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Neue Leitlinie zur Parkinson-Krankheit

Die S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Parkinson-Krankheit wurde vollständig überarbeitet. Im Fokus der Forschung stehen Früherkennung und Genetik der Erkrankung.

Parkinson ist nach wie vor nicht heilbar

Nach wie vor ist Parkinson nicht heilbar. Derzeit verfügbare Parkinson-Therapien wirken symptomatisch, die Abbauprozesse im Gehirn lassen sich bislang nicht aufhalten. Bekannt ist, dass die Parkinson-Krankheit in vielen Fällen durch genetische Mutationen entsteht. Die wachsenden Kenntnisse über die genetischen Ursachen bieten neue Ansatzpunkte für Therapeutika. Die Hoffnung: Wenn Therapien auf die molekularen Ursachen abzielen können, lässt sich zukünftig möglicherweise doch in die Entstehung der Parkinson-Krankheit eingreifen, statt nur Symptome zu behandeln.

Frühe Diagnose als Voraussetzung für spezifische Therapien

Anfang November 2023 wurde die überarbeitete S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Parkinson-Krankheit veröffentlicht. Ein Schwerpunkt der neuen Leitlinie ist die Diagnose und Früherkennung: So wird empfohlen, im Fall erster Symptome, die im Frühstadium auf eine Parkinson-Krankheit hinweisen können, zum Beispiel eine Geruchstestung oder eine polysomnographische Untersuchung im Schlaflabor als ergänzende Diagnostik sowie nichtmotorische Symptome mit einzubeziehen. Um andere Erkrankungen auszuschließen, sollte bei Parkinson-Verdacht ebenfalls frühzeitig eine kraniale Magnetresonanztomographie erfolgen.

Erstmals wird in der Leitlinie konkret empfohlen, auf Wunsch der Betroffenen eine humangenetische Diagnostik durchzuführen, vor allem wenn Parkinson in der Familie vorkommt oder wenn die Krankheitssymptome vor dem 50. Lebensjahr auftreten.

Frühzeitige, altersgerechte und individuelle Therapie wichtig

Die Empfehlungen zur Therapie der Parkinson-Krankheit wurden teilweise modifiziert, durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse gesichert oder ergänzt – in Bezug sowohl auf medikamentöse Therapien als auch auf die verschiedenen Formen invasiver Therapien wie Pumpentherapien und Tiefe Hirnstimulation (THS), zu denen es inzwischen Langzeitstudien gibt.

Die wichtigsten Neuerungen

  • ​Zukünftig soll der Begriff „Parkinson-Krankheit“ anstelle von „idiopathisches Parkinson-Syndrom“ o.a. verwendet werden.
  • Zur Diagnosestellung „Parkinson-Krankheit“ sollen die MDS-Diagnosekriterien von 2015 angewendet werden.
  • Apparative (v.a. bildgebende) und humangenetische Zusatzuntersuchungen in der Diagnostik der Parkinson-Krankheit wurden neu bewertet.
  • Empfehlungen zur Therapie motorischer, kognitiver, affektiver, psychotischer und (dys)autonomer Symptome sowie von Schlafstörungen, Schmerz, Dysarthrie und Dysphagie bei der Parkinson-Krankheit
  • Empfehlungen zur Diagnose und Therapie von akinetischer Krise, Dopaminagonisten-Entzugssyndrom und THS-Entzugssyndrom sowie zur perioperativen Behandlung
  • Empfehlungen zu Schwangerschaft und Stillzeit
  • Aktualisierte Empfehlungen zu aktivierenden Verfahren
  • Differenzialindikation nicht oraler Folgetherapien (invasiver Therapien) wie Pumpentherapien, tiefer Hirnstimulation und ablativer Verfahren
  • Aktualisierte Empfehlungen zur Fahreignung
  • Bewertung von Versorgungskonzepten wie Tagesklinik, stationärer multidisziplinärer Komplextherapie, integrierten Parkinson-Versorgungsnetzwerken oder Palliative Care

Die vollständige Leitlinie steht als PDF auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zur Verfügung.

Quellen

  • Höglinger G, Trenkwalder C, et al. Parkinson-Krankheit, S2k-Leitlinie, 2023, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. www.dgn.org/leitlinie/parkinson-krankheit
  • Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) „Neue Leitlinie zur Diagnose und Therapie der Parkinson-Krankheit: Früherkennung und Genetik im Fokus der Forschung“ vom 21. November 2023

Bildquelle

solvod – stock.adobe.com