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Neue Wege in der Zöliakie-Therapie?

Die Prävalenz von Zöliakie liegt bei etwa 0,5–1 %. Aktuell ist ein lebenslanger vollständiger Verzicht auf Gluten der einzige Therapie-Weg. Der Transglutaminase-2-Hemmer ZED1227 gibt Hoffnung auf eine neue Therapieoption.

Zöliakie – das „Chamäleon der Gastroenterologie“

Zöliakie, eine entzündliche autoimmune Dünndarmerkrankung, wird durch eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten ausgelöst. Hierbei kommt es aufgrund einer fehlgeleiteten Immunreaktion zur Zerstörung des Darmepithels (Zottenatrophie). Langfristig zieht das ohne adäquate Therapie eine inadäquate Resorptionsleistung des Dünndarms und darauffolgend eine Malabsorption nach sich. Aufgrund der Vielfältigkeit der Symptome und Ausprägungen ist es häufig ein langer und schwieriger Weg bis zur Diagnose.

Therapieoptionen sind Mangelware

Bisher bestand die Therapie aus einem vollständigen Verzicht auf Gluten; und dies ein Leben lang. Auch kleinste Mengen des Klebereiweißes können zu einer Progression der Zottenatrophie führen. Durch die notwendige Vorsicht bei der Ernährung sind die Betroffenen im Alltag oft eingeschränkt. Vor einiger Zeit gab es neue Ergebnisse bei der Suche nach Therapieoptionen. Eine Forschergruppe aus Mainz beschrieb in einer 2021 im New England Journal of Medicine veröffentlichten Phase-II-Studie, dass der orale Transglutaminase-2-Inhibitor ZED1227 die Fähigkeit hat, trotz einer täglichen moderaten Dosis Gluten die Schleimhautentzündung abzumildern.

ZED1227 greift in den Pathomechanismus der Zöliakie ein

Da dies der erste Wirkstoff mit klinischer Wirksamkeit gegen Zöliakie ist, hat das Team rund um Univ.-Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan in einer Folgestudie den molekularen Wirkungsmechanismus weiter untersucht. In der Pathogenese spielt die Transglutaminase eine relevante Rolle. Das körpereigene Enzym fungiert als Autoantigen, das die unverdauten Gluten-Bestandteilen bei Zöliakie-Patienten deamidiert und so deren entzündungsfördernde Wirkung erhöht. ZED1227 greift also über die Hemmung des Enzyms in den Pathomechanismus ein und kann so die Toleranz gegenüber Gluten erhöhen.

Zukunftsaussichten

Aktuell werden weitere Studien durchgeführt. Zudem ist eine weltweite Phase-III-Studie in der Planung. Ob der Wirkstoff ein Durchbruch in der Zöliakie-Therapie sein wird, bleibt abzuwarten. Dennoch gibt die aktuelle Entwicklung Hoffnung bei einer chronischen Erkrankung, die das alltägliche Leben vieler Menschen einschränkt.

Unsere klinische Studie hat gezeigt, dass den Zöliakiepatient:innen mit dem Transglutaminase-Hemmer ZED1227 zukünftig erstmals unterstützend zur glutenfreien Diät eine wirksame medikamentöse Therapieoption zur Verfügung stehen könnte, die ihnen zusätzlich einen erheblichen Zugewinn an Sicherheit und Lebensqualität ermöglicht.

so Schuppan.

Quellen

Pressemitteilung der Universitätsmedizin Mainz. Neue Erkenntnisse für die Behandlung der Zöliakie. 27.06.2024.

Dotsenko V, et al. Transcriptomic analysis of intestine following administration of a transglutaminase 2 inhibitor to prevent gluten-induced intestinal damage in celiac disease. Nat Immunol. 2024 Jul;25:1218-30. doi: 10.1038/s41590-024-01867-0.