Junge Diabetiker sind gut versorgt, doch es werden mehr

Moderne Insuline und Technologien erleichtern vor allem jungen Diabetikern den Umgang mit ihrer Erkrankung. Schlechte Nachricht: Die Inzidenz steigt.

Besser versorgt dank Pharmakotherapie und Technik

Auf der Vorab-Pressekonferenz anlässlich der Diabetes Herbsttagung 2025 beschrieb Professorin Dr. Beate Karges, Stolberg und Aachen, die Fortschritte in der Versorgung von jungen Diabetikern in Deutschland. So sind die modernen Analoginsuline mit ihrem günstigen Wirkungsprofil bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes weitverbreitet. Über 70% der jungen Patienten nutzen Insulinpumpen, automatisierte Insulinabgabesysteme (AID) mehr als die Hälfte. Ebenso ist die kontinuierliche Glucosemessung in dieser Altersgruppe beliebt.

Forschungsdaten aus dem Jahr 2023 bestätigen, dass die Therapie des Typ-1-Diabetes in Deutschland heute generell effektiver und sicherer ist als vor 20 Jahren. Ihre HbA1c-Ziele erreichten mehr als 40% der Patienten, es gab einen Rückgang schwerer Hypoglykämien von 15% jährlich im Jahr 2001 auf 3%.

Typ 2 ist längst kein Altersdiabetes mehr

Prof. Dr. med. Karsten Müssig, Harderberg, blickte auf die Entwicklungen des Typ-2-Diabetes. Laut Robert Koch-Institut sind mehr als 15% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig, etwa 6% adipös. In der Folge steigen die Zahlen auch für Typ-2-Diabetes. 2022 waren davon in Deutschland etwa 1000 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren betroffen.

Je früher die Erkrankung eintritt, desto länger wird die Belastung des Organismus und desto höher das Risiko für Komplikationen wie Nierenschäden schon im jungen Erwachsenenalter, gab Müssig zu bedenken. So bleibt die Prävention trotz aller Behandlungsfortschritte eine der wichtigsten Maßnahmen und sollte flächendeckend umgesetzt werden, auch mit Unterstützung durch verbindliche, strukturelle Maßnahmen und seitens der Politik.

Für die junge Altersgruppe zugelassene medikamentöse Optionen sind rar. Neben Metformin wurde als einziger GLP-1-Rezeptoragonist Liraglutid für Patienten ab 10 Jahren zugelassen. Zu anderen Präparaten fehlen bislang ausreichend Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit im Kindesalter. Studien zu dieser Wirkstoffgruppe lassen jedenfalls auf relevante Verbesserungen und ein großes Potenzial für die junge Zielgruppe schließen. Das sei einerseits eine gute Nachricht, zeige aber andererseits auch den dringenden Bedarf im Rahmen eines aktuellen besorgniserregenden Trends.

Quelle

Prof. Dr. med. Karsten Müssig, Harderberg, und Prof. Dr. med. Beate Karges, Stolberg und Aachen. Vorab-Pressekonferenz zur 19. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 28.10.2025.

Bildquelle

habrovich – stock.adobe.com