COVID-19: neue Leitlinie zur stationären Therapie

Steigende SARS-CoV-2-Infektionszahlen führen über kurz oder lang auch zu einem relevanten Anstieg stationärer Patienten mit COVID-19. Was gibt es bei der Therapie von Patienten mit COVID-19 zu beachten? Wann ist eine stationäre und wann eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich? Eine neue S2k-Leitlinie gibt Krankenhausärzten ganzheitliche und fächerübergreifende Handlungsanweisungen an die Hand.

Hauptziel der supportiven Therapie: Sicherstellung einer ausreichenden Oxygenierung

Die neue S2k-Leitlinie „Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-19“ (PDF) soll helfen, Patienten mit COVID-19 strukturiert, sicher und ressourcenschonend im Krankenhaus zu behandeln. Sie umfasst Empfehlungen über den gesamten Verlauf der stationären Behandlung.

Invasive Beatmung und wiederholte Bauchlagerung sind wichtige Elemente in der Behandlung von schwerst erkrankten COVID-19 Patienten. Das Hauptziel der unterstützenden Therapie besteht darin, eine ausreichende Sauerstoffversorgung zu sichern. Dafür stehen verschiedene Methoden wie Sauerstofftherapie oder eine Maskenbeatmung zur Unterstützung zur Verfügung. Die Leitlinie hält fest, wann welche Form der Atemunterstützung und wann eine Intubation und mechanische Beatmung zum Einsatz kommt.

Hygieneregeln zum Schutz von Personal und Patienten

Die strikte Einhaltung der Basishygiene, einschließlich der Händehygiene, sowie das korrekte Tragen adäquater persönlicher Schutzausrüstung sind im Umgang mit COVID-19-Patienten unabdingbar. Medizinisch notwendige Handlungen am Patienten, die zur Aerosolbildung führen könnten, sollten mit äußerster Sorgfalt und Vorbereitung durchgeführt werden.

Medikamentöse Therapie

Ein wichtiges Kapitel befasst sich mit der medikamentösen Therapie. Eine Sterblichkeitsreduktion mit verfügbaren medikamentösen Therapien bei schwerem COVID-19 sei bisher lediglich für Dexamethason in randomisierten, kontrollierten Studien nachgewiesen, so die Autoren in der Leitlinie.

Ausgewählte Empfehlungen

  • Bei Aufnahme eines Patienten soll ein PCR-Test vorliegen oder erfolgen (Empfehlung 1).
  • Ein COVID-19 Patient sollte auf die Intensivstation aufgenommen werden, wenn eine Hypoxämie (SpO2 < 90% [<2–4 Liter Sauerstoff/min] bei nicht vorbestehender Therapie) und Dyspnoe vorliegt oder wenn die Atemfrequenz > 25–30/min beträgt (Empfehlung 5).
  • Es sollte überprüft werden, ob eine Nieren- und/oder Herzbeteiligung vorliegen sowie bei Verdacht auf zerebrale oder spinale Beteiligung ein MRT/CT erfolgen (Empfehlung 6 bis 8).
  • Eine Instrumentierung der Atemwege bei COVID-19 soll ausschließlich mit vollständig angelegter persönlicher Schutzausrüstung erfolgen (Empfehlung 14).
  • Bei hospitalisierten, nicht beatmeten Patienten mit COVID-19-Pneumonie und Sauerstoffbedarf kann eine Therapie mit Remdesivir erfolgen (möglichst in der Frühphase der Erkrankung ≤ 10 Tage nach Symptombeginn; Empfehlung 19) – auch wenn die WHO  den Einsatz derzeit nicht empfiehlt.
  • Bei Patienten mit schwerer (SpO2 < 90 %, Atemfrequenz > 30/min) oder kritischer (akutes Lungenversagen, Sepsis, Beatmung, Vasopressorengabe) COVID-19-Erkrankung soll eine Therapie mit Dexamethason erfolgen (Empfehlung 20).

Quellen

Die Leitlinie erweitert die seit März 2020 vorliegende intensivmedizinische S1-Leitlinie um den gesamtstationären Bereich. Federführend waren die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) an der Erstellung beteiligt, elf weitere Fachgesellschaften wirkten mit. Die Langfassung ist abrufbar unter www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/113-001.html.

Gemeinsame Pressemitteilung der DGIIN, DIVI und DGP vom 23. November 2020