Eine Testosterontherapie soll bei defizitärer Hodenfunktion unter anderem die Knochendichte verbessern und Frakturen verhindern. Gelingt das? Eine Studie kommt zu gegenteiligen Ergebnissen.
Teilstudie über drei Jahre
Ein niedriger Testosteronspiegel gilt als Risikofaktor für Osteoporose und Knochenfrakturen. Daher ist deren Prophylaxe ein Ziel der Testosterontherapie bei Männern mit Hypogonadismus. Verschiedene Studien zeigten bereits, dass die Hormongabe die Knochendichte sowie weitere Parameter der Knochenqualität verbessern kann. Aber kann die Hormontherapie tatsächlich Frakturen verhindern? Das sollte eine US-amerikanischen Teilstudie einer randomisierten Placebo-kontrollierten Studie zur kardiovaskulären Sicherheit der Testosteronbehandlung bei Männern mit Hypogonadismus zeigen.
Eingeschlossen waren 5204 Männer im Alter von 45 bis 80 Jahren mit einem bestehenden oder hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einem klinischen Hypogonadismus, definiert als Testosteronkonzentration von weniger als 300 ng pro Deziliter (10,4 nmol pro Liter) in zwei aufeinanderfolgenden Morgenmessungen sowie mindestens einem Hypogonadismus-Symptom. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 3,19 Jahre. Während des Follow-ups wurden die Teilnehmer mehrmals zu neu aufgetretenen Frakturen befragt und die Testosteronkonzentration im Serum insgesamt über 104 Wochen bestimmt. Zusätzlich wurden weitere Endpunkte ausgewählt, die typischerweise in Osteoporose-Studien untersucht werden, etwa die Zeit bis zur ersten klinischen Fraktur.
Mehr Frakturen mit Testosteron
91 Teilnehmer (3,5%) der Testosteron-Gruppe und 64 (2,46%) der Placebo-Gruppe erlitten klinische, also durch Bildgebung oder chirurgisch dokumentierte und bestätigte Frakturen. Die kumulative Inzidenz von klinischen Frakturen im dritten Jahr lag bei 3,8% (95%-Konfidenzintervall [KI] 3,0 ‒ 4,6) in der Testosteron-Gruppe und bei 2,8% (95-KI 2,1 ‒ 3,5%) in der Placebo-Gruppe. Die häufigsten Ursachen waren Stürze und andere Traumata. Die Brüche traten vorwiegend an den Rippen, Handgelenken und Knöcheln auf – an Stellen, die als osteoporotische Frakturen und als Risikohinweis für weitere Frakturen sowie eine erhöhte Sterblichkeit gelten.
Auch andere Frakturen und frakturbezogene Endpunkte traten unter Testosterontherapie häufiger auf. Die Studienautoren beobachteten also, dass die Hormonbehandlung keine niedrigere Inzidenz klinischer Brüche ergab. Im Gegenteil: Die Frakturhäufigkeit war bei Männern, die Testosteron erhielten, auch numerisch höher als unter Placebo.
Unerwartete Ergebnisse
Vergangene Studien zeigten: Testosterontherapie kann bei Männern mit schwerem Hypogonadismus zahlreiche Parameter für Knochenstruktur und -qualität verbessern, darunter die flächenmäßige und volumetrische Knochenmineraldichte, strukturelle und mechanische Messwerte in der Magnetresonanztomographie und die geschätzte Knochenfestigkeit.
Entgegen der Erwartungen der Studienautoren zeigten die Ergebnisse dieser Analyse jedoch, dass Testosteron mit einem erhöhten Frakturrisiko bei Männern mittleren und hohen Alters mit Hypogonadismus verbunden ist. Die Studienautoren empfehlen nun genauere Untersuchungen der zugrundeliegenden möglichen Mechanismen.
Quelle
Snyder PJ, Bauer DC, Ellenberg SS, Cauley JA, et al. Testosterone treatment and fractures in men with hypogonadism. N Engl J Med 2024;390:203−11.