Schwerwiegende Nebenwirkungen von JAK-Inhibitoren nur bei bestimmten Patienten?

Bei JAK-Inhibitoren wird vor einem erhöhten Risiko für verschiedene schwere Nebenwirkungen gewarnt. Nicht klar ist, ob alle Patientengruppen gleichermaßen betroffen sind.

Black-Box-Warnung für JAK-Inhibitoren

Januskinase(JAK)-Inhibitoren werden unter anderem bei verschiedenen Hauterkrankungen eingesetzt. Kürzlich hat die FDA eine sogenannte Black-Box-Warnung – eine Warnung vor schwerwiegenden Nebenwirkungen – für die Wirkstoffgruppe herausgegeben wegen schweren kardiovaskulären Ereignissen („major adverse cardiovascular events“ [MACE]), venösen Thromboembolien (VTE), Infektionen, malignen Neoplasien und Tod.

Diese Warnung basiert allerdings auf der Studie ORAL Surveillance mit Patienten, die an rheumatoider Arthritis (RA) litten. Der zugrunde liegende Mechanismus ist bisher nicht bekannt. Nicht klar ist außerdem, ob das Risiko für Patienten, die die JAK-Inhibitoren wegen Hautkrankheiten einnehmen, ebenfalls besteht. Dies sollte ein aktueller Review mit Metaanalyse klären.

Anscheinend kein Risiko für Patienten mit Hautkrankheiten

Ausgewertet wurden die Daten aus 35 randomisierten klinischen Studien mit insgesamt 20.651 Patienten. Dabei handelte es sich um Patienten, die die JAK-Inhibitoren aufgrund dermatologischer Indikationen erhielten (Neurodermitis, Vitiligo, Psoriasis und Alopecia areata).

Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen den Verumgruppen und den Placebogruppen hinsichtlich MACE, Gesamtmortalität oder VTE. Diese Ergebnisse blieben auch in Subgruppenanalysen erhalten,

  • wenn orale und topische JAK-Inhibitoren getrennt betrachtet wurden,
  • Kinder ausgeschlossen wurden oder
  • Studien inklusive Psoriasisarthritis einbezogen wurden.

Die weiteren Punkte aus der Black-Box-Warnung – Infektionen und maligne Neoplasien – waren nicht Gegenstand der vorliegenden Studie.

Risikofrei bei dermatologischen Indikationen?

Dass diese Untersuchung zu einem anderen Ergebnis kommt als ORAL Surveillance, erklären die Autoren mit verschiedenen Sachverhalten: So waren die Patienten mit Hautkrankheiten im Schnitt mit knapp 40 Jahren deutlich jünger als die RA-Patienten (61 Jahre). Zudem hatten letztere Studienpatienten mindestens einen kardiovaskulären Risikofaktor und nahmen zusätzlich zu den JAK-Inhibitoren häufig immunsuppressive Medikamente wie Methotrexat oder Glucocorticoide. Diese Unterschiede seien kritisch zu bewerten, so die Autoren. Denn so lasse sich nicht abschließend erklären, ob die unerwünschten Ereignisse bei RA-Patienten wirklich primär mit der Medikation zusammenhängen oder den bereits vorliegenden kardiovaskulären Risikofaktoren geschuldet sind.

Darüber hinaus lag in der ORAL-Surveillance-Studie die Nachbeobachtungszeit bei etwa vier Jahren, während sie im vorliegenden Review nur knapp fünf Monate betrug. Dies ist auch eine Einschränkung der Analyse, räumen die Autoren ein. Möglicherweise ergebe sich bei einer längerfristigen Anwendung auch bei Patienten mit Hautkrankheiten ein erhöhtes Risiko für MACE, VTE oder Tod.

Die Autoren empfehlen daher, dass Dermatologen Patienten für eine Therapie mit JAK-Inhibitoren sehr sorgfältig auswählen sollten und zudem kardiovaskuläre Risikofaktoren erfassen und kontinuierlich beobachten sollten, solange die Behandlung andauert. Letztendlich brauche es aber weitere Studien mit längeren Follow-up-Zeiten, um das Risiko für MACE, VTE oder Tod bei dermatologischen Patienten unter JAK-Inhibitoren final zu klären.

Quelle

Ingrassia JP, et al. Cardiovascular and Venous Thromboembolic Risk With JAK Inhibitors in Immune-Mediated Inflammatory Skin Diseases – A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Dermatol 2023, Published online November 1; doi:10.1001/jamadermatol.2023.4090