Expertentipps für die Erkältungszeit bei chronischen Atemwegserkrankungen

Wie Infektionen der Atemwege und der Lunge bei Patienten mit pneumologischer Anamnese vermieden und behandelt werden, erläuterten die Referenten im Rahmen des diesjährigen Lungentags.

Diagnose richtig abklären

Trifft ein akuter Atemwegsinfekt auf eine chronisch erkrankte Lunge, beispielsweise bei COPD oder Asthma, entsteht eine Mehrentzündung, die oft mit verstärkter Atemnot, Husten und Erschöpfung einhergeht. Zudem steigt das Risiko einer Verschlechterung der bestehenden Lungenerkrankung.

Prof. Dr. med. Gernot Rohde, Marburg, wies darauf hin, wie wichtig eine korrekt diagnostizierte Grunderkrankung durch einen Pneumologen ist. Asthma und COPD beispielsweise sind nicht immer so leicht auseinanderzuhalten, werden aber therapeutisch komplett anders und spezifisch eingestellt. Er empfiehlt zur optimalen Abklärung, Beschwerden und Probleme im Arztgespräch anzusprechen und Infekte zu dokumentieren.

Konkrete Tipps für Lungenpatienten

Je besser chronische Entzündungen kontrolliert sind, desto besser ist die Lunge bei akuten Infektionen geschützt. Deshalb ist eine gute Einstellung der Grunderkrankung entscheidend. Für Patienten mit pneumologischer Anamnese stellt sich schon bei ersten Anzeichen für eine Atemwegsinfektion die Frage: Sind die Viren im Körper schon in vollem Gang? Solche Zeichen sind ernstzunehmen, Schonung ist angeraten: viel schlafen, nicht rauchen, Stress vermeiden.

Wenn regelmäßig Exazerbationen auftreten, rät Rohde zu einem Virusabstrich. Denn gegen einige Viren gibt es antivirale Medikamente. Antibiotika empfiehlt der Experte erst bei Fieber. Bei Lungenentzündungen werden häufig zusätzlich Proben für das Nationale Referenzzentrum für Streptokokken in Aachen genommen, um die Erreger zu identifizieren – auch im Hinblick auf eine geeignete Antibiotikatherapie.

Bei immunsuppressiven Patienten verlaufen Lungenentzündungen anders, sie sind schwerer erkennbar und gehen mit einem viel höheren Mortalitätsrisiko einher; hier gilt es schnell zu handeln. Für Patienten mit Immunsuppression gelten zudem spezielle Impfempfehlungen.

COPD und akute Infekte

Dr. med. Peter Kardos rät COPD-Patienten bei einer Infektion, den behandelnden Arzt, also Hausarzt oder Pneumologen, aufzusuchen, nicht die Notaufnahme. Einfache Symptome lassen sich mit freiverkäuflichen Präparaten aus der Apotheke behandeln. Liegt eine COPD vor, sind Antibiotika durchaus sinnvoll, um einer bakteriellen Infektion vorzubeugen.

Sprühstöße mit inhalativen Steroiden erhöhen das Infektionsrisiko. Bei mittelschweren COPD-Erkrankungen sind niedrigere Dosierungen angeraten. Leider sind oft orale Glucocorticoide nötig, auch hier ist eine niedrig dosierte Therapie ausreichend. Diese sollte nach 5 bis 7 Tagen ohne Ausschleichen beendet werden, um die Glucocorticoidbelastung und das Infektionsrisiko zu senken.

Für die Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln und Phytotherapeutika bei COPD gibt es kaum ausreichende Prüfungen oder Belege. Allein eine Supplementierung mit Vitamin D ist nach einer Spiegelbestimmung eventuell sinnvoll, so Kardos.

Nützliche Infos

Das Robert Koch-Institut veröffentlicht im Zeitraum von Oktober bis Mai jeden Mittwoch, im Sommer monatlich, im Bericht über akute respiratorische Erkrankungen (ARE) die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen sowie Informationen zur Grippe- und RSV-Welle.

Ratschläge der Referenten beim 29. Deutschen Lungentag zur Prävention und Behandlung von Kindern mit Atemwegserkrankungen finden Sie in weiteren Blogbeiträgen.

Quelle

Prof. Dr. med. Gernot Rohde. Chronische und schwere Atemwegsinfektionen: Was kann man heute dagegen tun? Dr. med. Peter Kardos. Erkältungskrankheiten & Grippe bei Erwachsenen: Wie erkennen, wie behandeln? Deutscher Lungentag 2026 am 26. September 2026.

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