Krebsprävention: Es gibt keine gesunde Alkoholmenge

Mit der Ernährung Krebs vorbeugen! Wesentlicher Bestandteil dieses Appells im Rahmen der DGVS-Jahrespressekonferenz war der Verzicht auf Alkohol sowie verarbeitetes Fleisch.

Bewusstsein für Risiken und Chancen

Krebserkrankungen haben mittlerweile in vielen Teilen der Welt die Herz-Kreislauf-Erkrankungen als führende Todesursache überholt. Laut Schätzungen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) entstehen mindestens 37 Prozent aller Krebsneuerkrankungsfälle hierzulande durch vermeidbare oder zumindest beeinflussbare Risikofaktoren, sagte Prof. Dr. med. Martina Müller-Schilling, Regensburg, im Rahmen der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von weltweit 30 bis 50 Prozent aller Krebsfälle, die sich verhindern ließen.

Wichtige Ansatzpunkte zur Risikominimierung sind verhaltensbedingte Faktoren, beispielsweise Nichtrauchen, eine ausgewogene und pflanzenbasierte Ernährung sowie Bewegung und ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 kg/m2. Es besteht starke Evidenz, dass eine höhere Körperfettmasse eine Ursache für viele Krebsarten darstellt.

Rote Karte für rotes Fleisch

Verschiedene Fachgesellschaften geben konkrete Empfehlungen für die Krebsprävention mit Messer und Gabel: reichlich Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Obst und Gemüse. Es bestehe starke Evidenz, dass der Verzehr von Ballaststoffen vor Gewichtszunahme, Übergewicht und Adipositas bewahrt. Sie fördern die Produktion von Immunmodulatoren und sorgen für ein gesundes Immunsystem. Ein hoher Verzehr senkt das Risiko für Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schützen vor Darmkrebs.

Zurückhaltung ist bei kalorienreichen Nahrungsmitteln mit hohem Fett- oder Zuckergehalt angeraten sowie bei zuckerhaltigen Getränken und salzreichen Lebensmitteln. Auch rotes Fleisch erhielt jüngst von der der International Agency for Research on Cancer (IARC), einer Einrichtung der WHO, die Ursachen von Krebserkrankungen analysiert, die Einstufung in die höchste Kategorie mit der Bewertung: karzinogen für Menschen.

Jede verzehrte Portion verarbeiteten Fleischs von täglich 50 Gramm erhöht das Darmkrebsrisiko um 18 Prozent.

Ebenfalls bedeutend bei der Krebsentstehung sind laut Müller-Schilling industriell hochverarbeitete Lebensmittel: Ein hoher Verzehrsanteil geht mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht, Diabetes und Krebs einher.

Jeder Tropfen Alkohol ist zu viel

Müller-Schilling betonte: Alkoholkonsum führt zu einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Krebs in Mund und Rachen, an Kehlkopf, in Speiseröhre, Darm und Leber sowie von Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Abweichend von oft zitierten Aussagen zur Herz-Kreislauf-Prävention plädierte sie klar für einen völligen Alkoholverzicht und zitierte das WHO-Statement „Risks start from the first drop“. Auch das berühmte Glas Rotwein sei nicht „gesund“, bereits ein täglicher Alkoholkonsum von bis zu 12,5 Gramm Alkohol führe zu einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Krebs in Mund und Rachen, der Speiseröhre und der weiblichen Brust.

Wenn der Krebs da ist

Trotz optimaler Verhaltensweisen kann dennoch Krebs entstehen. Stoffwechselfaktoren, Übergewicht sowie ein hoher Cholesterinspiegel und Umweltfaktoren sind Parameter, die nicht oder nur schwer zu beeinflussen sind. Bei Krebspatienten sollte der Energie- und Nährstoffbedarf möglichst über die normale Nahrungsaufnahme gedeckt werden. Es komme weniger darauf an, welche Lebensmittel verzehrt werden, sondern den Energie- und Nährstoffbedarf abzudecken. Müller-Schilling: „Essen und trinken Sie alles, was Ihnen schmeckt und was Sie gut vertragen.“

Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine bei Krebs machen in der Regel nur dann Sinn, wenn ein Arzt einen Mangel festgestellt hat.

Eine Mangelernährung ist bei Krebspatienten allerdings sehr häufig. Wenn eine normale Ernährung nicht mehr ausreicht, sollten verschiedene Stufen einer Ernährungstherapie –von Trinknahrung bis zur Magensonde und Infusionen – zum Einsatz kommen.

Klares Nein zu Krebsdiäten

Ein Anliegen der Referentin war außerdem, mit dem Mythos Krebsdiät aufzuräumen: „Es gibt keine wissenschaftlichen Ergebnisse, die zeigen, dass eine ketogene Diät das Wachstum oder die Metastasierung eines Tumors bei Krebspatienten verhindern oder die Wirksamkeit oder Verträglichkeit einer Chemo- und/oder Strahlentherapie verbessern kann“, so ihr klares Statement.

Essenziell sei die Konzentration auf eine ausgewogene Ernährung, ein gesundes Körpergewicht und nicht auf einzelne Ernährungsfaktoren oder Ergänzungsmittel. In der Zukunft werde es vermutlich die individualisierte Ernährung als weitere Säule der Krebstherapie geben, doch bislang gelte es, sich an die aktuellen wissenschaftlichen Empfehlungen zu halten.

Quelle

Prof. Dr. med. Martina Müller-Schilling. “Ernährung und Krebs – Was ist Fakt?“ Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. Gastroenterologische Krankheiten: Was hilft die beste Pille bei der falschen Ernährung? Online am 14. Juni 2023.