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Keine HIV-Infektionen mit Lenacapavir-PrEP

Lenacapavir ist indiziert bei multiresistenten HIV-1-Infektionen. In einer im Juli 2024 publizierten Studie wurde die Wirksamkeit des Kapsid-Inhibitors als Präexpositionsprophylaxe untersucht. Im Studienzeitraum traten unter Lenacapavir keine neuen Infektionen mit HIV-1 auf.

Signifikante Reduktion der HIV-Inzidenz durch Lenacapavir

In die Phase-III-Studie PURPOSE 1 wurden Mädchen und Frauen im Alter von 16–26 Jahren aus Südafrika und Uganda eingeschlossen. In den Ländern liegt die HIV-Inzidenz ohne Präexpositionsprophylaxe (PrEP) in dieser Population bei 3,5 pro 100 Personenjahre (PY). Im Studienzeitraum von zwei Jahren erhielten die Teilnehmerinnen entweder täglich oral Emtricitabin/Tenofovir-alafenamid (F/TAF), Emtricitabin/Tenofovir-disoproxil (F/TDF) oder halbjährlich subkutan Lenacapavir als PrEP. Die Therapie erfolgte randomisiert und verblindet.

Von 4821 Mädchen und Frauen lagen Daten zur Auswertung vor. Von ihnen infizierten sich innerhalb der zwei Jahre 55 neu mit dem HI-Virus. 39 von ihnen unter F/TAF, 16 unter F/TDF, aber keine unter subkutanem Lenacapavir. Unter F/TAF ergibt sich daraus eine HIV-Inzidenz von 2,02 pro 100 PY und für F/TDF 1,69 pro 100 PY.

Adhärenz bei oralen Präparaten gering

Ein möglicher Grund für die geringere Wirksamkeit der oralen Präparate kann die verminderte Adhärenz der Teilnehmerinnen sein. Zu Beginn der Studie zeigten 48 % der Teilnehmerinnen der F/TAF-Kohorte und 22 % aus der F/TDF-Kohorte eine hohe Adhärenz (≥ 4 Dosen/Woche). Am Ende des Studienzeitraums lagen die Werte bei 11 % und 7 %. Ebenso gaben zu Studienende 84 % (F/TAF) und 93 % (F/TDF) der Teilnehmerinnen an, weniger als zwei Dosen pro Woche einzunehmen.

Die Studienautoren sehen in der zweimal jährlichen subkutanen Injektion und der gezeigten Wirksamkeit von Lenacapavir großes Potenzial in der Prävention von HIV-Infektionen.

Lenacapavir erster Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse

Lenacapavir ist der erste Wirkstoff aus der Klasse der Kapsid-Inhibitoren. Der Wirkstoff bindet an die Monomere der Proteinhülle des Virus und stört dessen Funktion. Nach einer 14-tägigen oralen Einleitungsphase wird Lenacapavir halbjährlich subkutan appliziert.

In der EU ist das Präparat bereits zur Therapie multiresistenter HIV-Infektionen zugelassen, in Deutschland ist es allerdings nicht auf dem Markt. Dazu entschied sich der pharmazeutische Hersteller aus wirtschaftlichen Gründen.

Zweiter Patient in Deutschland von AIDS geheilt

2008 gab die Berliner Charité die erste Heilung des mit HIV-infizierten Timothy Ray Brown bekannt. Aufgrund einer zusätzlichen Leukämieerkrankung erhielt Brown eine Stammzellspende. Der damalige Spender hatte eine homozygote Mutation am CCR5-Rezeptor (CCR5 Δ32-Mutation), welche zu einer Resistenz gegenüber HIV-1 führt. Nach der Stammzellspende benötigte Brown keine weitere antiretrovirale Therapie mehr und galt als virenfrei.

Im Juli 2024 berichtete die Charité von der Heilung eines weiteren HIV-infizierten Patienten. Die Besonderheit: Der Spender hatte diesmal eine heterozygote Mutation des CCR5-Rezeptors. Dennoch wurde auch dieser Patient nach der Spende virenfrei.

Quelle

Bekker LG, et al. Twice-yearly lenacapavir or daily F/TAF for HIV prevention in cisgender women. N Engl J Med. Published online July 24, 2024. doi:10.1056/NEJMoa2407001