Mit salzarmer Ernährung lässt sich der Blutdruck in einer Woche um 6 mmHg senken. Das ist das Ergebnis einer prospektiven Ernährungsstudie, die vor Kurzem im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA veröffentlicht wurde.
Salzkonsum ist zu hoch
Dass ein Zuviel an Natrium das Risiko für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schlaganfall erhöht, ist seit Längerem bekannt. Doch der Konsum ist weiterhin zu hoch: In den USA nehmen Erwachsene durchschnittlich etwa 3,5 g Natrium pro Tag auf – deutlich mehr als die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen 2 g (entsprechend 5 g Salz) pro Tag.
Es wird geschätzt, dass etwa die Hälfte der Menschen mit Bluthochdruck und etwa ein Viertel der Menschen ohne Bluthochdruck einen salzempfindlichen Blutdruck haben (SSBP; „salt sentivity of blood pressure“). In der prospektiv angelegten Cross-over-Studie CARDIA-SSBP (CARDIA: „Coronary Artery Risk Development in Young Adults“) sollte nun untersucht werden, wie groß der Effekt von Natrium auf den individuellen Blutdruck ist – je nach natriumreicher oder -armer Diät. Außerdem wollten die Forscher wissen, ob die Ergebnisse vom Ausgangs-Blutdruck und der Einnahme blutdrucksenkender Arzneimittel abhängen.
Blutdrucksenkung durch salzarme Ernährung mit Arzneimittelwirkung vergleichbar
Insgesamt 213 Personen (50 bis 75 Jahre alt, im Mittel 61 Jahre) aus zwei US-Städten wurden eingeschlossen. 65% waren Frauen. Die Teilnehmer (Normotonie: 25%; kontrollierte Hypertonie: 20%; unkontrollierte Hypertonie: 31%; unbehandelte Hypertonie: 25%) sollten zunächst eine Woche lang ihr übliches Essen zu sich nehmen. Daran schloss sich für 118 Teilnehmer eine einwöchige Diät mit hohem (etwa 2200 mg Natrium zusätzlich täglich zur üblichen Ernährung) und für 95 Teilnehmer mit niedrigem Natriumgehalt (ungefähr 500 mg tägliche Gesamtmenge) an. Nach der Woche wurde gewechselt.
Primäre Endpunkte waren der durchschnittliche ambulant gemessene systolische und diastolische 24-Stunden-Blutdruck, der mittlere arterielle Druck und der Pulsdruck. Außerdem wurde der Natriumgehalt im 24-h-Urin. Die Messungen erfolgten vor der Intervention (Baseline), nach der ersten Interventionswoche und der zweiten Interventionswoche.
6 mmHg Blutdrucksenkung in einer Woche
Basierend auf einer 24-Stunden-Natriumausscheidung im Urin betrug die mittlere Natriumaufnahme während der einwöchigen natriumarmen Ernährung etwa 1,3 g/Tag. Im Vergleich zur üblichen Ernährung führte die natriumarme Diät zu einer durchschnittlichen Reduzierung von etwa 1 Teelöffel Speisesalz (2,3 g Natrium) pro Tag.
Bei normaler, natriumreicher bzw. natriumarmer Ernährung lagen die mittleren systolischen Blutdruckwerte der Teilnehmer bei 125, 126 bzw. 119 mmHg. Der Unterschied zwischen normaler und natriumarmer Ernährung betrug im Durchschnitt 6 mmHg.
Die individuelle Veränderung des mittleren arteriellen Drucks zwischen natriumreicher und natriumarmer Diät betrug im Mittel 4 mmHg (p < 0,001; je nach Hypertonie-Status war der Unterschied nicht signifikant). Bei 73 % der Teilnehmer ging der mittlere arterielle Druck bei Wechsel von natriumreicher auf natriumarme Ernährung zurück. 46 % der Teilnehmer wurden als „salzempfindlich“ eingestuft.
Der Rückgang des Blutdrucks bei Wechsel der Ernährung war unabhängig vom Hypertonie-Status und der Einnahme blutdrucksenkender Arzneimittel. Subgruppenanalysen zeigten konsistente Ergebnisse (Alter, Geschlecht, Rasse, Bluthochdruck, Ausgangs-Blutdruck, Diabetes mellitus, Body-Mass-Index).
10 % bzw. 8 % der Teilnehmer berichteten während der Einnahme einer natriumreichen bzw. natriumarmen Diät von leichten unerwünschten Wirkungen. Die häufigsten Symptome während der natriumreichen Ernährung waren Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Ödeme. Während der Einnahme der natriumarmen Diät traten Krämpfe und Schwäche auf.
Welche Bedeutung hat die Studie?
Eine natriumarme Ernährung hatte in dieser Studie bei der Mehrheit der Teilnehmer schnelle und wirkungsvolle Auswirkungen auf den Blutdruck. Langfristig kann es herausfordernd sein, eine natriumarme Ernährungsform beizubehalten, da vor allem stark verarbeitete Lebensmittel einen hohen Salzgehalt haben. Leider lässt sich aus dieser Studie nicht ableiten, wie nachhaltig die Effekte auf den Blutdruck sind, da die Teilnehmer nicht über einen längeren Zeitraum nachbeobachtet wurden. Die Autoren schreiben allerdings, dass ihre Ergebnisse konsistent mit anderen Studien zu natriumarmer Erährung waren, die über längere Zeiträume liefen. Diese Studien hatten meist Teilnehmer, die bereits Blutdruckende Arzneimittel einnahmen, ausgeschlossen.
Quelle
Gupta DK et al. Effect of Dietary Sodium on Blood Pressure. A Crossover Trial. JAMA November 11, 2023. doi:10.1001/jama.2023.23651. https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2811931
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