D-Mannose zur Prophylaxe von Harnwegsinfektionen?

Für die Prophylaxe von häufig auftretenden Harnwegsinfektionen kommen neben Antibiotika und Phytotherapeutika auch Nahrungsergänzungen wie D-Mannose zum Einsatz. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie deuten jedoch an, dass die prophylaktische Wirkung von D-Mannose geringer sein könnte als ursprünglich angenommen.

Von Antibiotika bis Phytotherapeutika

Harnwegsinfektionen sind insbesondere bei Frauen eine häufige Erkrankung. Meist entstehen sie durch eine Übertragung von Bakterien des Darmausgangs in die Harnröhre. Tritt die Harnwegsinfektion mindestens zweimal in sechs Monaten, oder dreimal in zwölf Monaten auf, gilt sie als rezidivierend. Für die Prophylaxe der rezidivierenden Harnwegsinfektion werden neben Antibiotika einige nichtantibiotische Mittel wie Immunprophylaktika eingesetzt. Auch pflanzliche Mittel, beispielsweise Cranberry-Produkte, Präparate aus Bärentraubenblättern oder Kapuzinerkressenkraut werden häufiger empfohlen.

In der S3-Leitlinie der AWMF (Stand 2017, derzeit in Überarbeitung) wird weiterhin die Einnahme von Mannose zur Prophylaxe einer wiederkehrenden Blasenentzündung empfohlen. Der vermutete Wirkungsmechanismus von D-Mannose beruht auf einer Anlagerung des Monosaccharids an die bakteriellen Fimbrien. Das verhindert die Anheftung der Bakterien an die Zellen des Urotheltrakts und die Bakterien werden stattdessen mit dem Harn ausgespült. Neben systematischen Reviews deuten eine offene randomisierte Studie aus dem Jahr 2013 sowie eine randomisierte Cross-over-Studie aus dem Jahr 2014 auf die prophylaktische Wirkung von D-Mannose hin. Nun wurde die Wirksamkeit in einer aktuellen Studie mit verblindetem Design erneut untersucht. Die Ergebnisse weichen von bisherigen Untersuchungen ab.

Prophylaktische Wirkung von D-Mannose nicht belegt

Die randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie schloss 598 Frauen aus 99 Versorgungszentren des Vereinigten Königreichs ein. Die Teilnehmerinnen hatten ein mittleres Alter von 58 Jahren und litten an rezidivierenden Harnwegsinfektionen. 51% der Patientinnen erhielten täglich 2 g D-Mannose-Pulver, 49% der Patientinnen ein Placebo. Der primäre Endpunkt der Studie war der Frauenanteil, der sechs Monate nach Studienbeginn mindestens eine weitere Episode mit klinischem Verdacht auf eine Harnwegsinfektion erlitt. Zu den sekundären Endpunkten zählten beispielsweise die Dauer der Symptome und Antibiotikaeinsatz.

Den primären Endpunkt erreichten 150 von 294 Frauen (51%) in der D-Mannose-und 161 von 289 (56%) der Patientinnen in der Placebo-Gruppe (Risikounterschied -5%; 95%-Konfidenzintervall -13% bis 3%; p = 0,26). Auch für die sekundären Endpunkte waren keine statistisch signifikanten Gruppenunterschiede nachweisbar.

Kein Konsens bei D-Mannose

In dieser Studie konnte im Gegensatz zu früheren Studien kein statistisch signifikanter Effekt von D-Mannose zur Prophylaxe von rezidivierenden Harnwegsinfektionen nachgewiesen werden. Das abweichende Ergebnis könnte daran liegen, so die Autoren, dass in früheren Studien keine Placebo-Gruppe eingeschlossen wurde. Auch wurden in den vorherigen Studien lediglich Frauen in der symptomatischen Phase der Harnwegsinfektion eingeschlossen, was die Studienergebnisse beeinflusst haben könnte.

Quelle

Hayward G, et al. d-Mannose for prevention of recurrent urinary tract infection among women: a randomized clinical trial. JAMA Intern Med 2024:e240264.