoren würde sich das Demenzrisiko um insgesamt 45% reduzieren.
Einige dieser Risikofaktoren haben wahrscheinlich nur teilweise einen kausalen Zusammenhang zum Demenzrisiko, das Potenzial für eine Prävention der Demenz ist jedoch hoch.
Es ist nie zu früh oder zu spät
Auch wenn Änderungen teilweise schwer zu realisieren sind, könnten frühe Interventionsmöglichkeiten durch Präventionsprogramme zu einer Risikoreduktion beitragen.
Die Ergebnisse des Berichts ergaben außerdem, dass es besonders wichtig ist, im mittleren (18–65 Jahre) und hohen Lebensalter (> 65 Jahre) kognitiv, physisch und sozial aktiv zu sein. Eine besonders große Rolle scheint die kognitive Aktivität im mittleren Alter zu spielen und das auch bei Personen mit einem geringen Bildungsgrad.
Noch weitere Einflussfaktoren
Auch weitere Einflussfaktoren, für die die Evidenzlage noch nicht ausreichend oder widersprüchlich ist, werden diskutiert. Hierzu gehören beispielsweise Schlafdauer, Ernährungsstil, Infektionen und systemische Entzündung, psychiatrische Erkrankungen einschließlich Schizophrenie, bipolare Störung, Angststörung, posttraumatische Belastungsstörung, Menopause und Hormonersatztherapie.
Auf jeden einzelnen Risikofaktor kommt es an
Mit dem Begriff „vaskuläre Risikoerkrankungen“ hadern die Autoren des Berichts, da er unzureichend sei und immer klarer wird, dass es sich bei Diabetes mellitus, Hyperlipidämie, Hypertonie und Bewegungsmangel um Einflussgrößen handelt, die nicht nur indirekt über das Gefäßsystem, sondern auch über direkte zelluläre Mechanismen neurodegenerativen Prozessen Vorschub leisten. Diese haben dann in verschiedenen Ländern und bei Menschen mit individuellen Risikofaktoren unterschiedliche Auswirkungen. Daher sollten die einzelnen Risikofaktoren separat betrachtet werden.
Quelle
Livingston G, et al. Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. Lancet 2024;404(10452):572–628. doi: 10.1016/S0140-6736(24)01296-0. Epub 2024 Jul 31.