Ist Remdesivir wirksam?

Zu Beginn der COVID-19-Pandemie fanden sich schnell mehrere Kandidaten, die als antivirale Therapieoptionen in Betracht kamen. Doch fast alle scheiterten in ihren Studien. Die bisher einzige klinisch antiviral wirksame Substanz wird nun infrage gestellt.

Die Therapie der COVID-19-Erkrankung unterteilt sich in eine antivirale Therapie und das Management der erhöhten Freisetzung von Zytokinen durch Glucocorticoide. In der Zwischenzeit ist geklärt, dass sowohl Hydroxychloroquin als auch die Kombination von Lopinavir und Ritonavir unwirksam sind. Für Remdesivir gab es initial ermutigende Ergebnisse aus der ACCT-1-Studie, die bei hospitalisierten Patienten mit COVID-19 eine Verkürzung der Aufenthaltsdauer im Krankenhaus zeigte. Jetzt liegen auch die Ergebnisse der SOLIDARITY-Studie vor, die im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation durchgeführt wurde.

SOLIDARITY-Studie: Antivirale Therapien versus Standardbehandlung

In 405 Krankenhäusern in 30 Ländern wurden 11.266 Erwachsene randomisiert. 2750 Patienten erhielten Remdesivir, 954 Hydroxychloroquin, 1411 Lopinavir, 651 Interferon plus Lopinavir, 1412 nur Interferon und 4088 kein Studienmedikament.

In der Auswertung berechneten die Autoren das Verhältnis der Sterblichkeitsraten (Anzahl der Toten/Randomisierung). Dazu wurde jedes Medikament seiner Kontrolle gegenübergestellt.

  • Remdesivir RR = 0,95 (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,81–1,11; p = 0,50; 301 Todesfälle/2743 Patienten in der Gruppe mit Medikament versus 303 Todesfälle/2708 Patienten in der Kon­trollgruppe)
  • Hydroxychloroquin RR = 1,19 (95%-KI 0,89–1,59; p = 0,23; 104/947 versus 84/906)
  • Lopinavir RR = 1,00 (95%-KI 0,79–1,25; p = 0,97; 148/1399 versus 146/1372)
  • Interferon RR = 1,16 (95%-KI 0,96–1,39; p = 0,11; 243/2050 versus 216/2050)

Keines der Studienmedikamente reduzierte den Beginn der Beatmung oder die Dauer des Krankenhausaufenthalts.

Was bedeutet das für die Zulassung von Remdesivir?

Die SOLIDARITY-Studie repliziert die Ergebnisse anderer randomisierten Studien zum Einsatz von Lopinavir-Ritonavir und Hydroxychloroquin. Remdesivir zeigte in einer Reihe von randomisierten Studien eine geringe Wirksamkeit bei schwer betroffenen Patienten. Remdesivir hatte daher eine konditionelle Zulassung in den Vereinigten Staaten und Europa erhalten. Nach den negativen Ergebnissen der SOLIDARITY-Studie steht jetzt zu erwarten, dass diese Zulassung wahrscheinlich widerrufen wird. Die gesamte Hoffnung für das Management der COVID-19-Pandemie liegt jetzt auf der möglichst raschen Verfügbarkeit von wirksamen Impfstoffen.

Quelle

Diener H-C. COVID-19: Ergebnisse zum Einsatz antiviraler Therapie: Die SOLIDARITY-Studie. Erscheint in der Dezemberausgabe der „Arzneimitteltherapie„.

Autor

Foto Prof. Diener
Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener. Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen, Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE).

Anmerkung der Redaktion

Die hier vorgestellten Daten der SOLIDARITY-Studie befinden sich aktuell noch in Begutachtung. Aufgrund des besonderen Sponsors und der Thematik haben wir uns entschlossen, die Daten trotzdem bereits vorzustellen.