Arzneistoffe, die gegen Krebszellen gerichtet sind, müssen effektiv wirken. Leider können dabei auch gesunde Zellen in die Schussbahn geraten. Bei manchen Nebenwirkungen haben Betroffene auch selbst Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen.
Keine Wirkung ohne Nebenwirkung
Für die Krebstherapie gibt es verschiedene Ansätze, aus denen je nach individuellem Krankheitsbild die behandelnden Ärzte über das geeignetste Vorgehen entscheiden müssen. Teil dieses Vorgehens ist neben der Therapie selbst auch die Prävention, Linderung und Behandlung von Nebenwirkungen. Das Universitäre Zentrum für Tumorerkrankungen (UCT) Frankfurt-Marburg hat im Zuge einer digitalen Vortragsreihe für Patienten, Angehörige und Interessierte Dr. med. Mohammad-Reza Rafiyan, Klinik für Onkologie und Hämatologie, Krankenhaus Nordwest, eingeladen, um über Nebenwirkungen von Krebsmedikamenten zu informieren und bestehende Linderungsmöglichkeiten zu erläutern.
Unter Krebsmedikamenten ist es kaum vermeidbar, dass auch gesunde Zellen von der Therapie betroffen sind. Wie sich Nebenwirkungen äußern, wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Zum einen ist die Art der Therapie maßgeblich, denn je nach Wirkungsmechanismus unterscheiden sich die möglichen Reaktionen des Körpers. Aber auch Therapieschema, Applikationsart und interindividuelle Unterschiede – beispielsweise das Alter, die Genetik, die Krankheitsgeschichte oder die aktuelle physische und psychische Verfassung – tragen zum Erscheinungsbild unerwünschter Arzneimittelwirkungen bei. Entsprechend können diese auch in Bezug auf Häufigkeit, Schwere, Dauer und Behandelbarkeit unterschiedlich ausfallen.
Nebenwirkungen hängen vom Wirkungsmechanismus ab
Neben der operativen Entfernung und der Radiotherapie gibt es auch die medikamentöse Krebstherapie, die als Tablette oder über Infusionen oder Injektionen verabreicht werden kann.
Die in der Chemotherapie verabreichten antineoplastisch wirksame Arzneistoffe (Zytostatika) sind gegen sich schnell teilende Zellen gerichtet, weshalb Nebenwirkungen besonders Geweben wie Schleimhäute, Haare und Knochenmark betreffen und Veränderungen des Blutbilds, Haarausfall und Übelkeit zur Folge haben können. Antihormonelle Wirkstoffe sollen hormonabhängigen Tumoren die Botenstoffe entziehen. Die entsprechenden Nebenwirkungen hängen von der Funktion und Wirkweise des blockierten Hormons ab. Wenn Tumorzellen bestimmte molekulare Strukturen aufweisen, beispielsweise durch genetische Veränderungen, können diese als sogenanntes Target für entsprechende Wirkstoffe dienen. Doch trotz der gezielten Wirkungsmechanismen kann der Körper mit Hautreaktionen und Durchfall reagieren. Auch das körpereigene Immunsystem kann gegen fremde oder entartete Zellen vorgehen, wenn es sie als solche erkennt. Einige Tumorzellen haben allerdings Wege gefunden, dem Immunsystem zu entgehen. Immuntherapien sollen das körpereigene Immunsystem aktivieren und nutzen unter anderem Antikörper wie Checkpoint-Inhibitoren. Durch die Aktivierung des Immunsystems sind überschießende Immunreaktionen wie Fieber und Entzündungsreaktionen möglich.
Verschiedene Maßnahmen sind möglich
Wie Nebenwirkungen behandelt werden, unterliegt der Obhut des behandelnden Arztes. Nebenwirkungen und Beschwerden sollten deshalb dem Fachpersonal mitgeteilt werden, denn Symptome wie ein allgemeines Krankheitsgefühl, trockener Husten, Luftnot, Schmerzen, Übelkeit, Hautreaktionen und weitere können wichtige Hinweise zur Identifizierung geeigneter Maßnahmen sein. Unter Einbezug aller bekannten Faktoren kann der Arzt dann die bestmögliche Strategie festlegen. Dennoch kann der Patient in einigen Fällen auch selbst aktiv werden, um Nebenwirkungen zu lindern oder ihnen vorzubeugen.
Fatigue-Syndrom
Müdigkeit führt häufig zu Bewegungsmangel und dieser verschlimmert wiederum die Müdigkeit – ein Teufelskreis. Selbsthilfemaßnahmen können unter anderem Tagespläne mit bewussten Pausen sowie Schlafhygiene und leichte Bewegung (soweit es möglich ist) sein. Dr. Rafiyan wies außerdem auf Angebote von Gesundheitsanbietern hin. Bewegungs- und Sportprogramme können beim Aufrechterhalt oder der Zunahme des Muskelanteils helfen, aber auch das subjektive Empfinden und die Compliance verbessern und die soziale Kompetenz erhöhen, so der Experte. Mit einer professionellen Ernährungsberatung möchte man einer Mangelernährung entgegenwirken.
Hitzewallungen
Für die Behandlung sind die Ursachen der Hitzewallungen entscheidend. Wichtig ist aber eine ausreichende Hydrierung, um den Körper vor dem Austrocknen zu bewahren. Auch weitere Anpassungen des Alltags, wie der Verzicht auf scharfe Gewürze können sachdienlich sein. Für komplementär- oder alternativmedizinische Ansätze gibt es kaum wissenschaftliche Daten. Zwar wird zum Teil von positiven Wirkungen berichtet, dennoch sollte die Anwendung immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen, da auch sie Neben- und Wechselwirkungen verursachen und den Therapieerfolg beeinflussen können.
Quelle
Dr. med. Reza Rafiyan, Klinik für Hämatologie und Onkologie, Krankenhaus Nordwest Frankfurt: „Gut durch die Krebstherapie: Nebenwirkungen verstehen und lindern“ am 9. Dezember 2025, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Krebs verstehen – im Austausch mit Experten“, UCT Frankfurt-Marburg.
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