Rheuma heilen und verhindern

Der Trend der maßgeschneiderten Präzisionsmedizin ist auch in der Rheumatologie angekommen. So finden beispielsweise CAR-T-Zelltherapien ihren Weg in die Behandlung von Lupus erythematodes und Co. Zukunftsmusik, die Realität werden könnte, ist außerdem das Ausschalten von rheumatischen Erkrankungen, bevor sie entstehen.

Bahnbrechende Entwicklungen

„Wir haben ein neues Level der Komplexität erreicht“, eröffnete Professor Dr. med. Tobias Huber, Hamburg, die Online-Pressekonferenz im Vorfeld der 151. Tagung der Nordwestdeutschen Gesellschaft für Innere Medizin (NWGIM). Was früher mit dem Begriff „Ganzheitlichkeit“ umschrieben wurde, findet sich heutzutage in modernen, maßgeschneiderten Therapien wieder.

Über dynamische Entwicklungen und medizinische Revolutionen im Bereich der Rheumatologie sprach Dr. med. Isabell Haase, Hamburg. Mittlerweile sei dieses Fachgebiet mehr ins Zentrum der Inneren Medizin gerückt. Allein die zahlreichen neuen Leitlinien zu rheumatologischen Erkrankungen, etwa die EULAR-Empfehlungen für das Management der systemischen Sklerose und die erste S3-Leitlinie für die ANCA-assoziierte Vaskulitiden (pdf), zeige den deutlichen Aufwärtstrend in den letzten 15 Jahren. Hinzu komme die ständige Notwendigkeit, neue Entwicklungen aufzunehmen und die Empfehlungen zu aktualisieren. Auch Zahlen zur Situation der Rheumapatienten, etwa zu deren Arbeitsfähigkeit, verdeutlichen:

Im vergangenen Jahr wurden bemerkenswerte Fortschritte in verschiedenen rheumatischen Erkrankungen erzielt, die das Potenzial haben, die Behandlungsergebnisse von Patienten grundlegend zu verändern.“

Erkennen und stoppen

So stellt die voranschreitende Forschung zu neuen Biomarkern einen wesentlichen nächsten Entwicklungsschritt zur individualisierten Therapie dar. Hier scheint ein Biomarker-Panel im Urin vielversprechend, das mit der Histologie bei Lupusnephritis korreliert und nach drei Monaten das Therapieansprechen nach einem Jahr vorhersagen kann.

Ein Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) zu den JAK-Inhibitoren berücksichtigt die 2022 aufgekommenen Sicherheitsbedenken hinsichtlich kardiovaskulärer und thromboembolischer Ereignisse sowie Malignomen. Das aktuelle Statement fasst die Evidenz zusammen und gibt einen praxisnahen Überblick.

Neues in Sicht

Auf der Seite neuer Therapien, teilweise für Indikationen ohne bisherige zugelassene Therapie, treten Upadacitinib zur Behandlung der Riesenzellarteritis ins Rampenlicht. Ebenso Nipocalimab, ein Antikörper gegen den neonatalen Fc-Rezeptor, bei (mittel)schwerem Sjögren-Syndrom und der CD19-Antikörper Inebilizumab bei sehr seltenen IgG4-assoziierten Erkrankungen.

CAR-T-Zelltherapie bei Rheuma

Ein Beispiel für die immer stärker werdende Verzahnung klinisch-immunologischer Fächer sei die CAR-T-Zelltherapie, sagte Haase. Seit dem ersten erfolgreichen Einsatz bei einer Patientin mit systemischem Lupus erythematodes im Jahr 2021 entwickelt sich diese ursprünglich onkologische Methode stetig weiter. Mittlerweile konnten sogar Kinder erfolgreich behandelt werden. Aktuelle Berichte und Phase-I/II-Studien zeigen bei systemischer Sklerose und inflammatorischen Myopathien eine therapiefreie Remission nach schwerer Erkrankung.

Bisher beschränken sich CAR-T-Zelltherapie auf Heilversuche und Studien und damit auf experimentelle Anwendungen. Die Oberärztin sieht jedoch großes Potenzial, insbesondere für schwer Betroffene, bei denen Autoantikörper bekannt sind, ein systemischer Lupus erythematodes sowie Kollagenosen, systemische Sklerose oder Vaskulitiden vorliegen.

Neustart im Immunsystem

Noch einen Schritt weiter gehen Ansätze, die rheumatische Krankheiten bei Hochrisikopatienten vor dem Krankheitsausbruch und dem Auftreten irreversibler Gelenkschäden stoppen sollen, etwa mit Abatacept.

Besonders erfreulich sei für die Forschungslandschaft hierzulande, so Haase, dass Deutschland bei der Entwicklung und Anwendung federführend sei. Nun gelte es, die bestehenden Ansätze weiterzuführen, Erfahrungen zu sammeln und zu spezifizieren, welche Therapie für welche Zielgruppe zu welchem Zeitpunkt am zielführendsten ist.

Quelle

Professor Dr. med. Tobias Huber, Dr. med. Isabell Haase. Aktuelle Erkenntnisse zu rheumatologischen Erkrankungen. Online-Pressekonferenz im Vorfeld der 151. Tagung der Nordwestdeutschen Gesellschaft für Innere Medizin (NWGIM) am 12. Februar 2025.

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