Welttag der sexuellen Gesundheit: Aufklärung nachholen

Gerade in den jüngeren Bevölkerungsgruppen ist eine adäquate Aufklärung notwendig, um die sexuelle Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen präventiv zu schützen. Denn die aktuellen Daten zur Verhütung zeigen, dass hier Handlungsbedarf besteht.

Entwicklungen bei Jugendlichen

Der Welttag der sexuellen Gesundheit am 04. September gibt Anlass dazu, sich die aktuellen Entwicklungen in der Bevölkerung genauer anzusehen. Bei sexuell aktiven Erwachsenen löste laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) 2023 das Kondom die Pille als meistverwendetes Verhütungsmittel ab. Dagegen macht sich nach einem aktuellen WHO-Bericht bei Jugendlichen (Befragungsalter 15 Jahre) in Europa ein alarmierender Rückgang der Kondomnutzung bemerkbar. Die Verwendung der Antibabypille ist bei den Jugendlichen seit 2014 relativ stabil geblieben, dennoch gaben fast ein Drittel der Jugendlichen an, beim letzten Geschlechtsverkehr weder Kondom noch orale Kontrazeptiva verwendet zu haben. Dieser Anteil fiel bei den Befragten aus einkommensschwachen Familien höher aus als bei wohlhabenden Familien. Dies spricht für besorgniserregende Aufklärungslücken in der Sexualerziehung insbesondere mit Augenmerk auf den Zugang zu Verhütungsmitteln.

Der WHO-Regionaldirektor für Europa Dr. Hans Henri Kluge drückt es folgendermaßen aus:

Eine umfassende altersgerechte Sexualaufklärung wird in vielen Ländern nach wie vor vernachlässigt, und dort, wo sie angeboten wird, ist sie in den letzten Jahren zunehmend unter der falschen Prämisse kritisiert worden, dass sie zu sexueller Aktivität ermutigt, während es in Wahrheit so ist, dass junge Menschen mit dem richtigen Wissen zur rechten Zeit dank verantwortungsbewussten Verhaltens und entsprechender Entscheidungen zu optimalen gesundheitlichen Ergebnissen gelangen.“

Die WHO warnt vor weitreichenden Folgen für die junge Bevölkerungsgruppe. Hierbei sind ungewollte Schwangerschaften, unsichere Abtreibungen und ein erhöhtes Infektionsrisiko bezüglich Geschlechtskrankheiten nur drei wichtige Punkte.

Was bedeutet sexuelle Gesundheit?

Die WHO definiert sexuelle Gesundheit als einen Zustand des physischen, emotionalen, mentalen und sozialen Wohlbefindens in Bezug auf Sexualität. Neben der Abwesenheit von Erkrankungen, Dysfunktion und Schwäche sind der positive und respektvolle Zugang zu Sexualität und sexuellen Beziehungen wichtig. Ebenso ist die Möglichkeit für angenehme und sichere sexuelle Erfahrungen und für die Freiheit von Nötigung, Diskriminierung und Gewalt entscheidend. Dafür müssen die sexuellen Rechte aller respektiert, geschützt und erfüllt werden.

Was in Zukunft besser gemacht werden muss

In einem Appell wendet sich das WHO-Regionalbüro an Politik und Bildungswesen und fordert eine umfassende Sexualaufklärung und die entsprechende Aufklärung von Pädagogen. Zusätzlich ist es sinnvoll durch weitere Forschungsarbeiten die Ursachen für den Negativtrend der Kondomnutzung zu ergründen; unter Berücksichtigung verschiedener Bevölkerungsgruppen und den sozialen Medien.

Letztlich geht es uns darum, den jungen Menschen eine solide Grundlage für das Leben und die Liebe zu geben“

so Dr. Kluge.

Quellen

WHO-Nachrichten: Neuer Bericht der WHO verzeichnet alarmierenden Rückgang der Kondomnutzung unter Jugendlichen und erhöhtes Risiko für sexuell übertragbare Infektionen und ungewollte Schwangerschaften. 29. August 2024.

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