CGRP-Antikörper auch gegen Akne?

Auch bei Hauterkrankungen wie Akne und Rosacea spielt das Neuropeptid CGRP eine wesentliche Rolle. In einer Studie mit Migränepatienten waren die Raten von Akne und Rosacea unter einer Therapie mit CGRP-Antikörpern im Vergleich mit anderen Migränemitteln reduziert.

Die Beteiligung von CGRP bei Migräne

Das Neuropeptid CGRP (Calcitonin gene-related peptide) bewirkt eine Vasodilatation und Entzündung. Deshalb wurden CGRP-basierte Signalwege auch mit der Pathogenese einer Migräne in Verbindung gebracht. Mittlerweile sind sowohl monoklonale Antikörper zur Migräneprophylaxe als auch die nichtpeptidischen oralen Gepante für die Prophylaxe und Therapie der Migräne zugelassen.

CGRP bei Rosacea und Akne

Aber nicht nur bei einer Migräne, sondern auch bei Rosacea vermitteln CGRP und weitere Neuropeptide wie VIP (vasoactive intestinal peptide) und PACAP (pituitary adenylate cyclase activating polypeptide) die Erweiterung, erhöhte Permeabilität und auch Entzündung der Gefäße.

Bereits in einer kleinen dänischen Studie mit 30 Patienten konnte eine subkutane Applikation des CGRP-Antikörpers Erenumab alle vier Wochen die Tage mit Flush bei Rosacea signifikant reduzieren.

Der CGRP-Rezeptor wird allerdings auch in Talgdrüsen exprimiert und das Propionibakterium Cutibacterium acnes, das an der Entstehung von Akne und der Ausbildung von Komedonen beteiligt ist, bewirkt eine CGRP-vermittelte Inflammation.

Kohortenstudie mit Migränepatienten

In einer Kohortenstudie (TriNetX US Collaborative Network) wurde deshalb nun untersucht, ob die Rate sowohl von Akne als auch Rosacea durch die Gabe von CGRP-Antikörpern im Vergleich zu andern Migränemedikamenten reduziert wird. Die Patienten wurden in vier verschiedene Behandlungsgruppen aufgeteilt:

  • CGRP-Inhibitoren
  • Gepante
  • Triptane
  • Topiramat

Außer Triptane duften die Patienten keine weiteren Migränemedikamente einnehmen. Auch topische Arzneimittel zur Behandlung der Rosacea waren ausgeschlossen. In jeder Vergleichsgruppe wurden die Daten von ca. 17.000 bis 28.000 Patienten analysiert.

Reduzierte Raten von Akne und Rosacea mit CGRP-Antikörpern

Migränepatienten, die mit CGRP-Antagonisten behandelt wurden, hatten im Vergleich zur Behandlung mit Triptanen eine signifikant geringere Rate an Akne (Hazard Ratio [HR] 0,71; 95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 0,60–0,84) und Rosacea (HR 0,53; 95%-KI 0,39–0,72) nach einem Jahr.

Auch bei einer Behandlung mit Topiramat war der Vergleich mit den CGRP-Antikörpern signifikant zugunsten der Antikörper (Akne: HR 0,82; 95% KI 0,69–0,98; Rosacea: HR 0,65; 95% KI 0,47–0,90).

Beim Vergleich von CGRP-Antikörpern mit Gepanten konnte bei Akne nur ein HR von 0,87 (95%-KI 0,72–1,06) per Punktschätzung bestimmt werden. Der Vergleich bei der Rosacea war zugunsten der CGRP-Antikörper statistisch signifikant (HR 0,61; 95% KI 0,43–0,85).

Eine direkte CGRP-Inhibition scheint im Vergleich mit keiner (Topiramat) oder einer indirekten (Triptane) Hemmung mit einer Reduktion von Rosacea und auch Akne bei Migränepatienten einherzugehen. Die geringere Reduktion von Akne und Rosacea durch Gepante im Vergleich zu den CGRP-Antikörpern kann zum einen an der anderen Arzneistoffklasse, aber zum anderen auch am Dosierungsschema liegen, da Gepante auch zur Akuttherapie der Migräne eingesetzt werden und nicht nur regelmäßig eingenommen werden.

Weitere Studien notwendig

Weitere Studien, in denen eine Dosis-Wirkungsbeziehung untersucht wird und zusätzliche Einflussfaktoren wie die Migränestärke, Einnahme von OTC-Arzneimitteln und Adhärenz betrachtet werden, sind nun notwendig.

Quellen

Thang CJ, et al. Calcitonin Gene-Related Peptide Inhibition and Development of Acne and Rosacea. JAMA Dermatol 2024;160(8):895-898. doi: 10.1001/jamadermatol.2024.2182.

Wienholtz NKF, et al. Erenumab for Treatment of Persistent Erythema and Flushing in Rosacea: A Nonrandomized Controlled Trial. JAMA Dermatol 2024;160(6):612–19. doi: 10.1001/jamadermatol.2024.0408.