Frauen und Kinder schlafen schlecht

Eigentlich bringen Frauen die besseren Voraussetzungen für erholsamen Schlaf mit. Doch Alltag und Hormonzyklus stehen dem oft im Weg. Junge Menschen brauchen besonders viel Nachtruhe, doch auch viele Kinder erleben bereits schlaflose Nächte.

Frauen schlafen besser, aber schlecht

Frauen sind grundsätzlich die besseren Schläferinnen, so Dr. Dora Triché, Nürnberg, zum „Aktionstag Erholsamer Schlaf“ der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin anlässlich des längsten Tages des Jahres am 21. Juni 2024. Sie können länger schlafen, sind in ihren Schlafenszeiten flexibler und erreichen den für die körperliche Erholung wichtigen Tiefschlaf bis ins hohe Lebensalter. Trotzdem leiden sie zwei- bis dreimal häufiger an Schlafstörungen.

Verantwortlich ist unter anderem der Hormonzyklus. Beim Eisprung wird viel beruhigendes Progesteron ausgeschüttet, während der Menstruation ist der Schlaf wieder schlechter. Durch den Rückgang der Gestagen- und Estrogenproduktion in der Menopause schwinden schlafunterstützende Wirkungen der Hormone. Zudem stören Hitzewallungen und Nachtschweiß die Schlafqualität. Zusätzlich gibt es einen überproportionalen Anstieg der obstruktiven Schlafapnoe zum Zeitpunkt der Menopause. Da Gestagen hier eine schützende Wirkung hat, kann eine vorübergehende sorgfältig unter Risiko-Nutzen-Bewertung durchgeführte Hormonersatztherapie die Symptome lindern.

Frauen durchlaufen mehrere Lebensabschnitte, in denen sie durch hormonelle und äußere Einflüsse besonders gefährdet sind, eine Schlafstörung und schlafbezogene Atmungsstörung zu entwickeln.

Schwangerschaft und Menopause

Bei Schwangeren wechselt die Schlafqualität durch hormonelle und körperliche Veränderungen. Übelkeit, häufiges Wasserlassen, der wachsende Bauchumfang und Kindsbewegungen halten wach. Typische Begleiterscheinungen sind das Restless-Legs-Syndrom und gastro-ösophagealer Reflux. Eine Schwangerschaft begünstigt aufgrund der Gewichtszunahme und einer veränderten Fettverteilung in der Halspartie außerdem die obstruktive Schlafapnoe. Letztere sollte zum Schutz des Kindes immer therapiert werden. Die erste Zeit mit Baby ist ebenfalls durch Schlafmangel geprägt. Nächtliche Fütterungen stören automatisch den Elternschlaf. Eine zusätzliche Einbuße der Schlafqualität kann die psychische Belastung durch die Veränderungen im Lebensalltag haben.

Kinder mit Schlafstörungen

Kinder und Jugendliche benötigen mehr Schlaf als Erwachsene. Dabei ist Schlaf in dieser sensiblen Lebensphase äußerst wichtig für die optimale Gehirnentwicklung, insbesondere für die Gedächtnisleistung, betonte Assoc.-Prof. Dr. Kerstin Hoedlmoser, Salzburg. Denn nachts erfolgen die Bildung und Umstrukturierung neuronaler Netzwerke, wichtig für kognitive Leistungen und emotionale Regulationsfähigkeiten. Studien weisen darauf hin, dass kindliche Schlafprobleme langfristige kognitive Folgen haben können. Mit ihnen steigt das Risiko für die Entwicklung von Psychopathologien wie Angststörungen und Depressionen, für Aufmerksamkeits- und Autismus-Spektrum-Störungen sowie ein gestörtes Sozialverhalten.

Wir sollten gesundes Schlafverhalten schon im Kindesalter thematisieren, bevor Probleme entstehen.

Der Unterricht beginnt für viele Schüler viel zu früh, insbesondere während der Pubertät. Wenn sie dann mürrisch oder unausgeglichen sind und sich schlecht konzentrieren können, wird leider zu selten an den Faktor Schlaf gedacht, resümierte Hoedlmoser. Insbesondere bei Kindern mit psychischen Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten würden Schlafprobleme zu wenig beachtet, wie aktuelle Studien zeigten.

Thema frühzeitig thematisieren

Entsprechend empfehlen Experten bei Kindern mit motorischer Unruhe eine Schlafanamnese. Häufig würden Unruhe bei längerem Sitzen oder ständiges Zappeln als Symptome einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) fehlinterpretiert. Die Antwort kann jedoch auch ein juveniles Restless-Legs-Syndrom oder gestörter Nachtschlaf sein. Klarheit kann die Bestimmung des Eisenstatus bringen, denn Hauptursachen von motorischer Unruhe sind Eisenmangel und eine Störung des Eisenstoffwechsels. Das Verhalten kann zudem darin begründet sein, sich wach zu halten.

Gesundheitspsychologische Präventivmaßnahmen bereits ab dem Säuglingsalter können gesunden Schlaf im Kindes- und Jugendalter fördern. Feste Tagesstrukturen wie regelmäßige Essens- und Zubettgehzeiten sowie Abendrituale sind schlaffördernd. Ein Ansatz kann ein Schlafprotokoll sein, mit dem Kinder selbst zum Experten für ihren eigenen Schlaf werden. Grundschulen könnten das Thema zudem ähnlich wie die Zahnvorsorge spielerisch mit der „Schlaffee“ oder „Traumfresserchen“ integrieren.

Quelle

Dr. Dora Triché, Nürnberg, Assoc.-Prof. Dr. Kerstin Hoedlmoser, Salzburg. Ein Recht auf Schlaf. Online-Pressekonferenz zum Aktionstag erholsamer Schlaf der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin am 18. Juni 2024.

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