Seit dem 1. Januar 2024 ist die erste S2k-Leitlinie zur nichthormonellen Empfängnisverhütung verfügbar. Im Folgenden werden einige Methoden vorgestellt.
Methoden der hormonfreien Empfängnisverhütung
Die Leitlinie unterteilt die nichthormonelle Kontrazeption in:
- Natürliche Familienplanung
- Laktationsamenorrhö
- Barrieremethoden
- Coitus interruptus
- Intrauterine Pessare
- Sterilisation
Effektivität der Methoden
Laut Leitlinienautoren soll zur Bewertung der Effektivität einer Verhütungsmethode nicht mehr der Pearl-Index, sondern die Methoden- und Gebrauchssicherheit verwendet werden.
Die Methodensicherheit gibt den Anteil an Frauen in Prozent an, die innerhalb eines Jahres trotz fehlerfreier Anwendung („perfect use“) der Verhütungsmethode schwanger werden. Die Gebrauchssicherheit gibt den Anteil an Schwangerschaften bei „typical use“, also inklusive Anwendungsfehlern, an.
| Methode | Frauen mit ungewollter Schwangerschaft im ersten Anwendungsjahr [%] | |
| Gebrauchssicherheit (typical use) | Methodensicherheit (perfect use) | |
| Keine Kontrazeption | 85 | 85 |
| Spermizide | 28 | 18 |
| Natürliche Familienplanung nach Sensiplan | 1,8–2,3 | 0,4 |
| Laktationsamenorrhö (auf 6 Monate) | 6,6–7,4 | 0,2–2 |
| Coitus interruptus | 20 | k. A. |
| Kondom | 13 | 2 |
| Frauenkondom | 21 | 5 |
| Diaphragma | 12–18 | 4–14 |
| Portiokappe |
Gesamt: 23 Ohne vaginale Geburt: 14 Nach vaginaler Geburt: 29 | k. A. |
| Kupfer-IUP mit ≥ 300 mm2 Kupferoberfläche | 0,1–1 | k. A. |
| Sterilisation (Frau) | 0,5 | 0,5 |
| Sterilisation (Mann) | 0,15 | 0,10 |
Natürliche Familienplanung nach Sensiplan empfohlen
Die natürliche Familienplanung (NFP) umfasst Methoden der Zyklusbeobachtung. Die Leitlinie empfiehlt nur symptothermale Methoden mit einführender Schulung/Beratung. Die am besten untersuchte und am besten validierte Methode ist demnach der Sensiplan. Hierbei wird der Zeitpunkt des Eisprungs anhand der Basaltemperatur und des Zervixschleims bestimmt. Mit Erlernen der Methode durch eine standardisierte Beratung lässt sich eine Gebrauchssicherheit von 1,8% erreichen.
Zyklus-Apps nicht empfohlen
Zyklus-Apps tracken verschiedene Parameter und geben in der Regel den Tag des Eisprungs, den fruchtbaren Zeitraum und die nächste Menstruation an. Die Methoden zur Vorhersage unterscheiden sich dabei. Prognose-Apps errechnen anhand von Durchschnittswerten das fertile Fenster. Da die Auswertung anhand selbst zusammengestellter Kriterien stattfindet, lautet der Expertenkonsens, dass sie derzeit nicht zur sicheren Empfängnisverhütung empfohlen werden sollen (auch wenn es einige zur Verhütung zugelassene Apps gibt, bspw. cyclotest).
Barrieremethoden
Barrieremethoden sind reversible Methoden, die das Zusammentreffen von Spermien und Eizelle verhindern. Am besten bekannt ist vermutlich das Kondom. Aber auch das Diaphragma, die Portiokappe und das Frauenkondom stehen zur Verfügung.
Vorteil des Kondoms ist, dass es neben einer ungewollten Schwangerschaft auch die Übertragung von sexuellübertragbaren Krankheiten (STI) verhindern kann. Weiter betonen die Experten, dass die Vermittlung von Wissen zu Barrieremethoden stärker in der ärztlichen Fort- und Weiterbildung berücksichtigt werden sollte – gerade hinsichtlich des Rückgangs in der Verwendung von hormonellen Verhütungsmethoden.
