Hydroxychloroquin zur frühen Therapie von COVID-19

Die bisherigen Studienergebnisse zu Hydroxychloroquin sind enttäuschend. In einer aktuellen Studie setzten Ärzte das Medikament nun bereits sehr früh ein.

Hydroxychloroquin bisher nur im Krankenhaus

Schon zu Beginn der COVID-19-Pandemie wurde Hydroxychloroquin als potenzielle Therapie der Infektionskrankheit propagiert. In der Zwischenzeit gibt es die Ergebnisse mehrerer randomisierter Studien, die zeigen dass Hydroxychloroquin bei Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden, die Prognose nicht verbessert. Die Autoren der vorliegenden Studie untersuchten, ob Hydroxychloroquin wirksam ist, wenn es früh bei Patienten eingesetzt wird, die nur leicht betroffen sind.

Behandlungsbeginn innerhalb von 4 Tagen

Es handelte sich um eine doppelblinde Placebo-kontrollierte Studie, die zwischen dem 22. März und 20. Mai 2020 durchgeführt wurde. Die Untersuchung erfolgte in den Vereinigten Staaten und Kanada. Die Koordinatoren schlossen symptomatische Patienten ein, die sich nicht im Krankenhaus befanden und bei denen entweder ein PCR-Nachweis für eine SARS-CoV-2-Infektion vorlag oder die einen Hochrisikokontakt mit einem Patienten mit PCR-bestätigtem COVID-19 gehabt hatten. Die Behandlung begann innerhalb von 4 Tagen nach Beginn der Symptomatik.

Die Therapie mit Hydroxychloroquin erfolgte mit einer Initialdosis von 800 mg gefolgt von 600 mg/Tag für 4 Tage oder mit Placebo. Die Studie erfasste die Symptome und die Schwere der Symptomatik bei Studieneinschluss und dann über 3, 5, 10 und 14 Tage. Die Schwere der Symptome wurde mit einer visuellen Analogskala gemessen.

Der primäre Endpunkt war die Änderung der Gesamtsymptomatik über 14 Tage.

Kein Unterschied in der Symptomatik

Von den 491 randomisierten Patienten lagen bei 423 Patienten Daten zum primären Endpunkt vor. 341 (entsprechend 81%) hatten eine im Labor nachgewiesene SARS-CoV-2-Infektion oder Kontakt mit einer Person mit entsprechendem Virusnachweis. 56% der Patienten wurden innerhalb eines Tages nach Beginn der Symptomatik randomisiert.

  • Die Schwere der Symptome war über einen Zeitraum von 14 Tagen zwischen der Hydroxychloroquin-Gruppe und der Placebo-Gruppe nicht unterschiedlich.
  • Die Differenz in der Schwere der Symptomatik betrug 12% (relativ) beziehungsweise 0,27 Punkte auf der visuellen 10-Punkte-Analogskala.
  • Nach 14 Tagen hatten noch 24% (49/201) der Patienten der Hydroxychloroquin-Gruppe Symptome, verglichen mit 30% (59/194) der Patienten der Placebo-Gruppe.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen traten bei 43% der Teilnehmer auf, die Hydroxychloroquin erhielten, verglichen mit 22%, die Placebo einnahmen. Während der Beobachtungszeit mussten 10 Patienten in der Placebo-Gruppe und 4 Patienten in der Hydroxychloroquin-Gruppe stationär behandelt werden. Auch dieser Unterschied war nicht signifikant.

Kommentar

Diese randomisierte doppelblinde Placebo-kontrollierte Studie von symptomatischen Patienten im ambulanten Setting ergab keinen therapeutischen Nutzen einer 5-tägigen Behandlung mit Hydroxychloroquin im Vergleich zu Placebo. Es ist die erste Studie, in der Hydroxychloroquin sehr früh bei ambulanten Patienten eingesetzt wurde. Die Ergebnisse stimmen jedoch mit den Studien überein, bei denen Hydroxychloroquin im Krankenhaus eingesetzt wurde [1–3], sowie mit einer Studie zum prophylaktischen Einsatz bei Personen mit Exposition gegenüber dem Virus [4].

Die Studie nutzte eine sehr einfache Methodik mit einer visuellen Analogskala, die die Symptome und deren Schweregrad beschrieb. Daher konnten die Autoren natürlich nicht erfassen, welche Patienten länger anhaltende Symptome hatten und ob diese möglicherweise durch Hydroxychloroquin beeinflusst werden. Im Gegensatz zu den anderen Hydroxychloroquin-Studien war diese Studie mit einem mittleren Alter von 50 Jahren an einer relativ jungen Population durchgeführt worden. Ein Nachteil der Studie ist, dass ein Virusnachweis nur bei einem Teil der eingeschlossenen Patienten erfolgte. Dies lag daran, dass zu dem Zeitpunkt Ende März und Anfang April 2020 in vielen amerikanischen Bundesstaaten keine ausreichenden Testkapazitäten für die SARS-CoV-2-Infektion vorlagen.

Quelle

Skipper CP, Pastick KA, Engen NW, et al. Hydroxychloroquine in nonhospitalized adults with early COVID-19. Ann Intern Med 2020; https://doi.org/10.7326/M20-4207.

Literatur

  1. Geleris J, Sun Y, Platt J, Zucker J, Baldwin M, Hripcsak G, et al. Observational study of hydroxychloroquine in hospitalized patients with Covid-19. N Engl J Med 2020;382:2411–8.
  2. Rosenberg ES, Dufort EM, Udo T, Wilberschied LA, Kumar J, Tesoriero J, et al. Association of treatment with hydroxychloroquine or azithromycin with in-hospital mortality in patients with COVID-19 in New York State. JAMA 2020;323:2493–502.
  3. Tang W, Cao Z, Han M, Wang Z, Chen J, Sun W, et al. Hydroxychloroquine in patients with mainly mild to moderate coronavirus disease 2019: open label, randomised controlled trial. BMJ. 2020;369:m1849.
  4. Boulware DR, Pullen MF, Bangdiwala AS, Pastick KA, Lofgren SM, Okafor EC, et al. A randomized trial of hydroxychloroquine as postexposure prophylaxis for Covid-19. N Engl J Med 2020;383:517–25.

Autor

Foto Prof. Diener
Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener. Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen, Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE).