Ist die Frühjahrsmüdigkeit nur ein Mythos?

Viele Menschen berichten im Frühjahr davon, sich antriebslos und müde zu fühlen. Für diese „Frühjahrsmüdigkeit“ existieren zahlreiche Erklärungsversuche. Doch gibt es sie wirklich? Nein, sagen Schweizer Schlafforscher auf Grundlage einer Online-Umfrage über ein Jahr.

Existenz der Frühjahrsmüdigkeit nicht empirisch bewiesen

Dass sich Menschen im Frühjahr müder fühlen als sonst, wird häufig als „Frühlingsmüdigkeit“ bezeichnet. Doch wissenschaftliche Belege für ein solches saisonales Syndrom fehlen bislang. Schlafforscherin Christine Blume, Basel, und Albrecht Vorster, Bern, untersuchten daher die zeitlichen Schwankungen von Müdigkeit, Tagesschläfrigkeit, Insomniesymptomen und Schlafqualität in einer Online-Umfrage.

Die Umfrage umfasste wiederholte Befragungen alle sechs Wochen über ein Jahr hinweg. Zwischen April 2024 und September 2025 nahmen 418 Erwachsene (80% Frauen) an mindestens zwei Befragungen teil. Sie stammten aus Deutschland (58%), der Schweiz (32%) und Österreich (10%). Knapp die Hälfte der Teilnehmenden berichtete zu Anfang der Befragung von Frühjahrsmüdigkeit.

Keine Unterschiede zwischen den einzelnen Jahreszeiten

Über das Jahr hinweg zeigten sich jedoch keine Hinweise auf saisonale oder monatliche Schwankungen in Bezug auf Müdigkeit, Schläfrigkeit, Schlafstörungen oder Schlafqualität. Die Müdigkeit bei alltäglichen Aktivitäten nahm zwar mit längeren Tageslichtperioden ab, war aber unabhängig davon, ob die Tageslänge gerade zu- oder abnahm (Herbst vs. Frühling).

Insgesamt, so die Autoren, sprechen die Ergebnisse gegen Frühjahrsmüdigkeit als ein echtes saisonales Phänomen:

Im Frühling werden die Tage schnell länger. Wenn Frühlingsmüdigkeit ein echtes biologisches Phänomen wäre, müsste sie sich in dieser Übergangsphase bemerkbar machen, beispielsweise weil sich der Körper anpassen muss.

Sie interpretieren die Diskrepanz zwischen subjektiver Wahrnehmung und Messdaten als Hinweis darauf, dass die Frühlingsmüdigkeit eher ein kulturell geprägtes Phänomen als ein tatsächliches saisonales Syndrom ist. Da es einen etablierten Begriff gebe, achte man im Frühling wahrscheinlich stärker darauf, wie müde man sich fühle. So verstärke sich das Phänomen immer wieder selbst.

Blume empfiehlt Menschen, die sich im Frühling antriebslos fühlen, so viel Tageslicht wie möglich zu tanken, sich körperlich zu betätigen und auf ausreichend Schlaf zu achten.

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