Estrogen als Bestandteil der Menopause-Behandlung

Mit der Menopause steigt das Osteoporose-Risiko. In welchen Fällen ist eine Hormontherapie angeraten?

Weniger Estrogen erhöht Risiko

Estrogen hemmt den Knochenabbau und fördert den Knochenaufbau. Sinkt der Spiegel nach der Menopause, verschiebt sich das Gleichgewicht zugunsten der Osteoklasten. Zusätzlich werden nun vermehrt Zytokine als lokale Entzündungsfaktoren synthetisiert. So verlieren insbesondere Frauen in kurzer Zeit messbar an Knochenmasse.

Prof. Dr. med. Heide Siggelkow, Göttingen, betonte in einer Online-Pressekonferenz anlässlich des 69. Kongresses für Endokrinologie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) die Bedeutung der Hormonveränderungen für die postmenopausale Osteoporose.

Rund 20–23 % der Frauen und 6–7 % der Männer über 50 in Deutschland sind von Osteoporose betroffen – insgesamt etwa 6 bis 8 Millionen Menschen.“

Wer ist besonders gefährdet?

Ein hohes Risiko für Osteoporose durch Estrogenmangel haben nicht nur Frauen in der Postmenopause. Auch wer von einer frühen Menopause oder Ovarialinsuffizienz betroffen ist, besitzt aufgrund der längeren Phasen mit niedrigen Estrogenspiegeln eine ungünstige Ausgangslage. Darüber hinaus sind Patienten unter einer langfristigen antihormonellen Therapie, etwa mit Aromatasehemmern bei Brustkrebs, sowie Männer mit Hypogonadismus stärker gefährdet.

Ein niedriger Body Mass Index, Raucherstatus und eine Diabeteserkrankung zählen ebenfalls zu den ungünstigen Faktoren. Arzneimittel, die sich langfristig negativ auswirken können, sind in erster Linie Glucocorticoide, außerdem Rheumamedikamente, Antiepileptika, die den Abbau von Vitamin D stimulieren, und Protonenpumpenhemmer, die langfristig die Calciumaufnahme reduzieren.

Für diese Risikogruppen empfahl Siggelkow ein frühes Screening mit Knochendichtemessung oder Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA), etwa direkt zu Beginn der Menopause oder bei früher Menopause.

Gezielte Prävention

Die Osteoporose verläuft schleichend und asymptomatisch; häufig erfolgt die Diagnose erst bei Frakturen. Ein Verpassen des frühen Zeitpunkts der Erkrankung bedeutet also, dass wertvolle Präventionsmöglichkeiten verschenkt werden, so die Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie. „Wir wissen aus großen Studien, dass eine gezielte und frühzeitige Behandlung des hormonellen Ungleichgewichts das Risiko für Knochenbrüche senken kann“.

Wir sollten die Wechseljahre nicht nur als Phase hormoneller Umstellung sehen, sondern auch als Zeitpunkt für Prävention.“

Was jeder für seine Knochengesundheit tun kann: Mahlzeiten und Getränke mit ausreichend Calcium und Vitamin D wählen, regelmäßiges Kraft- und Belastungstraining sowie der Verzicht sowohl auf Rauchen als auch hohen Alkoholkonsum. Gezielte hormonelle Interventionen bei Estrogen-Defizienz können das Frakturrisiko reduzieren und postmenopausale Beschwerden lindern. Dabei gilt zum Knochenschutz eine Estrogen-Gestagen-Kombination als günstig, um östrogenabhängigen Tumoren vorzubeugen.

Nutzen abwägen

Estrogen ist ein zentraler Bestandteil der Menopause-Behandlung, aber die Anwendung erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen Symptomlinderung und möglichen Risiken, idealerweise im Rahmen einer Leitlinien-basierten ärztlichen Beratung. Denn die Hormontherapie kommt nicht immer in Frage und wird insbesondere bei ausgeprägten Beschwerden und nach individueller ärztlicher Abwägung eingesetzt. Dabei werden individuelle Risiken wie bereits bestehende Erkrankungen als Kriterien einbezogen.

Vom Start einer Hormontherapie jenseits des 60. Lebensjahres riet die Expertin ab. Eine zuvor begonnene Therapie kann dagegen ohne Weiteres über dieses Alter hinaus weitergeführt werden.

Quelle

Prof. Dr. med. Heide Siggelkow, Göttingen. Östrogenmangel und Knochengesundheit: Osteoporose – die unterschätzte Gefahr. Online-Pressekonferenz anlässlich des 69. Deutschen Kongresses für Endokrinologie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE) vom 11. bis 13. März 2026 in Weimar am 3. März 2026.

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