Eine chronische Nierenkrankheit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen befeuern sich gegenseitig. Wie mit diesen Risiken umzugehen ist, erläuterte Prof. Dr. med. Sibylle von Vietinghoff, Universitätsklinikum Bonn, im Rahmen einer Online-Pressekonferenz anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie.
Herz und Niere zusammen denken
In Deutschland leben etwa 9 Millionen Menschen mit einer chronischen Nierenkrankheit (CKD). Diese kann schwere Folgen wie eine Dialysepflicht haben. Chronische Nierenkrankheiten sind zudem einer der wichtigsten kardiovaskulären Risikofaktoren. Selbst eine mäßig eingeschränkte Nierenfunktion wirkt sich negativ aus, findet aber häufig noch keine Beachtung, so von Vietinghoff.
Darüber hinaus beeinflussen sich CKD und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gegenseitig. Zum einen begünstigt die Art der Filterung durch die Niere bei hohem Kochsalzkonsum einen Bluthochdruck: Die Niere hat sich zu einer Zeit entwickelt, als Kochsalz noch Mangelware war. Sie ist daher gut darin, Kochsalz zurückzuresorbieren, erläuterte von Vietinghoff. Da viele Menschen heutzutage zu viel Kochsalz konsumieren, wird Bluthochdruck gefördert. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck kann wiederum die feinen Gefäße und Filterstrukturen der Niere schädigen und so ihre Funktion beeinträchtigen.
Wenn der Blutdruck hochgeht, schreit die Niere.
Etwa die Hälfte der Menschen mit Herzschwäche hat auch eine chronische Nierenkrankheit. Das Risiko bleibt auch dann erhöht, wenn man gemeinsame Risikofaktoren herausrechnet.
Welche Parameter messen?
Eine CKD verursacht in frühem Stadium meist keine (spezifischen) Beschwerden. Daher wird sie oft nicht erkannt, solange die Funktionseinschränkung noch nicht sehr groß ist. Der häufig erhobene Kreatininwert ist nämlich oft erst auffällig, wenn die Nierenfunktion schon erheblich eingeschränkt ist (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate [eGFR] < 60 ml/min).
Wichtig sei daher, auch eine Urindiagnostik durchzuführen. So sollte neben der eGFR auch die Albuminausscheidung bestimmt werden. Taucht das Eiweiß im Urin auf, ist dies ein Warnzeichen für strukturelle Schäden. Bestimmt wird der sogenannte UACR-Wert (Urin-Albumin-Kreatinin-Quotient). Werden beide Werte erhoben, ist eine genauere Einschätzung des individuellen Risikos möglich und die Behandlung kann besser an dieses Risiko angepasst werden.
Sollte jeder Patient seine entsprechenden Werte kennen? Idealerweise ja, umsetzbar ist das möglicherweise nicht für alle Patienten. Es sollte aber zumindest bei Risikogruppen die Nierenfunktion (eGFR und UACR) ermittelt werden, also wenn ein kardiovaskuläres Risikoprofil (z.B. Bluthochdruck, kardiovaskuläre Ereignisse in der Patientenhistorie) vorliegt. Auch der Blutdruck als wichtiger Risikofaktor ist einfach messbar. Von Vietinghoff gab somit noch ein entsprechendes Fazit mit auf den Weg:
Kennen Sie Ihren Blutdruck und wenn er zu hoch ist, stellen Sie ihn ein!
Quelle
Prof. Dr. med. Sibylle von Vietinghoff, Universitätsklinikum Bonn. Die Niere schützt Kreislauf und Herz: Warum die Nierenfunktion bei Herzerkrankungen so wichtig ist. Online-Pressekonferenz zur 18. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN); 6. Oktober 2026
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