Synthetisch, hochrein, hochwirksam: In ihrem aktuellen Drogenbericht warnt die Drogenagentur der Europäischen Union vor neuen Gesundheits- und Sicherheitsrisiken, die mit dem raschen Wandel auf dem Drogenmarkt einhergehen.
Drogenbericht 2025 fasst aktuelle Trends zusammen
Im jährlich veröffentlichten Europäischen Drogenbericht fasst die Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) neue Trends und Bedrohungen aus der EU, Norwegen und der Türkei zusammen. Unter anderem warnt sie in ihrem aktuellen Bericht vor Risiken für die öffentliche Gesundheit, die von einem immer vielfältigeren Spektrum an Substanzen mit meist hohem Wirkstoffgehalt und Reinheitsgrad ausgehen. Sorge bereiten den Experten synthetische Cathinone, hochwirksame synthetische Opioide und starke Cannabisprodukte.
Problematisch ist außerdem der weit verbreitete Polykonsum: Die Kombination verschiedener Drogen (auch mit Alkohol) ist mit einem höheren Risiko gesundheitlicher sowie sozialer Probleme verbunden und erschwert die Behandlung akuter Vergiftungen.
Cathinone auf dem Vormarsch
Die gestiegene Verfügbarkeit der zu den Amphetaminen gehörenden synthetischen Cathinone schlage sich „in noch nie dagewesenen Einfuhren und Beschlagnahmungen“ nieder, heißt es in einer Pressemitteilung der EUDA. Im Jahr 2023 wurden mehr als 37 Tonnen synthetischer Cathinone gemeldet (2021: 4,5 Tonnen). 2024 konnten sieben neue synthetische Cathinone identifiziert werden. Damit erhöhe sich die Gesamtzahl dieser Substanzen, die in Europa unter Beobachtung stehen, auf 178. Der Konsum geschehe nicht nur bewusst, sondern auch ungewollt über Drogengemische und Tabletten.
Nitazene bergen hohe Gefahr von Vergiftungen
Auf Opioide in Kombination mit anderen Substanzen waren 2023 etwa 7500 Todesfälle zurückzuführen (2022: etwa 7100). Neue synthetische Opioide spielen noch eine eher untergeordnete Rolle. Nur in den baltischen Ländern sind sie überdurchschnittlich präsent und für einen großen Anteil der Todesfälle durch Überdosierung verantwortlich. Seit 2009 wurden 88 neue synthetische Opioide auf dem europäischen Markt identifiziert. Diese sind oft hochwirksam, was erhöhte Vergiftungs- und Sterblichkeitsrisiken mit sich bringt. 2024 wurden sieben neue synthetische Opioide – allesamt Nitazene – gemeldet.
Ein erhebliches Risiko für schwere Vergiftungen und Überdosierungen gehe mit gefälschten Arzneimitteln einher, die Nitazene enthalten. Mit ihnen werden in der Regel legale verschreibungspflichtige Arzneimittel (z.B. Oxycodon, Benzodiazepine) nachgeahmt.
Da Nitazene wie Metonitazen und Protonitazen in China inzwischen reguliert werden, geht die EUDA davon aus, dass es zu einer Verschiebung hin zu neuartigen Derivaten oder alternativen Opioiden kommen wird, z.B. zu Substanzen aus der Familie der Orphine wie Cychlorphin oder Spirochlorphin.
Hochwirksame Cannabis-Produkte und halbsynthetische Cannabinoide
Der durchschnittliche Gehalt an Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) von Cannabisharz hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt – er betrug 2023 bereits 23%. Der THC-Gehalt von Cannabiskraut hingegen liegt stabil bei 11%. Das breitere Angebot an verfügbaren Produkten, darunter hochwirksame Extrakte und Edibles, erschwert inzwischen die Bewertung der Gesundheitsrisiken: Einige Produkte, die auf dem illegalen Markt als Cannabis verkauft werden, können mit hochwirksamen neuen synthetischen Cannabinoiden versetzt sein, ohne dass der Konsument dies weiß. Aufgrund der verstärkten Regulierung synthetischer Cannabinoide in China ging die Verfügbarkeit dieser Substanzen in Europa zurück. Dafür stieg der Anteil halbsynthetischer Cannabinoide aus Cannabidiol (CBD) wie Hexahydrocannabinol (HHC). 18 der 20 neu nachgewiesenen Cannabinoide waren im Jahr 2024 halbsynthetisch.
Kokain: zunehmende gesundheitliche Auswirkungen, hohe Verfügbarkeit
Kokain ist nach Cannabis die am zweithäufigsten konsumierte illegale Droge in Europa. Zudem ist es wahrscheinlich die am häufigsten gemeldete Substanz bei Personen in den Notaufnahmen von Krankenhäusern. Bei jedem vierten Fall akuter Drogenvergiftung war Kokain beteiligt. 2023 meldeten die EU-Mitgliedstaaten im siebten Jahr in Folge eine Rekordmenge an sichergestelltem Kokain: insgesamt 419 Tonnen.
Dass der Konsum von injiziertem Kokain und Crack zunimmt, zeigen auch Abwasseranalysen: In mehr als der Hälfte der Städte, aus denen Daten für 2023 und 2024 verfügbar sind, war eine Zunahme der Kokainrückstände im Abwasser festzustellen.
Quellen
- Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA). Pressemitteilung zum Europäischen Drogenbericht 2025 vom 5. Juni 2025.
- Europäischer Drogenbericht 2025
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