Hinweise zur Anwendung von Kondomen
Bei der Anwendung von Kondomen gibt es einige Dinge zu beachten, damit ihre Sicherheit während der Anwendung erhalten bleibt:
- So empfiehlt die Leitlinie keine mit Spermizid-Gel beschichteten Kondome, da diese die Vaginalhaut angreifen und so Studien zufolge bei jüngeren Frauen das Risiko für Harnwegsinfektionen erhöhen können. Auch das Risiko für STI wie HIV kann so erhöht werden.
- Wichtig ist auch die Wahl der richtigen Kondomgröße. Entscheidend für einen guten Sitz ist die richtige Breite. Diese lässt sich beispielsweise mit dem Kondometer der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bestimmen.
- Auch das Haltbarkeitsdatum muss zur sicheren Anwendung berücksichtigt werden. In der Regel sind Kondome bis zu fünf Jahre haltbar, dies kann allerdings durch die Qualität der Lagerung beeinträchtigt werden. Hitze, Druck oder Reibung können zu Schädigung und Wirkverlust führen.
- Bei Kombination des Kondoms mit Gleitgel ist die Kompatibilität der Materialien zu beachten. So können beispielsweise Oleogele und Cremes Latexkondome porös und durchlässig machen.
Diaphragma und Portiokappe
Bei diesen beiden Methoden verhindert neben der mechanischen Barriere vor dem Muttermund die Kombination mit einem spermiziden oder motilitätshemmenden Gel die Wanderung der Spermien in den Gebärmutterhals. Die beiden Methoden sollten nach dem letzten Geschlechtsverkehr für mindestens weitere sechs Stunden in der Vagina verbleiben, wobei die maximale in situ Tragedauer von 24–30 Stunden beim Diaphragma und 48 Stunden bei der Portiokappe nicht überschritten werden sollte.
Diaphragmen sind zwar frei verkäuflich, ihre Anpassung und Anwendung sollte jedoch durch Fachpersonal erfolgen. Frauen mit häufig wiederkehrenden Harnwegsinfekten sollten alternative Methoden verwenden.
Coitus interruptus
Diese Methode ist zwar jederzeit und ohne Vorbereitung anwendbar, soll allerdings laut Experten nicht zur Verhütung empfohlen werden. Nachteile sind gerade bei regelmäßiger Anwendung die geringe Sicherheit, die psychische Belastung sowie die Beeinträchtigung des sexuellen Erlebens. Wesentlicher Parameter für den Erfolg dieser Methode ist die Selbstkontrolle des Mannes, den Penis vor der Ejakulation aus der Vagina herauszuziehen.
Intrauterine Pessare
Zu ihnen zählen kupferfreisetzende Pessare (Cu-IUP) mit teilweise Silber- oder Goldlegierungen in T-, Anker- oder Ball-Form sowie als Kette. Die Kupferoberfläche sollte dabei mindestens 300 mm2 betragen. Die allgemeine Liegedauer liegt zwischen 3–10 Jahren. Die Lage des IUP sollte sechs Wochen nach Einlage kontrolliert werden, danach alle zwölf Monate. Bei der Einlage sollte den Anwenderinnen die korrekte Selbstkontrolle gezeigt werden. Kommt es zu Lageveränderungen, sollte eine zusätzliche Verhütungsmethode verwendet werden. Zusätzlich ist in den ersten Wochen nach Einlage das Risiko für aszendierende genitale Infektionen, beispielsweise Gonorrhö oder Chlamydien, erhöht.
Laut Expertenkonsens sind Cu-IUP eine sehr effektive kontrazeptive Methode mit niedrigen Schwangerschaftsraten. Außerdem können sie bis zu fünf Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr als Notfallkontrazeption angewendet werden.
Quellen
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG), Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG). S2k-Leitlinie „Nicht-hormonelle Empfängnisverhütung“. AWMF-Registernummer 015/095, Stand Dezember 2023.
Werner S. Hormonfrei verhüten. Erste Leitlinie erschienen. DAZ 2024;(12):44–49.
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