Ein neu entwickeltes Hydrogel-Implantat soll gleich zwei Einsatzgebiete haben. Einerseits soll es als hormonfreies Verhütungsmittel fungieren, andererseits wird eine Senkung des Endometriose-Risikos diskutiert.
Warum ausgerechnet Hydrogel?
Für Hydrogele gibt es bereits viele Einsatzgebiete. Die wasserunlöslichen Polymere haben ein hohes Quellvermögen, während sie weitestgehend ihre Form beibehalten. In einer kürzlich in der Fachzeitschrift Advanced Material veröffentlichten Studie beschreibt ein Forscherteam der ETH Zürich und der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) die ersten Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit. Das von dem Team entwickelte Implantat, das mittels eines Hysteroskops und ohne operativen Eingriff im Trockenzustand in die Eileiter eingeführt werden kann, quillt beim Kontakt mit Flüssigkeit auf und verschließt diese.
Wir fanden heraus, dass das Implantat ein gummibärchenartiges, sehr weiches Gel sein muss, das nur minimal mit dem Gewebe reagiert und nicht als Fremdkörper wahrgenommen und abgestoßen wird.
Funktionsweise des Implantats
Durch die Blockade der Eileiter wird zum einen der Durchgang für Spermien blockiert, wodurch dies eine Möglichkeit zur hormonfreien Verhütung darstellt, zum anderen verhindert sie den Rückfluss von Menstruationsblut in die Bauchhöhle. Das Auswandern von Endometrium-Zellen wird als eine mögliche Ursache zur Entstehung von Endometriose diskutiert; jedoch ist die Ätiologie nach wie vor nicht vollständig geklärt. Rückgängig machen lässt sich die Blockade laut der Studienautoren durch Abbau des Implantats mit UV-Licht oder einer speziellen Flüssigkeit ohne operativen Eingriff.
Forschung noch ganz am Anfang
Die Forschenden der ETH und der Empa meldeten bereits ein Patent an, bis zur Marktreife bedarf es jedoch noch vieler Studien. Bisher gab es Ex-vivo-Experimente an menschlichen Eileitern, um die Kompatibilität und Stabilität anzupassen, sowie eine In-vivo-Implantation für drei Wochen bei einem Schwein. Damit wollte das Team Daten zu den Verweileigenschaften im Zielgewebe und zu Fremdkörper-Reaktionen erhalten. Wie sich das Implantat über einen längeren Zeitraum sowie im Alltag im Körper verhält und ob es einen Fortschritt in der Endometriose-Prävention darstellt, muss im Weiteren noch untersucht werden. Spannend ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit aus Materialwissenschaften, Verfahrenstechnik und Gynäkologie aber in jedem Fall.
Quellen
ETH Zürich. Ein Hydrogel-Implantat gegen Endometriose. Medizin-News vom 17.07.2024.