Wenn das kühle Nass zum Infektionsort wird

Gerade an heißen Sommertagen gibt es für viele Menschen kaum etwas Schöneres, als einen entspannten Tag am Badesee oder im Schwimmbad zu verbringen. Da das Wasser jedoch der Lebensraum für einige Erreger ist, kann es insbesondere bei Unachtsamkeit zu Infektionen kommen.

Im Wasser tummeln sich nicht nur Menschen

Es dürfte kaum jemanden überraschen, dass im Wasser viele und zum Teil mit bloßem Auge nicht erkennbare Organismen unterwegs sind. Damit man auch im Nachhinein im Positiven an den Ausflug zurückdenken kann, sollte man einige Dinge beachten.

E. coli

Aktuell wird im Rahmen der Olympischen Spiele 2024 in Paris über die Wasserqualität der Seine diskutiert. Zu der Thematik gibt es aktuell allerdings noch kein abschließendes Fazit. Im Fokus steht unter anderem das gramnegative Enterobakterium Escherichia coli (E. coli), das ein Bestandteil der menschlichen und tierischen Darmflora ist. Über fäkale Verunreinigungen kann es in Lebensmittel und Trinkwasser gelangen, aber auch in Badegewässer. Bei oraler Aufnahme sind Emesis und Diarrhö möglich. Frauen sollten die Kontaktzeit mit dem Badewasser aufgrund des Risikos für Scheideninfektionen und Blasenentzündungen möglichst kurzhalten, indem sie die nassen Badesachen im Anschluss wechseln und den Intimbereich gut abtrocknen. Eine Unterkühlung und die daraus resultierende verlangsamte Durchblutung des Beckenbereichs sollten ebenfalls vermieden werden.

Cyanobakterien

Die gramnegativen Bakterien werden zwar aufgrund ihrer Erscheinung auch als Blaualgen bezeichnet, gehören jedoch zu den Prokaryonten. Sie kommen natürlicherweise in den meisten Gewässern vor, zeigen aber bei erhöhter Nährstoffkonzentration ein vermehrtes Aufkommen. Viele Blaualgen-Arten – insbesondere einige im Süßwasser vorkommende Arten – produzieren unterschiedliche Toxine wie Hepatotoxine und Neurotoxine, deren Konzentration von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Durch Verschlucken des Badewassers können sie in den menschlichen Gastrointestinaltrakt gelangen und können Nausea, Emesis sowie Diarrhö auslösen. Nach oraler Aufnahme in den Organismus ist auch eine Leber- oder Nervenschädigung möglich. Fälle schwerer Erkrankungen sind in Deutschland jedoch nicht bekannt. Gewässer mit bekannter Blaualgenbelastung sollten als Badeort vermieden werden.

Vibrionen

Die so genannten Nicht Cholera-Vibrionen, Verwandte der in Europa nicht endemischen Cholera-Virionen, sind gramnegative Stäbchenbakterien. Sie sind in Ost- und Nordsee vorhanden und vermehren sich besonders gut in flachem und eher ruhigem Gewässer, das sich über 20 °C aufheizt. Die Erreger können durch Verletzungen der Haut in den Körper eindringen und zu einer Infektion unterschiedlichen Ausmaßes führen. Durch die orale Aufnahme auch durch unzureichend erhitzte Nahrungsmittel aus dem Meer kann eine Gastroenteritis folgen. Beides kann zu einer Sepsis führen, weshalb ein Arztbesuch beim ersten Anzeichen einer Infektion notwendig ist.

Legionellen (Pfützenkeime)

Die gramnegativen Stäbchenbakterien sind als Auslöser der Legionärskrankheit bekannt und werden vorranging über das häusliche Trinkwasser übertragen. Die optimale Wassertemperatur für die Organismen beträgt 25 bis 45 °C. Da Infektionen durch eine Aerosol-Inhalation stattfinden, sind neben Duschen auch Whirlpools ein möglicher Infektionsort. Entsprechende Maßnahmen zur Prävention der Erregervermehrung und zur Erregerbeseitigung (z.B. Erhitzen) sind entscheidend.

Allgemeine Empfehlungen rund ums Badevergnügen

Mit offenen Wunden sollte man nicht ins Wasser gehen. Besonders an Orten mit feuchtem Boden wie Umkleidekabinen und Duschen empfiehlt es sich, Badeschuhe zu tragen. Im Anschluss sollte man die Füße gut waschen und vollständig abtrocknen, um Infektionen z.B. mit Dermatophyten vorzubeugen. Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten bei der Wahl der Badestelle besondere Vorsicht walten lassen und sich vorab über die Wasserqualität informieren. Wer nach dem Baden im See kleine gerötete und juckende Stellen auf der Haut bekommt, wurde möglicherweise von Zerkarien befallen. Der Mensch ist eigentlich ein Fehlwirt und die Parasiten werden vom Immunsystem beseitigt. Wenn die Ursache der Symptomatik unklar ist oder sich die Stellen durch Kratzen entzünden, sollte jedoch ein Arzt konsultiert werden. Für Brillenträger wird das Tragen von mehrtägigen Kontaktlinsen nicht empfohlen. Alternativ können beim Baden Einweglinsen verwendet werden, um die Infektionsgefahr mit Amöben zu minimieren. Allgemein empfiehlt es sich nach dem Baden immer, gründliche zu duschen und sich anschließend sorgfältig abzutrocknen.

Quellen

Infozentrum für Prävention und Früherkennung. Magazin. Tipp der Woche. Infektionen aus dem Badesee. 08.08.2024.

Springer Medizin. Ärzte Zeitung. Gefahr aus dem Wasser. 10.08.2023.