Speiseröhrenkrebs: Sind Heißgetränke ein Risiko?

Pumpkin Spice Latte, Matcha oder der klassische Espresso – wer seinen Heißgetränken keine Zeit zum Abkühlen lässt, steigert sein Risiko für Speiseröhrenkrebs. Dabei ist nicht nur die Temperatur entscheidend, auch die Menge spielt eine Rolle.

Temperatur als Karzinogen

Die International Agency for Research on Cancer stufte sehr heiße Getränke (über 65 °C) bereits 2016 als „wahrscheinlich krebserregend“ (Gruppe 2A) ein. Eine prospektive Analyse von rund 980.000 Teilnehmern aus dem Vereinigten Königreich bestätigte nun den Zusammenhang zwischen Plattenepithelkarzinomen der Speiseröhre und dem Konsum von sehr heißen Getränken.

Dafür wurden die Teilnehmer ihrer Aussage entsprechend in die Gruppen „warm“, „heiß“ und „sehr heiß“ eingeteilt, je nachdem, was ihre bevorzugte Getränketemperatur war. Zusätzlich wurde nach mehr oder weniger als sechs Heißgetränken pro Tag unterschieden.

Dreimal höheres Risiko für Plattenepithelkarzinome

Wer seine Getränke „sehr heiß“ statt „warm“ trank, hatte ein dreifach erhöhtes Risiko für ein Plattenepithelkarzinom (SCC) der Speiseröhre. Auch die Häufigkeit hatte einen Einfluss: Personen, die mehr als sechs Heißgetränke pro Tag zu sich nahmen, hatten unabhängig von der Temperatur ein um 71 % höheres Risiko für ein SCC. Für Adenokarzinome hingegen konnte dieser Zusammenhang nicht festgestellt werden. Die Forscher sehen Hitzeschäden der Schleimhaut daher als wahrscheinlichste Ursache für das erhöhte Risiko. Unter den Teilnehmern gab es sowohl Kaffee- als auch Teetrinker, die Art des Getränks hatte keinen Einfluss.

Seltene Krebserkrankung

Speiseröhrenkrebs kommt in Deutschland eher selten vor und macht nur 0,7 % der Krebsneuerkrankungen aus (ca. 7300 Fälle/Jahr). In zwei von drei Fällen wird der Tumor erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt, die Prognose ist dann meistens schlecht. Vorbeugende Maßnahmen sind daher umso wichtiger. Die Autoren gehen davon aus, dass 14 % der SCC der Speiseröhre im Vereinigten Königreich (ca. 440 Fälle/Jahr) verhindert werden könnten, wenn die Konsumenten ihre Getränketemperatur von „sehr heiß“ auf „heiß“ reduzieren würden. Die wichtigsten Faktoren zur Risikominimierung bleiben aber konsequenter Rauchstopp und die Reduktion des Alkoholkonsums.

Quelle

Papier K, et al. Hot Drinks and Oesophageal Cancer: Prospective Analyses in Around 1 Million UK Adults. International Journal of Cancer. 2026;0:1-9. doi:10.1002/ijc.70654

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