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Schwangerschaft nach BRCA-positivem Brustkrebs

Mittlerweile ist bekannt, dass eine Schwangerschaft nach vorheriger Brustkrebs-Erkrankung weitgehend unproblematisch ist. Bisher fehlten jedoch Daten diesbezüglich bei Krebserkrankungen mit BRCA-Mutationen. In einer internationalen Kohortenstudie wurde untersucht, welches Risiko eine Schwangerschaft für diese spezifische Subpopulation birgt.

Brustkrebs und Schwangerschaft

Brustkrebs gilt nach wie vor als die häufigste Krebserkrankung weltweit. In einigen Fällen ist der Brustkrebs genetisch bedingt, beispielsweise durch Mutationen der Tumorsuppressorgene BRCA1 und BRCA2. Bei Brustkrebspatientinnen in jungen Jahren besteht oft ein Kinderwunsch. Lange Zeit gab es jedoch Bedenken, wie sich der Hormonschub während einer Schwangerschaft auf das Rezidivrisiko auswirkt und ob die vorangegangene Krebstherapie schädlich für den Fetus sein könnte. In vergangenen Studien konnte gezeigt werden, dass eine Schwangerschaft nach Brustkrebs keinen negativen  Einfluss auf eventuelle angeborene Anomalien des Kindes oder auf das krankheitsfreie Überleben der Mutter hat. Nun wurde in einer internationalen Studie untersucht, ob eine Schwangerschaft auch bei BRCA1/BRCA2-Mutationsträgerinnen als unbedenklich eingestuft werden kann.

Kein erhöhtes Risiko nachweisbar

In die retrospektive Kohortenstudie wurden insgesamt 4732 Mutationsträgerinnen aus 78 Zentren eingeschlossen. Weitere Einschlusskriterien waren eine Diagnose mit invasivem Brustkrebs zwischen Januar 2000 und Dezember 2020 sowie ein Höchstalter von 40 Jahren zum Zeitpunkt der Diagnose. Das mediane Alter der Teilnehmerinnen betrug 35 Jahre, das mittlere Follow-up 7,8 Jahre. Insgesamt waren 659 der 4732 Teilnehmerinnen in den zehn Jahren nach ihrer Brustkrebserkrankung mindestens einmal schwanger. Von diesen Frauen waren 33% mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs diagnostiziert worden. 20,8% der Frauen wurden mit Hilfe von künstlicher Befruchtung schwanger. 6,9% der Frauen erlitten einen induzierten Abort und 9,7% eine Fehlgeburt. Kongenitale Anomalien traten bei 0,9% Neugeborenen auf.

Für das krankheitsfreie Überleben ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Teilnehmerinnen, die schwanger wurden (5,44 Ereignisse pro 100 Patientenjahren) und Teilnehmerinnen, die nie schwanger waren (5,45 Ereignisse pro 100 Patientenjahren). Das adjustierte Hazard-Ratio (AHR) lag bei 0,99 (95%-KI 0,81–1,20; p=0,90). Interessanterweise war das Risiko für Brustkrebs-spezifische Ereignisse in der Gruppe der Teilnehmerinnen mit Schwangerschaft nach Diagnose geringer (AHR 0,60; 95%-KI 0,40–0,88; p=0,009). Weiterhin war eine Schwangerschaft mit einem geringeren Risiko für Todesfälle jeglicher Art assoziiert (AHR 0,58; 95%-KI 0,40–0,85; p=0,005).

In der referierten Studie traten 80,1% der Schwangerschaften mehr als zwei Jahre nach der Diagnose auf. Die Autoren geben an, dass die beobachteten Komplikationen während der Schwangerschaft im Bereich derer von gesunden Frauen im gleichen Alter lagen.

Fazit

Basierend auf diesen Studienergebnissen kann jungen BRCA-Mutationsträgerinnen wohl Entwarnung gegeben werden: Eine Schwangerschaft innerhalb von zehn Jahren nach Brustkrebsdiagnose hatte keinen signifikanten Einfluss auf das krankheitsfreie Überleben der Teilnehmerinnen. Dies stimmt mit der Empfehlung der S3-Leitlinie „Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms“ überein, laut der nach Brustkrebs nicht von einer Schwangerschaft abgeraten werden soll.

Quellen

Lambertini M, et al. Pregnancy after breast cancer in young BRCA carriers: An international hospital-based cohort study. JAMA 2024;331:49–59.

Sung H, et al. Global Cancer Statistics 2020: GLOBOCAN Estimates of Incidence and Mortality Worldwide for 36 Cancers in 185 Countries. CA Cancer J Clin 2021;71:209–49.