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Pregabalin und Gabapentin als Modedrogen

Drogendealer mit Antiepileptika im Angebot: Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie warnt angesichts eines zunehmenden Substanzmissbrauchs vor den möglichen Folgen.

Risiko der Abhängigkeit

Pregabalin ist eine Standardmedikation zur Behandlung der Epilepsie. Darüber hinaus dient es der Therapie von schweren Angststörungen und neuropathischen Schmerzen. Schattenseite dieser Substanz ist die potenzielle Suchtgefahr, denn sie wirken euphorisierend und leicht sedierend. Umso bedenklicher sieht die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) die zunehmende Karriere von Pregabalin und auch Gabapentin in der Drogenszene und deren Einnahme weit über therapeutischen Dosierungen hinaus. In einer aktuellen Pressemitteilung warnen die Experten vor dem Suchtpotenzial und gefährlichen Folgen: „Die Zahl der Pregabalin- und Gabapentin-assoziierten Todesfälle hat laut einer behördliche Auswertung der Todesdaten aus Großbritannien zugenommen und ein entsprechender Anstieg ist auch in Deutschland zu vermuten.“  Eine weitere Erkenntnis aus dieser Studie: Die letale Pregabalin-Dosis scheint geringer zu sein, als bislang angenommen.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) sprach bereits 2020 in einem Informationsblatt (pdf) eine entsprechende Warnung vor der Suchtgefahr aus. Inzwischen sind entsprechende Hinweise auch in der Fachinformation nachzulesen. Die AkdÄ sowie die Kassenärztliche Vereinigung Bremen bestätigten einen starken Anstieg der Verordnungszahlen in den letzten Jahren.

Gefährliche Kombinationen

Als äußerst bedenklich bezeichnet DGN-Generalsekretär Prof. Dr. Peter Berlit den Mischkonsum mit anderen Wirkstoffen oder Alkohol. Diese können den Effekt der Arzneimittel verstärken, sogar zu lebensbedrohlichen Vergiftungen, Ateminsuffizienz und Tod führen.

In Kombination mit Drogen wie Opioiden und Benzodiazepinen und/oder Alkohol kann schnell ein tödlicher Cocktail entstehen.“

Auch zu Gabapentin greifen offenbar immer mehr drogenabhängige Menschen. Eine intravenöse oder rektale Anwendung erhöht hierbei den Rauschzustand und die Toxizität deutlich.

Mehr Kontrolle durch BtM-Einstufung?

Pregabalin und Gabapentin sind laut Einschätzung der DGN unverzichtbar bei der Behandlung von neurologischen Erkrankungen. Bei vielen Indikationen gäbe es keine anderen wirksamen Therapiealternativen. Ein Verbot ist aus Sicht der Fachgesellschaft keine Option. Stattdessen seien eine höhere Kontrolle und ein Erschweren des Missbrauchs erstrebenswert.

Ärzte sollen bei einer Verordnung genau prüfen, ob eine Abhängigkeit bzw. Koabhängigkeit von anderen Substanzen vorliegt und bevorzugt kleinere Mengen verschreiben. Patienten sollen eine Aufklärung über die Suchtgefahr erhalten. Dem missbräuchlichen Konsum könnte zudem eine BtM-Pflicht entgegenwirken, so der Vorschlag der DGN.

Quelle

Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Pregabalin und Gabapentin in Kombination mit anderen Drogen – ein potenziell tödlicher Cocktail. Pressemitteilung vom 26. März 2024.

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