Krebsrisiko unter Psoriasis-Therapie

Theoretisch könnte die Immunüberwachung von Tumorzellen durch verschiedenen Psoriasis-Arzneimittel gestört werden. Eine Registerstudie liefert nun Hinweise zum Langzeit-Krebsrisiko unter Adalimumab, Secukinumab und Ustekinumab.

Immunüberwachung beeinträchtigt?

Biologika zur Behandlung einer mittelschweren bis schweren Psoriasis können potenziell die Immunüberwachung von Tumorzellen beeinflussen. Das heißt, die normale Funktion des Immunsystems, Tumorzellen erkennen und zerstören zu können, könnte durch die Arzneimittel unterdrückt oder vermindert sein. Krebserkrankungen sind dementsprechend ein Langzeit-Sicherheitsendpunkt dieser Medikamente und Patienten unter Therapie sollten langfristig nachbeobachtet werden.

Für Adalimumab, Secukinumab und Ustekinumab liegen nun dänische Registerdaten vor. Untersucht wurde das Risiko von Psoriasis-Patienten, die diese Arzneimittel anwenden, an einer Krebserkrankung zu erkranken (ausgenommen nichtmelanozytärer Hautkrebs).

Dänische Registerdaten liefern Hinweise

Eingeschlossen wurden 2878 Psoriasis-Patienten ohne Krebserkrankung in der Vorgeschichte, die erstmalig Biologika gegen die Erkrankung anwendeten. 2001 erhielten den TNF-alpha-Blocker Adalimumab, 286 den Interleukin(IL-17)-Inhibitor Secukinumab und 591 den IL-17/23-Inhibitor Ustekinumab.

Endpunkt war das erste Auftreten einer Krebserkrankung außer nichtmelanozytärem Hautkrebs. Es wurde jeweils ein Verzögerungszeitraum von 12 Monaten nach Behandlungsbeginn und 12 Monaten nach Behandlungsende einbezogen, um die Induktions- und Latenzzeiten der Krebserkrankung zu berücksichtigen.

Etwas höheres Risiko unter TNF-alpha-Inhibitoren

Unter Einbeziehung dieses Verzögerungszeitraums wurden 36 (4120 Personenjahre), 5 (706 Personenjahre) bzw. 10 (2242 Personenjahre) Erstdiagnosen von Krebs in der Adalimumab-, Secukinumab- bzw. Ustekinumab-Gruppe gestellt.

Es fanden sich Hinweise, dass das 5-Jahres-Krebsrisiko unter Ustekinumab niedriger ist als unter Adalimumab. Auch unter Secukinumab scheint das Risiko etwas geringer zu sein als unter Adalimumab. Zum einen war der Unterschied aber nicht so ausgeprägt wie bei Ustekinumab und zum anderen war die Zahl der Krebsdiagnosen unter Secukinumab so niedrig, dass die Aussagekraft der Ergebnisse nicht sehr groß ist (nicht ausreichend statistisch gepowert).

Die Autoren verweisen darauf, dass auch eine andere Studie bereits andeutet, dass Tumornekrosefaktor-Inhibitoren mit einem höheren Risiko zumindest für bestimmte Krebsarten im Vergleich zu IL-17- und IL-23-Inhibitoren assoziiert sind.

Mehr aussagekräftige Studien benötigt

Limitierend ist laut Autoren, dass keine spezifischen Krebsarten untersucht wurden und dass mögliche Störfaktoren gegebenenfalls nicht ausreichend erfasst sind. Diese Ergebnisse könnten als vergleichende Risikoschätzungen dienen, sollten aber nicht als kausale Zusammenhänge interpretiert werden, so die Autoren.

Insgesamt deute die niedrige Inzidenz angesichts der zunehmenden Anwendung von IL-17- bzw. IL-17/23-Inhibitoren auf ein klinisch beruhigendes Signal hin. Größere Studien zu spezifischen Krebsarten sind erforderlich, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Quelle

Schwarz CW et al. Comparative Cancer Risk in Patients With Psoriasis Treated With Adalimumab, Secukinumab, or Ustekinumab. JAMA Dermatology 2025, Published online October 22. https://jamanetwork.com/journals/jamadermatology/article-abstract/2840410

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