Neben Wimperntusche und künstlichen Wimpern können Wimpernseren zu langen dunklen Wimpern verhelfen. Warum manche dieser Produkte absolut nicht empfehlenswert sind, erläuterte Prof. Dr. med. Norbert Pfeiffer, Mainz, bei einer Online-Pressekonferenz der Stiftung Auge.
Von der Nebenwirkung zum erwünschten Effekt
Lange dunkle Wimpern werden üblicherweise als schön empfunden. Wer diese nicht von Natur aus hat, greift dann gegebenenfalls zu Wimperntusche oder aber zu Wimpernseren, die das Wachstum begünstigen und eine dunklere Färbung bewirken sollen. Wimpernseren enthalten in der Regel Wirkstoffe aus einer der folgenden Gruppen: Vitamine, Öle wie Rizinusöl oder Erdnussöl oder Prostaglandine.
Prostaglandine werden eigentlich zur Behandlung des Glaukoms eingesetzt. Sie senken den Augeninnendruck und verlangsamen damit das Voranschreiten der Erkrankung, die sonst zur Erblindung führen kann.
Nach Einführung der Arzneimittel entdeckten betroffene Patienten relativ schnell eine nicht unwillkommene Nebenwirkung: Die Wimpern am behandelten Auge waren viel länger, dicker und stärker als am nichtbehandelten Auge. So entstand die Idee, die Wirkstoffe auch in Kosmetika zum Wimpernwachstum einzusetzen. Doch ist das eine gute Idee?
Effekt mit Nebenwirkungen
Auch wenn die Seren nur auf die Wimpern beziehungsweise die Lidhaut aufgetragen werden sollen, gelangt ein nicht unerheblicher Teil auch in den Bindehautsack, also ins Auge. Die Folge sind verschiedene Nebenwirkungen, die man zur Verhinderung einer Blindheit in Kauf nimmt, aber für schönere Wimpern nicht gerechtfertigt sind, so Pfeiffer.
Am häufigsten sind Reizungen des Auges und der Hornhaut, eine Verfärbung der Regenbogenhaut (z.B. von blau nach braun), Hautausschlag und Dunkelfärbung der Haut um das Auge herum. Langfristig kommt es oft zum Schwinden des Fettgewebes um und insbesondere hinter dem Auge, was zu eingefallenen Augen führt, was wiederum ein greisenhaftes Aussehen verleiht. Bereits kurzfristig kann es zu einer Entzündung der Regenbogenhaut kommen und im weiteren Verlauf wird die Hornhaut dünner und weicher.
Die Verfärbungen (gewünschte an den Wimpern und ungewünschte an Iris und Haut) entstehen durch die verstärkte Bildung und Einlagerung von Melanin und sind häufig nicht reversibel. Überdies sind die nachwachsenden behandelten Wimpern zwar oft dunkler und länger, aber auch kräuselig und nicht gerade gewachsen. Die dunklen Ringe um die Augen lassen müde aussehen, sodass mit der Zeit sogar die negativen kosmetischen Aspekte die positiven überwiegen.
Gibt es Alternativen?
Pfeiffer riet dazu, die Inhaltsstoffe von derartigen Kosmetika sorgfältig zu prüfen. Nicht immer ist gleich ersichtlich, wenn Prostaglandine enthalten sind, da sie in Kosmetika nicht der gleichen Deklarationspflicht unterliegen wie in Arzneimitteln. Ein Verbot wird auf europäischer Ebene diskutiert, ist aber bisher nicht erlassen. Pfeiffer empfahl, statt auf Wimpernseren auf Hausmittel wie Rizinusöl oder Erdnussöl zurückzugreifen, unter denen ebenfalls starkes Wimpernwachstum beobachtet wird.
Wir alle wollen schön sein und schöne Wimpern gehören dazu, aber besser auf Prostaglandine verzichten, die sind für Glaukombehandlungen!
Quelle
Prof. Dr. med. Norbert Pfeiffer, Mainz. Kosmetik-Trend mit Nebenwirkungen: Warum Experten vor Wimpernseren warnen. Online-Pressekonferenz der Stiftung Auge, 1. Juli 2026.
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