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Welche Ernährung hilft Diabetikern am besten?

Eine umfassende Studie bestätigt: Bei Diabetes mellitus Typ 2 bringen bestimmte Ernährungskonzepte Vorteile für die Blutzuckerwerte und das kardiovaskuläre Risiko.

Therapie mit Messer und Gabel

Diabetes mellitus Typ 2 ist verbunden mit Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und dem Risiko für zahlreiche Begleiterkrankungen. Lebensstilinterventionen, insbesondere die Art der Ernährung, können den Gesundheitsstatus von Diabetikern in großem Maße verbessern.

Doch welche Konzepte haben das größte Potenzial? Forscher des Deutsches Diabetes-Zentrums (DDZ), Düsseldorf, untersuchten in einem groß angelegten Review den Einfluss der Ernährung auf das Management von Typ-2-Diabetes sowie das kardiovaskuläre Risiko von Diabetikern. Sie prüften dazu 312 Metaanalysen von randomisierten kontrollierten Studien mit unterschiedlicher Evidenz.

Ziel: Überblick schaffen

Es existieren zahlreiche Untersuchungen zu Diabetes und einzelnen Ernährungsmustern, so etwa zu flüssigem Mahlzeitenersatz, Reduktion von Energie, Kohlenhydraten oder Fett und niedrigem glykämischem Index, außerdem zu proteinreichen, mediterranen, vegetarischen und ketogenen Diäten und intermittierendem Fasten. Auch Studien zu speziellen Lebensmitteln, Nährstoffen und Probiotika gibt es.

Das Ziel der Analyse war, alle verfügbaren, mindestens zwölfwöchigen Studien zusammenzufassen und vor allem deren Evidenz zu bewerten. Letztere stuften die Forscher nur bei 2% der vorliegenden Arbeiten als hoch ein, der Großteil wies eine geringe (39%) oder sehr geringe (46%) Evidenz auf. Laut DDZ konnten durch diese Übersichtsarbeit trotzdem zum ersten Mal systematische Erkenntnisse über den Einfluss der Ernährung bei Menschen mit Typ-2 Diabetes gewonnen werden.

Energiereduziert, low carb und vegetarisch vorn

Zuverlässige Ergebnisse zur Reduktion des Body Mass Index traten sowohl unter Einsatz von flüssigem Mahlzeitenersatz als auch bei pflanzenbasierter und kohlenhydratarmer (KH < 26% der Gesamtenergie) Ernährung ein. Weniger Kohlenhydrate waren außerdem mit einem klinisch relevanten Absinken des HbA1C-Wertes sowie mit geringeren Werten für Triglyceride und HDL assoziiert. Flüssige Mahlzeitenersatzdiäten sowie Ballaststoffe, Ingwer, Anthocyane und Probiotika verbesserten ebenfalls die Blutzuckerwerte, allerdings mit geringerer statistischer Belastbarkeit.

Proteinreiche Kost konnte mit einer Reduktion des Serumcholesterins in Zusammenhang gesetzt werden. Auch Flohsamenschalen und Sojaprotein zeigte hierbei positive Effekte bei mäßiger Evidenz. Eine hohe Beweissicherheit wurde für die Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren und das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse gefunden. Die Evidenz für die Wirkung anderer Ernährungsfaktoren stuften die Forscher jeweils als gering bis sehr gering ein.

Gut für die Werte, gut fürs Herz

Viele der untersuchten Kostformen erzielten eine bessere Blutzuckerkontrolle und Vorteile im Gewichtsmanagement. Zusätzlich brachten sie kardioprotektive Effekte mit sich.

Es geht nicht nur um Energieregulierung; vielmehr zeigen verschiedene Ernährungsansätze (…) positive Auswirkungen auf die kardiometabolische Gesundheit bei Menschen mit Typ-2-Diabetes.

Gute Ausgangsposition für die Zukunft

Der Review liefert eine Bestätigung gängiger Empfehlungen für eine pflanzliche, kohlenhydratreduzierte bzw. ballaststoffreiche Ernährung bei Diabetes mellitus Typ 2.

Dieser Analyse zufolge kann eine breite Palette von Ernährungsformen beim Diabetesmanagement Erfolge haben. Wer von welcher Ernährung am meisten langfristig profitiert, müssen laut Studienautoren weitere Untersuchungen zeigen. Dann sei es zukünftig möglich, gezielte Empfehlungen zu geben, angepasst an die Bedürfnisse und Vorlieben der Patienten.

Quellen

Szczerba E, Barbaresko J, Schiemann T, et al. Diet in the management of type 2 diabetes: umbrella review of systematic reviews with meta-analyses of randomised controlled trials. BMJ Medicine 2023;2:e000664. doi: 10.1136/bmjmed-2023-000664.

Deutsches Diabetes-Zentrum. Presseinfo: neue Studie zu Ernährung bei Typ-2-Diabetes vom 9. Januar 2024.