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Iss gut, schlaf gut! Wie Lebensmittel den Schlaf fördern oder vermindern

Kaffee hält wach, soviel ist klar. Doch auch Proteine, Kohlenhydrate und bestimmte Fettsäuren beeinflussen die Nachtruhe.

Ernährung und Schlaf

Das Motto des Aktionstags Erholsamer Schlaf der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) „Der Wert von Schlaf“ soll die immense, aber immer noch unterschätzte Bedeutung von Schlaf für unsere Gesundheit ausdrücken. Vor diesem Hintergrund betonte Priv.-Doz. Dr. Anna Heidbreder, Linz: Schlaf dient nicht nur der psychischen und physischen Erholung, sondern hat darüber hinaus viele lebenswichtige Funktionen. Gleiches gilt für eine gesunde Ernährung. Gibt es eine Schnittmenge?

Nahrungsmittel mit direktem Einfluss

Eine bekannte Einflussgröße ist Coffein. Es blockiert Adenosin-Rezeptoren im Gehirn und unterbindet die schlaffördernde Wirkung dieses Botenstoffs. Den gegenläufigen Effekt haben Nahrungsmittel mit Melatonin. Schlafmediziner sehen melatoninhaltige Produkte jedoch mit Vorsicht, so die Neurologin. Aber auch sekundäre Effekte, etwa eine ernährungsbedingte Reduktion von Entzündungsbotenstoffen im Körper, können indirekt günstig auf unseren Schlaf wirken.

Kohlenhydrate

Für Kohlenhydrate sind die Daten widersprüchlich. Auf der einen Seite konnte für solche mit einem hohen glykämischen Index nachgewiesen werden, dass diese sich günstig auf eine verkürzte Einschlaflatenz auswirken. Hingegen fand eine Studie mit postmenopausalen Frauen, dass solche Kohlenhydrate mit einem höheren Risiko für eine Insomnie assoziiert sind. Heidbreder zufolge löst kohlenhydratreiche Kost wahrscheinlich einen Energieschub mit schnell darauffolgendem Tief aus.

Ungesättigte Fette

Zum Einfluss von großen Mengen nicht gesättigter Fette auf den Schlaf finden sich Hinweise, dass diese sich ungünstig auf die Schlafarchitektur auswirken können. In einer Studie wiesen gesunde Probanden dadurch einen reduzierten Tiefschlafanteil auf. Anders Omega-3-Fettsäuren: Sie führten bei Jugendlichen in einer Studie zu einem weniger fragmentierten und länger dauernden Schlaf als eine Kontrollgruppe.

Proteine

Einen Überblick über die grundsätzliche Aufnahme von Proteinen und Schlaf zu bekommen sei fast unmöglich. Die Wissenschaft sei vor allem an expliziten schlafbeeinflussenden Proteinen wie Tryptophan interessiert. In einer japanischen Studie verbesserte ein höherer Tryptophan-Index im Frühstück den Nachtschlaf von Jugendlichen.

Noch zu wenige Studien

Obwohl die Literatur über den Einfluss von Ernährung auf den Schlaf stetig zunimmt und die Anzahl der Studien enorm ist, handelt es sich bei der Vielzahl der Untersuchungen nur um Beobachtungsstudien mit einer meist begrenzten Stichprobengröße und oft widersprüchlichen Ergebnissen. Klinische Interventionsstudien, die die Rolle der einzelnen Nahrungsbestandteile untersuchen sollen, sind dagegen rar und aufgrund der komplexen Nährstoffkomponenten oft nur schwer umsetzbar.

Quelle

Priv.-Doz. Dr. Anna Heidbreder, Linz. Nahrungsmittel haben generell Einfluss auf den Schlaf – Rolle der einzelnen Bestandteile muss wissenschaftlich noch besser untersucht werden. Online-Pressekonferenz zum DGSM-Aktionstag Erholsamer Schlaf am 17. Juni 2025.

Bildquelle

Studium L&M – stock.adobe.com