Seit 2018 sind CAR-T-Zelltherapien in der EU zugelassen. In der letzten Zeit stand die Krebsimmuntherapie häufiger unter Verdacht, T-Zell-Lymphome zu begünstigen. Basierend auf den Ergebnissen einer aktuellen Studie scheint das Risiko jedoch gering zu sein.
Verdacht auf T-Zell-Lymphome
Chimäre Antigen-Rezeptor-T-Zellen (CAR-T-Zellen) sind autologe, genmodifizierte Zellen, die sich gegen tumorspezifische Antigene richten. Dazu werden autologe T-Zellen des betroffenen Patienten mittels Leukapherese entnommen und die Tumorzellspezifität anschließend durch einen retroviralen Vektor vermittelt. Im Jahr 2018 wurden mit Tisagenlecleucel und Axicabtagen Ciloleucel die ersten CAR-T-Zelltherapien von der Europäischen Kommission zugelassen, die sich gegen das CD19-Antigen auf B-Lymphozyten richten.
In den letzten Jahren stand die CAR-T-Zelltherapie vermehrt unter Verdacht, T-Zell-Lymphome zu begünstigen. Zuletzt sprach sich die FDA für ein erhöhtes Risiko für T-Zell-Malignome aus und schloss dabei alle derzeit in Deutschland zugelassenen Therapien ein. Auch das Paul-Ehrlich-Institut äußerte sich im Januar 2024 zu diesem Verdacht. Der Zusammenhang wurden nun in einer aktuellen Studie untersucht – mit zunächst beruhigenden Ergebnissen.
Ergebnisse sprechen für geringes Risiko
In die Studie wurden 724 Patienten des Stanford University Medical Centers eingeschlossen, die zwischen Februar 2016 und Januar 2024 eine T-Zelltherapie erhielten. Bei knapp 97% der Patienten erfolgte eine Infusion mit CAR-T-Zellen.
Nach einem medianen Follow-up von 15 Monaten wurden bei den Patienten insgesamt 25 Zweittumoren identifiziert:
- 14 der 25 Zweittumoren waren hämatologischer Art. Dabei waren 13 einem myelodysplastischen Syndrom zuordenbar. Lediglich einer der Zweittumoren war ein T-Zell-Lymphom.
- 11 der 25 Zweittumoren waren solide Tumoren (4 Melanome, 2 Prostatakarzinome, 2 duktale Mammakarzinome, 1 Endometriumkarzinom, 1 Adenokarzinom der Lunge, 1 metastasierendes Mesotheliom).
- Die kumulative Inzidenz eines Zweittumors nach drei Jahren betrug 6,5%.
Nicht in die Analyse miteingeschlossen wurden Fälle von nichtmelanozytärem Hautkrebs.
Das identifizierte T-Zell-Lymphom trat bei einer 59-jährigen Frau auf, die Axicabtagen-Ciloleucel zur Therapie eines diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms erhalten hatte. Nach einem umfassenden genomischen Profiling der beiden Tumoren gab es jedoch keinen Hinweis darauf, dass die Entstehung des Zweittumors durch den CAR-T-Zell-Vektor bedingt war.
Nutzen-Risiko-Verhältnis weiterhin positiv
Die Erkenntnisse der Studie unterstreichen das Statement des Paul-Ehrlich-Instituts vom Januar 2024, dass „[…] das Nutzen-Risiko-Verhältnis in Anbetracht des Therapieerfolgs bei den schweren Grunderkrankungen der betroffenen Patientinnen und Patienten zurzeit als weiterhin positiv angesehen wird“.
Quelle
Hamilton MP, et al. Risk of second tumors and T-cell lymphoma after CAR T-cell therapy. N Engl J Med 2024 Jun 13;390:2047–60. doi: 10.1056/NEJMoa2401361.