Zellen auf den Krebs ansetzen

Immunzellen des Patienten gentechnisch so verändern, dass sie Tumorzellen bekämpfen können: Die CAR-T-Zell-Therapie klingt ganz schön futuristisch. 2017 ist sie in der Realität angekommen.

Die Tumorimmunologie ist seit Jahren auf dem Vormarsch. Neben Checkpoint-Inhibitoren wie Ipilimumab oder Pembrolizumab wecken vor allem CAR(Chimeric Antigen Receptor)-T-Zellen große Hoffnungen. Bei dieser personalisierten Therapie werden dem Patienten im ersten Schritt T-Zellen entnommen. Diese werden im Labor mit einem T-Zell-Rezeptor gegen CD19 ausgestattet. CD19 ist ein Oberflächenantigen, das auf B-Lymphozyten exprimiert wird und somit auch charakteristisch für leukämische B-Zellen ist. Nachdem die chimären Zellen im Labor vermehrt wurden, erhält der Patient sie zurück. Sein Immunsystem ist nun in der Lage, Leukämiezellen zu erkennen und zu zerstören. Eine einmalige Gabe reicht aus, um diesen Effekt zu erzielen.

Im August 2017 erteilte die FDA Kymriah™ (tisagenlecleucel) die Zulassung als erste CAR-T-Zell-Therapie. Basis war die ELIANA-Studie, in der bei Kindern mit refraktärer akuter lymphoblastischer Leukämie Ein-Jahres-Überlebensraten von 80% erzielt wurden. Allerdings trat bei fast der Hälfte der Patienten das gefürchtete Zytokin-Freisetzungs-Syndrom auf. Da in den Studienzentren im Vorfeld entsprechende Behandlungsalgorithmen implementiert worden waren, kam es aufgrund dieser Nebenwirkung nicht zu Todesfällen.

Im Oktober 2017 folgte die FDA-Zulassung von Yescarta™ (axicabtagene ciloleucel), einer weiteren CD19-basierten CAR-T-Zell-Therapie, für die Behandlung bestimmter Formen des Non-Hodgkin-Syndroms.

Resistenzen können die Wirksamkeit von CAR-T-Zell-Therapien einschränken. So kann es zum Verlust des Antigens kommen – im Fall von Kymriah™ und Yescarta™ ist das CD19. Deshalb werden derzeit CD22-basierte Ansätze untersucht, da dieses Antigen üblicherweise auch nach Verlust von CD19 auf der Zelloberfläche der Leukämiezellen erhalten bleibt. Auch eine Kombination von CD19- und CD22-basierten Strategien soll demnächst untersucht werden.

Anfang November hat der Hersteller Novartis auch bei der Europäischen Arzneimittelagentur einen Zulassungsantrag für Kymriah™ eingereicht.

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