Die Ausbreitung einer neuen Mpox-Variante sorgt aktuell für internationale Unruhe. Zu häufig fiel der gewagte Vergleich mit der Corona-Pandemie. Doch auch weitere Erreger stehen immer wieder im Verdacht, zukünftige Pandemien auslösen zu können. Welche das sind und wie Forscher dies verhindern wollen, wird in einer aktuellen Veröffentlichung der WHO beschrieben.
Über 30 Pathogene mit hohem Risiko identifiziert
Am 14. August erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Ausbreitung von Mpox als „Gesundheitliche Notlage internationaler Reichweite“ (PHEIC). Grund dafür waren vermehrte Mpox-Ausbrüche in Afrika sowie das Auftreten der neuen Klade-1b-Variante. Seitdem gab es immer wieder Schlagzeilen, die die Mpox-Ausbrüche mit der Corona-Pandemie verglichen.
In einem Projekt der WHO, bei dem über 200 Wissenschaftler aus 50 Ländern etwa zwei Jahre forschten, wurde nun untersucht, welche Erreger im Verdacht stehen, zukünftige Pandemien auszulösen. Beteiligt waren 200 Wissenschaftler aus 50 Ländern, die über etwa zwei Jahre hinweg 1652 Pathogene (hauptsächlich Viren) untersuchten. Einbezogen wurde Übertragbarkeit und Virulenz der Erreger, aber auch Zugang zu Impfstoffen bzw. Diagnose- und Therapiemöglichkeiten der ausgelösten Krankheiten. Die Ergebnisse wurden am 30. Juli veröffentlicht.
Insgesamt wurden über 30 Pathogene mit hohem PHEIC-Risiko bestimmt. Relevante Pathogene („priority pathogens“) gehörten dabei unter anderen den Coronaviren, Pockenviren (Mpox-Viren) und Influenza-A-Viren an. Letztere galt mit gleich sieben Subtypen als die am häufigsten vertretene Virusfamilie dieser Liste.
„Prototype pathogens“ als Modellorganismen
Neben den „priority pathogens“ erstellten die Autoren auch eine Liste von „prototype pathogens“. Dabei handelt es sich um Modellorganismen einer potenziell gefährlichen Virusfamilie, die zukünftig der Grundlagenforschung und translationalen Forschung dienen könnten. An diesen Modellorganismen könnten neue Therapien dann erprobt und im Ernstfall auf verwandte Erreger übertragen werden, so die Forscher.
Chancen statt Panik
Die Liste möglicher pandemieauslösender Erreger soll dazu beitragen, im Zweifelsfall frühzeitige Präventionsmaßnahmen zu ergreifen und Notlagen zu vermeiden. Weiterhin zeigen derartige Auflistungen notwendige Investitionen in Forschung und Entwicklung auf, so die Autoren der Arbeit. Trotz der Auflistung bleibt die Benennung tatsächlich pandemieauslösender Erreger schwierig, denn auch bislang unbekannte Erreger treten immer wieder auf. Den Fokus zukünftig auf Erregerfamilien statt auf einzelne Pathogene zu richten, könnte dazu beitragen, auch in solchen Fällen schneller therapeutische Maßnahmen entwickeln zu können.
Quellen
Mallapaty S. The pathogens that could spark the next pandemic. Nature 2024;632:488. doi: 10.1038/d41586-024-02513-3.
WHO Team R&D Blue Print (RDB). Pathogens prioritization: a scientific framework for epidemic and pandemic research preparedness. Meeting Report vom 30. Juli 2024.