Erholsame Nächte bleiben für viele Menschen nur ein Traum. Was die Nächte in verschiedenen Lebensphasen unruhig macht, erläuterten Experten auf einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.
Die beste Medizin
Schlaf ist das wichtigste Regenerations- und Reparaturprogramm für den Menschen. Bei unzureichender Nachtruhe leidet das Leistungsvermögen. Ferner steigt das Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie für Alterserkrankungen wie Demenz und Morbus Parkinson, außerdem für psychische Störungen.
Jeder Mensch hat das Recht auf gesunden und erholsamen Schlaf – unabhängig von Geschlecht, Alter, sozialer Stellung, Bildungsniveau oder Berufszugehörigkeit! So lautet die Botschaft des „Aktionstages Erholsamer Schlaf“ der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin am 21. Juni 2024 anlässlich des längsten Tages des Jahres. Doch etwa ein Drittel aller deutschen Erwachsenen ist laut einer Studie des Robert Koch-Instituts von klinisch relevanten Schlafstörungen betroffen.
Veränderungen in den Lebensphasen
Der Schlaf ändert sich im Lauf des Lebens. Kinder und Jugendliche benötigen am meisten. Für sie startet die Schule, insbesondere rund um die Pubertät oft zu früh. Im mittleren Lebensalter rauben Arbeit, Stress und Freizeitverhalten den Schlaf. Mit zunehmendem Alter wird unser Schlaf leichter und oberflächlicher, erklärte Priv.-Doz. Dr. Anna Heidbreder, Linz. Die sogenannten tiefen Schlafstadien nehmen ab, die Wachanteile nehmen zu. Viele Senioren bringt fehlende Tagesstruktur um den Schlaf. Hinzu kommen körperliche und psychische Beeinträchtigungen sowie Arzneimittel mit ungünstigem Nebenwirkungsprofil.
Die Bedingungen für einen gesunden Schlaf sind in unserer Gesellschaft nicht gerecht verteilt.“
Wer verwitwet, geschieden oder aus anderen Gründen alleinstehend ist, schläft schlechter – genau wie Menschen ohne geregelte Arbeitszeiten tagsüber. Schichtarbeit begünstigt Schlafstörungen sowie körperliche und psychische Erkrankungen. In Städten machen vermehrter Stress, Lärm- und Lichtverschmutzung die Nacht zum Tag. Weiteres Problem: Die zunehmende Mediennutzung bis spät in den Abend führt zu einer inneren Aktivierung und Abweichungen im zirkadianen Rhythmus.
Besser schlafen
Bei anhaltenden und schweren Schlafstörungen steht zunächst eine Abklärung möglicher organischer oder psychischer Ursachen auf dem Plan. Besteht der Verdacht auf eine Schlafapnoe, folgt der Gang zum Schlafmediziner oder in ein Schlaflabor. Benzodiazepine und die strukturell verwandten Z-Substanzen sind zwar akut und kurzfristig sehr wirksam, allerdings insbesondere bei Älteren mit Risiken verbunden.
Alternativ gibt es ein großes Spektrum nichtmedikamentöser Therapiemöglichkeiten. Empfehlenswert sind Verhaltensmodifikationen hin zu mehr Schlafhygiene. Der wichtigste Zeitgeber für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus ist der Hell-Dunkel-Wechsel, also die Signale von Tageslicht und Dämmerung. Eine dem angepasste Tagesstruktur und Lichtexposition sind in jedem Alter sinnvoll. Nikotin, Koffein und Alkohol kurz vor dem Schlafengehen sind ungünstig.
Laut neuester S3-Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen“ (pdf) stellt die Kognitive Verhaltenstherapie der Insomnie (KVT-I) die erste Wahl bei Schlaflosigkeit dar. Rezeptfreie Schlaf- und Beruhigungsmittel können helfen – auch wenn hierfür die Leitlinienempfehlung fehlt und vermutlich der Placebo-Effekt eine große Rolle spielt. Dr. Hans-Günter Weeß, Klingenmünster, sprach vor allem bei leichteren Schlafstörungen den pflanzlichen Mitteln und Melatoninpräparaten ein beruhigendes Potenzial zu.
Quelle
Priv.-Doz. Dr. Anna Heidbreder, Linz, Dr. Hans-Günter Weeß, Klingenmünster. Ein Recht auf Schlaf. Online-Pressekonferenz zum Aktionstag erholsamer Schlaf der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin am 18. Juni 2024.
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