Entzündungsprozesse im veränderten Fettgewebe führen zu Assoziationen zwischen Adipositas und Dermatosen. Adipöse Patienten mit Psoriasis, Hidradenitis suppurativa und atopischer Dermatitis können durch Gewichtsreduktion auch ihrer Haut helfen.
Adipositas und Hauterkrankungen können einander bedingen
Forschende aus Endokrinologie und Dermatologie beobachten eine Wechselwirkung zwischen Adipositas als Teil des metabolischen Syndroms und Hauterkrankungen, erklärte Prof. Dr. med. Matthias Blüher, Leipzig, in der Online-Pressekonferenz zum Auftakt der DERMATOLOGIE kompakt + praxisnah KoPra vom 26. bis 28.02.2026.
Bei Adipositas ist das Fettgewebe nicht einfach nur vergrößert, es bildet vor allem als Bauchfett ein hochaktives endokrinologisches Organ. Die zelluläre Zusammensetzung und Verteilung des kranken Fettgewebes sind Auslöser für schädliche Signale, die unter anderem die Haut erreichen.
Wechselseitige Mechanismen
Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Adipositas und dem Risiko für schwere Verläufe bei Psoriasis, Hidradenitis suppurativa sowie für Infektionen und Wundheilungsstörungen. Andersherum besteht für chronisch entzündliche Systemerkrankungen ein hohes Risiko für die Entwicklung von Komorbidität wie dem metabolischem Syndrom.
Die genauen Mechanismen hinter dem Zusammenhang zwischen starkem Übergewicht und einem erhöhten Risiko für immunvermittelte Hauterkrankungen sind noch unbekannt, sagte Blüher.
Vermutet wird, dass überschüssiges Fettgewebe proinflammatorische Mechanismen auslöst, die die Entwicklung von Hautkrankheiten beeinflussen.
Botenstoffe aus den Fettzellen
Dreh- und Angelpunkt ist das weiße Fettgewebe, zuständig für die Wärmeisolation, Energiespeicherung und die Sekretion sogenannter Adipokine. Die regulatorischen Peptide haben zahlreiche parakrine und endokrine Auswirkungen auf Stoffwechsel- und Immunfunktionen. Deren Freisetzung ist abhängig von der Art des subkutanen Fettgewebes. So sind Erkrankungen des Fettgewebes mit Herz-, Stoffwechsel- und Entzündungserkrankungen, Krebs und mit der Hautgesundheit assoziiert.
Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass Adipokine aus dem Fettgewebe wie Leptin, Adiponektin, Interleukin 6, Tumornekrosefaktor-alpha und der Plasminogen-Aktivator-Inhibitor Typ 1 die Hauptdeterminanten der Adipositas-bedingten Entzündung sind.
Die Serum-Leptinspiegel sind bei Menschen mit Adipositas erhöht, und Leptin könnte einer der Faktoren sein, der Adipositas und Psoriasis verbinden.
Der Zusammenhang mit Adipositas besteht nicht nur bei der Psoriasis, sondern vermutlich auch bei anderen entzündlichen Dermatosen wie Hidradenitis suppurativa und atopischer Dermatitis. Auch das Mikrobiom der Haut ist verändert.
Gewichtsmanagement bringt Vorteile
Da ein Gewichtsverlust positive Auswirkungen auf die Therapie von Dermatosen zeigt, stellt sich bei Menschen mit Adipositas die Frage, inwieweit das Körpergewicht und die im Fettgewebe ablaufenden Entzündungsprozesse über Erfolg oder Misserfolg der Therapie chronisch entzündlicher Hauterkrankungen entscheiden.
Der Experte betonte, dass neben Ernährungsumstellung, Bewegung und Verhaltenstherapie moderne Medikamente wie GLP-1- und GIP-Rezeptoragonisten eine wichtige Säule für einen langfristigen Erfolg bei der Adipositastherapie sind – und möglicherweise auch für die Behandlung von Dermatosen.
Bei Psoriasis-Patienten, bei denen eine antientzündliche Biologika-Therapie von einer gleichzeitigen Gewichtsreduzierung begleitet wird, ist der Effekt der Antikörper-Behandlung besser. „Eine enge Abstimmung zwischen den Behandelnden aus Dermatologie und Endokrinologie erscheint daher sehr sinnvoll“, so Blüher. Aber sie sollte individuell erfolgen, denn es gibt unerwünschte Begleiteffekte und noch wenig Wissen zu Langzeitfolgen.
Quelle
Prof. Dr. med. Matthias Blüher, Leipzig. Adipositas und Dermatosen: Wie sich Gewichtsreduktion auf chronische Hauterkrankungen wie Psoriasis und ihre Therapie auswirkt. Online-Pressekonferenz zur DERMATOLOGIE kompakt + praxisnah der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD) am 24.02.2026.
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