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Xylit fördert Blutgerinnsel

Diverse künstliche Süßungsmittel gelten als gesunde Alternativen zu herkömmlichem Zucker. Insbesondere mehrwertige Alkohole werden unter anderem bei Übergewicht und Diabetes mellitus empfohlen. Offenbar kein unproblematischer Tausch, denn einer Studie zufolge kann der Verzehr von „Birkenzucker“ und Co. Herz-Kreislauf-Ereignisse begünstigen.

Beliebte Zuckeralkohole

Kalorienarm, hohe Süßkraft, kein Beigeschmack: Xylit, auch als „Birkenzucker“ geläufig, scheint eine ideale Alternative zu raffiniertem Zucker zu sein. Die Vorlage des künstlichen Süßungsmittels stammt aus Obst und Gemüse, die ebenfalls geringe Mengen Xylit enthalten. Darüber hinaus wird es auch endogen produziert, jedoch in weitaus kleineren Mengen – mehr als 1000-mal niedriger – als nach dem Verzehr von Xylit-gesüßten Lebensmitteln im Organismus landet.

Die Lebensmittelindustrie schätzt außerdem die technologischen Eigenschaften, denn Xylit schafft eine angenehme Textur und erhöht die Haltbarkeit von Produkten. Zudem gilt das Süßungsmittel als Verbündeter im Kampf gegen Karies. Für höhere Mengen ist wie bei Sorbit, Mannit und anderen mehrwertigen Alkoholen allenfalls eine abführende Wirkung zu erwarten. Also die ideale Zutat für Menschen mit Übergewicht, Diabetes mellitus und gesundheitsbewusste Naschkatzen?

Gefahr für MACE

Dem gegenüber stehen Ergebnisse einer aktuellen Studie: Höhere Blutwerte von Xylit sind assoziiert mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle. Konkret wurden 3300 Personen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen drei Jahre lang beobachtet. Patienten, die höhere Xylit-Spiegel im Blut hatten, erlitten signifikant häufiger einen Schlaganfall, kardiale Ereignisse wie Herzinfarkt oder verstarben. Insgesamt war das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (major adverse cardiac events, MACE) deutlich erhöht.

Das Risiko für schwerwiegende kardiale Ereignisse war bei erhöhten Xylit-Werten im Blut um 57% erhöht.“

Weiterführende Laboranalysen mit isolierten menschlichen Blutplättchen, plättchenreichem Plasma, Vollblut und Tiermodellen zur Thrombozytenreaktivität und Thrombusbildung bestätigten die Veränderungen durch Xylit. Ebenso anschließende Untersuchungen mit kreislaufgesunden Teilnehmern und Xylit-haltigen Getränken. Das Süßungsmittel erhöhte die Reaktivität der Blutplättchen. Dadurch können vermehrt Blutgerinnsel entstehen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt.

Keine ganz neue Erkenntnis

Eine vorhergehende Studie aus dem Jahr 2023 beschrieb bereits ein vergleichbares Ergebnis im Zusammenhang mit Erythrit. Auch für diese Zuckeralternative ergab sich eine Risikoerhöhung für Herzinfarkt und Schlaganfall. Erstautor Dr. med. Marco Witkowski vom Deutschen Herzzentrum der Charité, Berlin, rät insbesondere Menschen mit bekannten Herz-Kreislauf-Risiken einen sorgfältigen Umgang mit den Zuckeralkoholen. Es sei wichtig, dass Verbraucher sich dieser Risiken bewusst sind und ihren Konsum dieser Substanzen überdenken. Da Xylit weit verbreitete Anwendung sowohl in Lebensmitteln als auch Zahnpflegeprodukten findet, ist weitere Forschung zu potenziellen Gesundheitsrisiken nötig.

Quellen

Witkowski M, Nemet I, Li XS, Wilcox J, et al. Xylitol is prothrombotic and associated with cardiovascular risk. Eur Heart J 2024; ehae244. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae244.

Deutsches Herzzentrum der Charité. Neue Studie: Der Süßstoff Xylit ist mit erhöhtem Risiko für Herzprobleme verbunden. Pressemitteilung vom 6. Juni 2024.