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Bluthochdruck im Kindesalter: Selten, aber prägend

Die Prävention von Bluthochdruck sowie eine frühe Behandlung von Hypertonie im Kindesalter ist weichenstellend für das spätere Leben. Selbst Risikofaktoren aus der Zeit vor der Geburt lassen sich durch entsprechende Maßnahmen entschärfen.

Ungünstigen Vorzeichen entgegentreten

Verschiedene Faktoren begünstigen die Entstehung von Bluthochdruck. Einige stammen sogar aus der Zeit vor der Geburt und werden Kindern gewissermaßen „mit in die Wiege gelegt“. Dennoch ist Bluthochdruck nicht als unabwendbares Schicksal zu verstehen, betonte Professor Elke Wühl, Heidelberg, auf der Pressekonferenz im Rahmen des 47. Deutschen Hypertonie Kongresses. Denn das Risiko lässt sich beeinflussen. Bei ungünstigen Voraussetzungen kommt einer frühzeitigen Prävention besondere Bedeutung zu.

Kinder mit Hypertonie nehmen ihre hohen Blutdruckwerte meistens mit ins Erwachsenenalter.

Da das kardiovaskuläre Risiko teilweise intrauterin festgelegt wird, haben Kinder bereits unterschiedliche Startpunkte, was ihre Gesundheitsperspektive angeht, bevor sie auf die Welt kommen, so die Referentin. Zu den Einflussfaktoren, die bereits vor der Geburt die Weichen auf „Bluthochdruck“ stellen können, zählen:

  • Niedriges Geburtsgewicht
  • Frühgeburtlichkeit
  • Mütterliche Risikofaktoren während der Schwangerschaft, z. B. Präeklampsie
  • Bluthochdruck der Mutter
  • Übergewicht der Mutter
  • Nikotinkonsum der Mutter
  • Genetische Faktoren

Junge Frauen investieren mit gesunder Ernährung, Rauchentwöhnung und Blutdruckkontrolle nicht nur in die eigene, sondern auch in die Gesundheit ihrer Kinder. Daher sollten sie spätestens in Schwangerschaft die Bedingungen optimieren.

Risiko abmildern

Wühl machte deutlich: Durch äußere Umstände kann die Aktivierung des Erbmaterials beeinflusst werden. Das Phänomen trägt den Namen „epigenetische Modifikation“: Wir können mit der richtigen Lebensführung Einfluss darauf nehmen, ob eine bestimmte Erbinformation vermehrt oder vermindert ausgelesen wird. Für das Hypertonierisiko heißt das: Wer vorbelastet ist, kann durch Ernährung und Bewegung gegensteuern.

Da mit der Zunahme der Prävalenz von Übergewicht bei Kindern auch deren Hypertonierisiko steigt, gilt es, dies frühzeitig zu tun. Hier gibt die S2k-Leitlinie „Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter“ konkrete Empfehlungen:

  • Mindestens 60 Minuten moderate bis intensive körperliche Aktivität pro Tag
  • 2 bis 3 Portionen Gemüse und Obst pro Tag
  • Reduzierung der Aufnahme von Salz, Zucker und ungesättigten Fettsäuren
  • 9 bis 12 Stunden ununterbrochener Schlaf
  • Reduzierung der Inaktivität und Sitzzeiten, insbesondere begrenzter Medienkonsum auf 30 bis 60 Minuten täglich
  • Einbindung von Meditiations- und Atemübungen ab dem Kindergartenalter

Dem jungen Hochdruck auf der Spur

Bluthochdruck bei Kindern festzustellen, ist gar nicht so einfach, waren sich die Experten auf der Pressekonferenz einig. Denn eventuell vorliegende Messgeräte für den Heimgebrauch sind für Erwachsene konzipiert. Die Manschetten passen nicht für Kinder, es sind damit keine brauchbaren Werte zu ermitteln. Zudem gelten abweichende Normwerte bei jungen Menschen. Was bei einem Erwachsenen normal ist, ist bei einem Dreijährigen schon Hochdruck.

Die Alternative ist eine Messung oder gar ein routinemäßiger Check-up beim Kinderarzt oder in der Apotheke mit kindgerechten Messgeräten. Allerdings gestaltet sich die praktische Durchführung vor allem bei den quirligen jüngsten Patienten als schwieriges Unterfangen. Eine Messung wird ab drei Jahren empfohlen, bei unauffälligen Werten anschließend jeweils alle zwei Jahre.

Wir können Kinder gut behandeln.

Momentan haben etwa 400.000 Kinder in Deutschland die Diagnose Bluthochdruck. Eine Erkrankung sollte bereits in jungen Jahren behandelt werden. Auch bei Kindern ist Gewichtsreduktion als Hochdrucksenkung effizient, zusätzlich stehen Antihypertensiva zur Verfügung. Zwar sind Arzneimittelzulassungen im Kindesalter oft eingeschränkt, es bestehen aber teilweise jahrzehntelange Erfahrungen in der Off-Label-Anwendung.

Quelle

Prof. Dr. med. Elke Wühl. Gender- und altersspezifische Aspekte von Bluthochdruck. Pressekonferenz zum 47. Deutsche Hypertonie Kongress am 30. November 2023.