Hormonelle Kontrazeptiva können das Thromboserisiko erhöhen. In einer kleinen Kohortenstudie wurde untersucht, wie lange dieses Risiko nach Absetzen der Verhütungsmethode erhöht bleibt.
Sicheres Verhütungsmittel mit Mängeln
Lange Zeit galt die Antibabypille als das beliebteste Verhütungsmittel. Seit einigen Jahren ist die Verwendung oraler Kontrazeptiva jedoch rückläufig. Das zeigt auch eine Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) von 2023, bei der 46% der Befragten zwischen 18 und 29 Jahren angaben, mit der „Pille“ zu verhüten. Im Jahr 2011 waren es hingegen noch 72%. Kritiker des Verhütungsmittels berufen sich auf unerwünschte Nebenwirkungen, zu denen neben Stimmungsschwankungen und Kopfschmerzen auch ein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) gehören. Steht bei Anwenderinnen dieser Verhütungsmethode ein operativer Eingriff an, wird das erhöhte Thromboserisiko besonders relevant. In einer kleineren Kohortenstudie wurde nun anhand von Biomarkern im Blut der Teilnehmerinnen untersucht, wie lange das VTE-Risiko nach Absetzen kombinierter hormoneller Kontrazeptiva (CHC) erhöht bleibt.
Biomarker als Indiz für Thromboserisiko
Für die Studie wurden 66 Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren rekrutiert, die über mindestens drei Monate CHC angewendet und diese anschließend abgesetzt hatten. Zu den CHC zählten neben oralen Darreichungsformen auch vaginale und transdermale Estrogen- plus Gestagen-haltige Verhütungssysteme. Eine Kontrollgruppe schloss 28 Frauen zwischen 18 und 50 Jahren ein, die keine CHC verwendeten. Den Studienteilnehmerinnen wurde vor Absetzen der CHC Blut entnommen. Weitere Blutabnahmen erfolgten eine, zwei, vier, sechs und zwölf Wochen nach Absetzen ihrer CHC-Verhütungsmethode.
Die primären Endpunkte der Studie waren definiert als normalisiertes Sensitivitätsverhältnis zum aktivierten Protein C (nAPCsr) und zu Thrombomodulin (nTMsr). Ein sekundärer Endpunkt war die Konzentration des Sexualhormon-bindenden-Globulins (SHBG). Sowohl die Sensitivität gegenüber APC und Thrombomodulin als auch die Konzentration von SHBG gelten als Indikatoren für ein Estrogen-induziertes VTE-Risiko.
Normbereich nach wenigen Wochen erreicht
Für die drei genannten Endpunkte ergaben sich zwölf Wochen nach Absetzen der CHC-Methode folgende durchschnittlichen Werte:
- Der nAPCsr-Wert sank von 4,11 auf 1,27.
- Der nTMsr-Wert sank von 2,53 auf 1,11.
- Der SHBG-Wert sank von 167 auf 55,4 nmol/l.
In der Kontrollgruppe waren zu Beginn der Studie Werte von 1,09 (nAPCsr), 1,00 (nTMsr) und 61,8 nmol/l (SHBG) messbar, die über den Studienzeitraum weitestgehend konstant blieben.
Die größte relative Abnahme der Biomarker der CHC-Gruppe im Vergleich zum Ausgangswert konnte mit 86% (nAPCsr), 81% (nTMsr) und 76% (SHBG) bereits zwei Wochen nach Absetzen der CHC beobachtet werden. Zwölf Wochen nach Absetzen der CHC waren die nTMsr- und SHBG-Werte zwischen der CHC-Gruppe und der Kontrollgruppe ähnlich hoch. Lediglich die nAPCsr-Werte waren nach diesem Beobachtungszeitraum noch leicht erhöht. Die Studienautoren gehen für diese Werte jedoch von einer statistischen Verzerrung aus.
Fazit
Die Ergebnisse der Studie deuten an, dass die Konzentration thrombotischer Biomarker nach Absetzen einer CHC-Verhütungsmethode nach wenigen Wochen wieder in den Normbereich fällt. Vor größeren Operationen sei ein Absetzen der CHC-Methode zwei bis vier Wochen vor dem Termin daher meist ausreichend, so die Studienautoren. Die Studie hat jedoch ein paar Schwächen: Neben der relativ geringen Teilnehmerzahl wurden lediglich Biomarker betrachtet. Um auf das tatsächliche VTE-Risiko schließen zu können, sollte neben thrombotischen Markern auch das tatsächliche Auftreten thromboembolischer Ereignisse vor und nach Absetzen der CHC bei einer größeren Studienpopulation untersucht werden.
Quelle
Hugon-Rodin J, et al. Longitudinal profile of estrogen-related thrombotic biomarkers after cessation of combined hormonal contraceptives. Blood 2023;Epub ahead of print.