Die meisten Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 sind übergewichtig oder adipös und sollen Gewicht verlieren. Eine Sarkopenie ist aber unbedingt zu vermeiden, denn mit zu wenig Muskelmasse leidet wiederum die Stoffwechseleinstellung.
Muskeln sollen erhalten bleiben
Etwa 80% der neu diagnostizierten Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 sind übergewichtig oder sogar adipös. Die anzustrebende Gewichtsabnahme darf jedoch nicht mit einem Verlust von zu viel Muskelmasse einhergehen, gab Professor Anja Bosy-Westphal, Kiel, im Rahmen der 17. Diabetes Herbsttagung zu bedenken. Der Einfluss einer Sarkopenie, also des übermäßigen Verlustes an Skelettmuskelmasse mit steigendem Alter, für die Stoffwechseleinstellung sei bislang wenig beachtet, ist aber relevant.
Eine Sarkopenie wird heute sowohl als Risikofaktor für die Entstehung des Typ-2-Diabetes als auch als Folge dieser Erkrankung angesehen.
Zusammenhang Diabetes und Muskelgesundheit
Sowohl die Insulinresistenz und eine schlechte Blutzuckereinstellung als auch Entzündungen und erhöhter oxidativer Stress, wie sie bei Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 auftreten, beeinträchtigen die Muskelmasse und -kraft sowie deren Qualität und Funktion. Bosy-Westphal erläuterte: Eine geringere Glucoseverwertung kann dabei aufgrund der geringen Masse der Muskulatur sowie durch deren qualitative Veränderungen entstehen, etwa durch eine Ansammlung von inter- und intramuskulärem Fettgewebe.
Die Referentin verwies auf den Einfluss der medikamentösen Therapie eines Typ-2-Diabetes. Glinide und Sulfonylharnstoffe wirken sich hierbei negativ aus, während Insulin, GLP-1-Analoga und DPP-4-Inhibitoren vor dem Verlust an Muskelmasse schützen. Verschiedene Diabetessubtypen zu berücksichtigen kann zukünftig ein weiterer Aspekt sein. Denn sie gehen mit einem unterschiedlichen Risiko im Hinblick auf ihren Ernährungszustand einher. Was das für den Erhalt der Muskelmasse bedeutet, muss jedoch noch weiter untersucht werden.
Chance für Bimagrumab?
Vielversprechend sei der Wirkstoff Bimagrumab, ein monoklonaler Antikörper gegen den Typ-2-Activinrezeptor auf Muskel- und Fettzellen. Er führte in einer Phase-II-Studie bei Typ-2-Diabetikern zu einem Aufbau der Skelettmuskulatur bei gleichzeitiger Reduktion des Körperfettanteils um 20%.
Auch die Wahl der bariatrisch-chirurgischen Verfahren zur Behandlung einer ausgeprägten Adipositas wirkt sich unterschiedlich auf den Verlust der Muskelmasse aus. Hier sei eine gezielte Auswahl in der Therapie von adipösen Patienten mit Diabetes Typ 2 hilfreich.
Last but not least können Lebensstilmodifikationen in Richtung ausgewogene Ernährung und mehr Bewegung dazu beitragen, die Mobilität und die Stoffwechselgesundheit von Personen mit Typ-2-Diabetes und Sarkopenie zu verbessern und zu erhalten.
Quelle
Professor Dr. oec. troph. Dr. med. Anja Bosy-Westphal. Geringe Muskelmasse bei Typ-2-Diabetes – ein unterschätztes Risiko. Kongress-Pressekonferenz zur 17. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) am 17. November 2023.