Hauptsymptome der juvenilen idiopathischen Arthritis sind Gelenkschwellung und Überwärmung. Doch auch eher unspezifische Beschwerden wie anhaltende Müdigkeit können der Erkrankung zugeschrieben werden. Laut einer Studie leiden viele junge Patienten unter mindestens einer extraartikulären Manifestation.
Gelenkentzündungen und …?
Die juvenile idiopathische Arthritis (JIA) ist eine chronisch-rheumatische Erkrankung unbekannter Ursache mit primärer Gelenkbeteiligung. Sie tritt vor dem 16. Lebensjahr auf und ist definiert als Arthritis über mindestens sechs Wochen. Bei einer Oligoarthritis sind maximal vier Gelenke beteiligt, bei einer Polyarthritis fünf oder mehr.
Eine analytische Querschnittsstudie mit 117 Kindern konzentrierte sich auf die extraartikuläre Manifestationen (EAM) bei Patienten mit JIA und bewertete deren Bedeutung für die Lebensqualität. Klinische und bildgebende Untersuchungen bestimmten Sicca-Symptome, periphere Neuropathie, Enthesitis (Entzündung am bindegewebigen Ansatz von Bändern oder Sehnen am Knochen) und Hautläsionen. Weiterhin wurden Lunge, Leber, Milz und Halswirbelsäule untersucht. Die Lebensqualität wurde mit zwei Pediatric-Quality-of-Life-Scores abgefragt. Zur Bewertung von körperlichen, seelischen, sozialen und schulischen Funktionen diente der Pediatric-Quality-of-Life-Inventory-4 (PedsQL-4). Das PedsQL-3-Arthritis-Modul bezog sich auf Angaben zu Schmerz, täglichen Aktivitäten, Therapie, Sorgen und Kommunikation.
Jeder Zweite ist dauermüde
EAM hatten 85 der jungen Patienten, das entspricht 72,6 %. Diese erschienen während eines JIA-Schubs sowie als Zeichen einer klinischen Krankheitsprogression. Bei jedem Zweiten (51,3 %) und damit auf Platz 1 der EAM trat anhaltende Müdigkeit auf. Wiederkehrender Hautausschlag plagte 16,2 %, Enthesitis betraf 15,4 %. Weiterhin wurden wiederkehrendes Fieber (13,7 %) und Uveitis (Entzündung der Augenhaut) mit 12 % der JIA-Erkrankung zugeordnet.
Die EAM hatten Einfluss auf die Funktionsfähigkeiten, sowohl physisch als auch emotional, sozial und auf die schulische Leistung bezogen. Patienten mit EAM schnitten hierbei deutlich schlechter ab. Die Ergebnisse des PedsQL-Arthritis-Moduls zeigten bei Kindern mit EAM signifikant niedrigere Werte: Das betraf die Themen Schmerz, tägliche Aktivitäten und Sorgen.
Länger krank, mehr Symptome
Patienten, die EAM aufwiesen, waren im Durchschnitt älter (15 Jahre vs. 10 Jahre). Zudem traten die systemischen Symptome im Mittel bei Kindern mit längerer Erkrankungsdauer auf. Auch gingen EAM mit mehr geschwollenen Gelenken und niedrigeren PedsQL-Scores in allen erfassten Bereichen einher.
Nicht nur Gelenke beachten
Die Studie bestätigt: EAM betreffen viele Kinder mit JIA. Die Beschwerden schränken die gesundheitsbezogene Lebensqualität deutlich ein. Abgesehen von der Behandlung der Gelenksymptome empfehlen die Studienautoren daher dringend die frühzeitige Diagnose und Therapie von extraartikulären Manifestationen. Dabei seien die Zahl geschwollener Gelenke und die Krankheitsdauer als wichtigste prädiktive Marker für EAM anzusehen.
Quelle
Tharwat S, Nassar MK, Salem KM, Nassar MK. Extraarticular manifestations of juvenile idiopathic arthritis and their impact on health-related quality of life. Clin Rheumatol 2024;43(7):2295–2305. doi: 10.1007/s10067-024-07008-0.