Bleibt bei jungen Frauen mit sportlichen Ambitionen die Menstruation langfristig aus, besteht ein relevantes Gesundheitsrisiko. Durch die Hormonveränderungen drohen mentale und metabolische Folgen.
Sport als Auslöser
Eine regelmäßige Menstruation bei jüngeren Frauen ist nicht nur ein Zeichen für Fertilität, sondern auch für eine ausgewogene Gesundheits- und Stoffwechsellage, sagte Dr. med. Imke Mebes, Kiel, in einer Online-Pressekonferenz anlässlich des 69. Kongresses für Endokrinologie. Ein als regelhaft beschriebener Zyklus dauert zwischen 24 und 35 Tagen. Bei einer primären Amenorrhö bleibt die Menarche, also die erste Blutung, bis zum vollendeten 16. Lebensjahr aus. Bei einer sekundären Amenorrhö betragen laut Definition die Abstände zwischen zwei Blutungen länger als drei Monate bei ansonsten regelmäßigen Zyklen beziehungsweise länger als sechs Monate bei bereits zuvor unregelmäßigen Zyklen.
Die sportassoziierte Amenorrhö zeigt sich häufig bei hochaktiven jungen Frauen infolge intensiver körperlicher Aktivität, meist in Verbindung mit negativer Energiebilanz und chronischem Stress. Die primäre Amenorrhö tritt besonders häufig beim Leistungsturnen auf, die sekundäre Form eher bei Ausdauersportarten mit hoher Leistungsdichte wie Radsport oder Marathonlauf, aber auch bei Sportarten mit sehr schlankem Körperbild, beispielsweise Balletttanz und Eiskunstlauf.
Hypothalamus steuert Menstruation
Die Grundlage eines regelmäßigen Zyklus liegt in der pulsatilen Ausschüttung des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH) mit darauffolgender Sekretion von follikelstimulierendem Hormon (FSH) und luteinisierendem Hormon (LH). Dieser Mechanismus wird durch exzessiven Sport und die damit verbundene körperliche Belastung, der in erster Linie ein relatives Energiedefizit zugrunde liegt, gestört. Folgen der eingeschränkten Sekretion von FSH und LH ist eine Follikelreifungsstörung und Ausbleiben der Menstruation. Formal besteht ein hypogonadotroper Hypogonadismus.
Aufgrund der verminderten Ausschüttung erfolgt eine verminderte Estrogensynthese. Zudem sind häufig Cortisol- und Ghrelinwerte erhöht sowie die Spiegel vom Wachstumshormon IGF und Insulin erniedrigt. Es besteht somit eine funktionelle hypothalamische Amenorrhö.
Gesundheitliche Folgen
Die Amenorrhö bedingt einen chronischen Estrogenmangel, dieser wiederum eine Verringerung der Knochendichte – ein Risikofaktor für Osteoporose. Die maximale Knochendichte wird schon im Alter bis Anfang 20 zu etwa 90% erreicht, komplett dann mit Anfang 30. Daher ist gerade in den Lebensphasen, in denen auch ein hohes sportliches Leistungsniveau umgesetzt werden kann, ein ausreichendes Estrogenniveau ein wichtiger Aspekt, so die Expertin.
Phasen mit chronischem Estrogenmangel haben zudem auch Auswirkungen auf das kardiovaskuläre System. Es können außerdem ein verändertes Schlafverhalten, Verdauungsbeschwerden, depressive Verstimmungen sowie kognitive Einschränkungen entstehen.
Therapie der Amenorrhö
Mebes empfahl einen kausalen Therapieansatz. Neben der gynäkologischen Behandlung, meist als Hormontherapie, ist in erster Linie das Energiedefizit auszugleichen und eine Reduktion des Trainingsumfangs zu diskutieren. Die Erfahrung der Referentin zeigt: Je früher die Therapieansätze umgesetzt werden, desto schneller kann der Körper zu einer funktionellen GnRh-Pulsatilität zurückkehren.
Zyklusabhängig zu trainieren ist für manche Sportlerinnen ein Ansatz, jedoch sind die Studienergebnisse dazu uneinheitlich, insbesondere die Ergebnisse im Kraftsport.
Quelle
Dr. med. Imke Mebes, Kiel. Hormonstörungen bei jungen Frauen: wenn durch Sport die Periode ausbleibt. Online-Pressekonferenz anlässlich des 69. Kongresses für Endokrinologie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) am 3. März 2026.
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