Expertentipps für die Erkältungszeit: Schutz vor Viren

Mit welchen Strategien Infektionen der Atemwege und der Lunge vermieden werden können und was für pneumologisch vorbelastete Menschen wichtig ist, erläuterten die Referenten im Rahmen des diesjährigen Lungentags.

Was haben Erkältungen mit Kälte zu tun?

Infektionen der Atemwege gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Menschen. „Erkältungen“ oder grippale Infekte erwischen Erwachsene zwei- bis viermal im Jahr und verlaufen meist harmlos. Die Erreger verbreiten sich in der kalten Jahreszeit besser, weil wir mehr Zeit in Innenräumen verbringen. Diese werden oft nicht so gründlich gelüftet wie im Sommer. So können sich Erreger von Atemwegserkrankungen in der Raumluft anreichern, wenn sich infizierte Personen darin aufhalten.

Zudem enthält die Raumluft durch das Heizen weniger Feuchtigkeit, was die Schleimhäute austrocknet und die Abwehr herabsetzt. Grundsätzlich sind aber Influenzaviren, SARS-CoV-2 und andere Erreger von Atemwegserkrankungen das ganze Jahr in der Bevölkerung nachweisbar.

Prävention bei Kindern und Jugendlichen

Kinder erkranken mit sechs bis zehnmal pro Jahr deutlich häufiger, da ihr Immunsystem noch trainiert wird. Neben den oberen können auch die unteren Atemwege betroffen sein. Akute Bronchitiden oder Lungenentzündungen (Pneumonien) sind zwar seltener, können aber zu schwerwiegenderen Verläufen führen oder potenziell tödlich sein. Prof. Martin Wetzke, Hannover, bestätigte: Ein relevanter Teil der Kinder entwickelt eine so schwere Infektion, dass ein Klinikaufenthalt nötig ist. Zwischen 20.000 und 25.000 Kinder werden in Deutschland jährlich allein wegen Infektionen mit dem respiratorischen Synzytialvirus (RSV) stationär behandelt.

Die COVID-19-Pandemie zeigte zwar, dass Distanz gegen Atemwegsinfektionen wirkt, aber der soziale Preis ist hoch. Zudem zeigten sich nach Aufhebung der Kontaktbeschränkungen mehr und schwerere Infektionen. Die beste Präventionsmaßnahme bleiben Impfungen, etwa gegen RSV und Pneumokokken, so der Experte. Außerdem empfiehlt Wetzke zu stillen sowie eine ausgewogene Ernährung, körperliche Bewegung, ausreichend Schlaf und das Vermeiden einer Nikotinexposition. Ein positiver Effekt durch eine Vitamin-D-Substitution in den ersten zwei Wintern sei nicht auszuschließen.

Prävention bei Erwachsenen

Um schweren Infektionen, Lungenentzündungen und Klinikaufenthalten bei Erwachsenen zuvorzukommen, rät Prof. Gernot Rohde, Marburg, die Anfälligkeit zu senken und die Lunge zu schützen. Dazu eignen sich Präparate zur Befeuchtung der oberen Atemwege wie Meersalznasenspray, Nasensalben sowie ausreichendes Trinken.

Eine gute Nasenpflege macht es Viren schwerer, anzudocken.“

Ernährung spielt laut Rohde eine ebenfalls wesentliche Rolle. Sie sollte gemüse- und vollkornbasiert sein, keine hochprozessierten Lebensmittel enthalten, Übergewicht ist zu vermeiden beziehungsweise abzubauen. Effektiv ist die Pneumokokken-Impfung ab 60 Jahren und bei schweren Grunderkrankungen. Zu Saunagängen als Schutzmaßnahme gibt es keine validierten Daten. Wer zu häufigen Infektionen neigt, sollte eventuelle Polypen in der Nase abklären.

Vorbelastete Patienten

Rohde betonte die Prävention vor akuten Infektionen für Patienten mit bestehenden Bronchiektasenerkrankungen wie Asthma oder COPD. Da die mukozilliäre Clearance gestört ist, besteht die Gefahr, dass Erreger zu lange am Ort bleiben und tiefer voranschreiten. Hier seien Impfungen, Distanz zu Menschenansammlungen (Mundschutz) und erkrankten Personen und die Befeuchtung der Atemwege besonders wichtig. Er empfiehlt die regelmäßige Anwendung von Inhalatoren mit iso- oder hypotoner Kochsalzlösung sowie eine konsequente Atemphysiotherapie.

Nützliche Infos

Das Robert Koch-Institut veröffentlicht im Zeitraum von Oktober bis Mai jeden Mittwoch, im Sommer monatlich, im Bericht über akute respiratorische Erkrankungen (ARE) die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen sowie Informationen zur Grippe- und RSV-Welle.

Ratschläge der Referenten des Deutschen Lungentags zur Diagnose und Behandlung von Atemwegserkrankungen bei Kindern und für Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen finden Sie in weiteren Blogbeiträgen.

Quelle

Prof. Martin Wetzke. Prävention von Atemwegsinfekten bei Kindern und Jugendlichen. Prof. Gernot Rohde. Prävention von Atemwegsinfekten bei Erwachsenen. Deutscher Lungentag 2026 am 26. September 2026.

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