Geschmacksverlust als Gesundheitsrisiko

Wenn der Geschmacksinn nachlässt, erhöht sich die Sterblichkeit. Vermutlich steigt mit dem Sinnesverlust die Gefahr für ungünstiges Ernährungsverhalten.

Erhöhte Sterblichkeit in Studie

Das Nachlassen des Geschmacksinns ist älteren Untersuchungen zufolge mit einem höheren Risiko für chronische Krankheiten, etwa Morbus Alzheimer, sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinsuffizienz assoziiert. In einer US-amerikanischen Kohortenstudie wurde nun der Zusammenhang zwischen der subjektiven Wahrnehmung von Geschmacksverlust und der Gesamtmortalität untersucht.

Bei 7340 Erwachsenen ab 40 Jahren wurde nach einem verlorengegangenen Geschmacksempfinden der Richtungen salzig, sauer, süß und bitter gefragt, das ab einem Alter von 25 Jahren registriert wurde. Fast 9% der Befragten berichteten dabei über einen selbstempfundenen Verlust der Geschmacksfähigkeiten. Die Studienautoren bereinigten die Daten in verschiedenen Stufen für das Alter, Geschlecht, Ethnie, zusätzlich für Bildung, Familieneinkommen und finanzielle Situation, Raucher- und Alkoholstatus und körperliche Aktivität sowie für Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen zu Studienbeginn.

Salz und Säure relevant

Beim Abgleich mit Daten über Todesfälle ergab sich ein um 47% höheres Sterblichkeitsrisiko für Menschen mit Geschmacksverlusten. Bei genauer Betrachtung erwiesen sich eingeschränkte Wahrnehmungen von Salz und Säure als signifikante Risikofaktoren. Ein Verlust des Bitterschmeckens war nur bei Frauen mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden, gestörtes Schmecken von Säure hauptsächlich bei Männern. Eine erhaltene Geruchsleistung bei eingeschränktem Geschmacksempfinden konnte die negativen Effekte nicht abfangen, die Gesamtmortalität blieb auch dann weiterhin hoch.

Außerdem zeigte sich eine Relevanz in der Ausprägung der Geschmacksverluste: Personen, die den Verlust von drei oder vier der Grundgeschmacksrichtungen beklagten, hatten ein höheres Gesamtmortalitätsrisiko – im Gegensatz zu denen, die nur ein oder zwei Geschmäcker vermissten.

Folgen für das Ernährungsverhalten?

Welche Hintergründe die Assoziation zwischen Geschmacksverlust und Todesfällen konkret auslösen, ist nicht geklärt. Eventuell führt die reduzierte Salzwahrnehmung dazu, die Speisen stärker zu salzen oder vermehrt zuckerhaltige Lebensmittel zu essen. Damit könnten kardiovaskuläre Risiken sowie metabolische Veränderungen oder veränderte Immunfunktionen verbunden sein. Wer saure Aromen nicht mehr identifizieren kann, läuft Gefahr, verdorbene Speisen nicht zu erkennen und zu verzehren. Dadurch könnte eine chronische Intoxikation erfolgen.

Die Autoren dieser Studie sehen in der subjektiven Wahrnehmung eines nachlassenden Geschmacksinns einen einfachen und wertvollen Hinweis auf mögliche Gesundheitsgefährdungen.

Quelle

Zhu R, Wang R, He J, et al. Perceived taste loss from early adulthood to mid to late adulthood and mortality. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg 2025;151(4):335–43. doi:10.1001/jamaoto.2024.5072.

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