Darum schlafen wir immer weniger

Im Rahmen einer Online-Pressekonferenz thematisierte Prof. Dr. med. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité, weshalb die durchschnittliche Schlafzeit weltweit sinkt und wie wir dagegen ankämpfen können.

Vier Punkte, die unsere Schlafqualität beeinflussen

Als Zusatzprogramm der Smartwatch oder als App im Smartphone: Schlaftracker erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit. Die Firma Samsung hat sich dies zunutze gemacht und insgesamt 716 Millionen Nächte ausgewertet, die über zwei Jahre hinweg in 195 Ländern aufgezeichnet wurden. Es zeigte sich: Die durchschnittliche weltweite Schlafzeit hat im Vergleich zum Vorjahr um 4 Minuten abgenommen und unterschreitet mit 6 Stunden und 59 Minuten die 7-Stunden-Grenze. Grund dafür sei nicht etwa späteres Zubettgehen, so Fietze, sondern die Wachzeit im Schlaf habe zugenommen. Dabei verkürzen besonders folgende Faktoren unseren Schlaf:

  1. Wenig überraschend schränkt Stress unseren Schlaf erheblich ein. Studien aus den USA zeigen, dass vor allem Themen wie Inflation und die damit einhergehenden finanziellen Sorgen sowie Krieg, Kriminalität im eigenen Land und nicht zuletzt Infektionskrankheiten wie COVID-19 uns stressen.
  2. Auch das Klima hat einen großen Einfluss auf die Schlafqualität. Dass es sich in einem kühlen Zimmer besser schläft, wissen die meisten. Durch den Klimawandel kommt es jedoch immer häufiger zu hohen Temperaturen im Schlafzimmer, an die sich der Mensch nicht schnell genug anpassen kann. Zusätzlich werden, um Energie zu sparen, seltener Klimaanlagen eingesetzt, die den hohen Temperaturen im Schlafzimmer entgegen wirken könnten.
  3. Weiterhin spielt Lärm, etwa durch Schnarchen des Partners oder durch den Straßenverkehr eine Rolle. Und nicht nur Lebenspartner, auch Haustiere können unseren Schlaf stören und sollten, trotz aller Zuneigung, nicht mit uns im Bett schlafen. Gleiches gilt für Kinder, die gerne im Schlafzimmer der Eltern, jedoch Fietze zufolge nicht im gleichen Bett schlafen sollten.
  4. Als letzten Punkt werden Lichtverschmutzungen genannt, die vor allem in Großstädten eine Rolle spielen und mit einer schlechteren Schlafqualität einhergehen.

Die Insomnie behandeln

Fietze erwähnte, wie jeder selbst seine Schlafhygiene verbessern kann. Dabei spiele der Schlafkomfort eine erhebliche Rolle. Hier könne durch eine neue, hochwertige Matratze nachgeholfen werden. Auch Entspannungsübungen können präventiv wirken. Bei leichten Insomnien können kognitive Verhaltenstherapien sinnvoll sein und sollten medikamentösen Therapien vorgezogen werden. Liegt jedoch eine schwere Insomnie vor, so sei eine chronische, medikamentöse Behandlung, etwa mittels des im April 2022 zugelassenen Wirkstoffs Daridorexant, oft unumgänglich, so Fietze.

Quelle

Prof. Dr. med. Ingo Fietze. Schlaf in Zeiten des Wandels – Herausforderungen und Möglichkeiten. Online-Pressekonferenz anlässlich der 31. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Online 04. Dezember 2023.