Link zum Beitrag

PMOS: mehr als nur Zyklusstörungen

Neben Zyklusstörungen und unerfülltem Kinderwunsch haben Frauen mit PMOS, früher PCOS, auch ein erhöhtes kardiometabolisches Risiko, das häufig außer Acht gelassen wird. Wie das zusammenhängt und was die Namensänderung der Erkrankung hier bewirken kann, wurde in einer Pressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie erläutert.

Vom PCOS zum PMOS

Vor Kurzem war es noch als polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) bekannt, nun wurde die hormonelle und stoffwechselbezogene Störung umbenannt in „polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS)“. Damit soll klar gestellt werden, dass die Erkrankung, die eine von acht Frauen betrifft, weit über Zyklusstörungen hinausgeht. Gekennzeichnet ist sie durch einen Überschuss an Androgenen und damit einhergehenden Symptomen wie Haarausfall, Akne und Ausbleiben des Eisprungs. Die Pathogenese beruht vermutlich auf einem Zusammenspiel genetischer Faktoren und endokrinologischer Störungen.

Übersehenes kardiometabolisches Risiko

Der weibliche Zyklus ist eng verdrahtet mit Stoffwechselerkrankungen. So führe die Insulinresistenz bei Diabetes mellitus und die chronische Inflammation bei Adipositas zu einer Stimulation von Androgenen und damit zur Zyklusstörung, erklärte Universitätsprofessorin Dr. med. Susanne Reger-Tan, Bochum/Bielefeld.

Auf der anderen Seite führe PMOS zu einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen: „Das Risiko, einen Typ-2-Diabetes in jüngeren Jahren zu entwickeln, ist vierfach erhöht“, betonte Reger-Tan. Auch das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes sei zweifach erhöht und es gebe ein höheres Risiko für Blutdruck-Komplikationen in der Schwangerschaft. Ab dem 35. Lebensjahr weisen Frauen mit PMOS darüber hinaus ein bis zu zweifach erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse auf, so Reger-Tan.

PMOS ist deshalb kein reines Zyklus- oder Fruchtbarkeitsthema, sondern ein oft übersehenes kardiometabolisches Risiko von Frauen.“

Zu spät, zu selten, unterversorgt

Neben einer konkreteren Beschreibung der eigentlichen Erkrankung soll die Namensänderung von PCOS zu PMOS dazu beitragen, früher hinzusehen, und nicht erst dann, wenn ein Kinderwunsch unerfüllt bleibe. Schätzungen zufolge sind bis zu 70 % der Frauen mit PMOS undiagnostiziert, erwähnte Reger-Tan. Ist die Diagnose einmal gestellt, gehe es dann häufig nur um den reproduktiven Aspekt der Erkrankung. Das soll sich ändern. In der Versorgung soll die Awareness beispielsweise dadurch erhöht werden, dass bei Frauen mit PMOS der Glucosestoffwechsel überprüft wird. Auf der anderen Seite sollten Frauen vor den Wechseljahren mit Diabeteserkrankungen bei Zyklusstörungen oder anderen PMOS-Symptomen gezielt auf die Erkrankung untersucht werden.

„Blind für den weiblichen Zyklus“

Insgesamt sei die Diabetestechnologie aktuell noch zu wenig auf den weiblichen Zyklus abgestimmt, sprach Reger-Tan ein allgemeines Problem an. Die Tatsache, dass sich die Insulinwirkung und -empfindlichkeit im Verlauf des Zyklus ändert, erfordere eine differenzierte Therapie. Reger-Tan appellierte daher abschließend für eine geschlechtersensible Diabetestechnologie, beispielsweise bei Insulinpumpen.

Quelle

Gemeinsame Pressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft e. V. (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE), veranstaltet online am 2. Juli 2026.

Pressemitteilung der DDG und DGE vom 2. Juli 2026. „Aus PCOS wird PMOS: warum Zyklusstörungen auch ein Stoffwechselrisiko anzeigen können.“

Bildquelle

mi_viri – stock.adobe.com