COVID-19: Rekonvaleszentenplasma zur Behandlung

In einer nicht randomisierten Registerstudie aus den Vereinigten Staaten führte eine frühe Behandlung mit Rekonvaleszentenplasma bei schwer betroffenen Patienten mit COVID-19 zu einer Reduktion der Sterblichkeit. Die Wirkung hing von der Höhe der IgG-Konzentrationen im gegebenen Plasma ab.

Die Therapie bei mittelschwerem und schwerem COVID-19 beschränkt sich im Moment auf die Gabe des Virustatikums Remdesivir und Behandlung der überschießenden Interleukin-Ausschüttung mit Glucocorticoiden. Passiver Transfer von Antikörpern ist eine etablierte Therapie für eine Reihe von Infektionserkrankungen. In den Vereinigten Staaten wurde ein Register angelegt, um die potenzielle Wirksamkeit von Rekonvaleszentenplasma zur Behandlung von COVID-19 zu untersuchen.

Studiendesign

Das Extended Access Programm (EAP) der Vereinigten Staaten erteilte eine vorläufige Zulassung für die Behandlung von stationär behandelnden COVID-19-Patienten mit Rekonvaleszentenplasma. Für die Eintragung in das Register standen 2807 Krankenhäuser zur Verfügung. Eingeschlossen wurden Patienten, die eine Antikörpertransfusion zwischen dem 4. April und dem 04. Juli 2020 erhalten hatten. Behandlungsvoraussetzung war eine schwere oder lebensbedrohliche pulmonale Manifestation der SARS-CoV-2-Infektion.

Ergebnisse

Insgesamt standen Daten von 35.322 Patienten zur Verfügung. 52% der Patienten wurden auf der Intensivstation behandelt und 28% waren intubiert. Unter den Patienten, die innerhalb von drei Tagen nach der Diagnosestellung behandelt wurden, betrug die 7-Tage-Sterblichkeit knapp 9%. Bei den Patienten, die ab dem Tag 4 transfundiert wurden, betrug die Sterblichkeit 12%. Für beide Behandlungsgruppen betrug die Sterblichkeit nach 30 Tagen 22% versus 27%.

Die Sterblichkeit hing auch von der Höhe der IgG-Antikörper-Spiegel im transfundierten Plasma ab. Bei Patienten, die Transfusionen mit hohen IgG-Plasmakonzentrationen erhielten, lag die 7-Tage-Sterblichkeit bei 9%, für Patienten mit mittelhohen Plasmaspiegeln bei knapp 12% und für Patienten mit niedrigen IgG-Plasmaspiegeln bei 14%.

Kommentar

Leider handelt es sich bei dieser großen Registerstudie in den Vereinigten Staaten nicht um eine randomisierte Studie. Es gibt auch keine Daten von einer Kontrollpopulation ohne Behandlung mit Rekonvaleszentenplasma. Die Ergebnisse deuten aber indirekt darauf hin, dass möglicherweise eine Wirksamkeit besteht. Daher hat die FDA in den Vereinigten Staaten eine vorläufige Zulassung erteilt. Die von Präsident Trump berichtete 35%ige Reduktion der Mortalität (www.facebook.com/WhiteHouse/videos/3229096703812669/) lässt sich aber in der Publikation nicht finden. Dringend notwendig sind jetzt randomisierte prospektive Studien, um zu entscheiden, ob diese Therapie wirklich wirksam ist.

Quelle

Joyner MJ, et al. Effect of convalescent plasma on mortality among hospitalized patients with COVID-19: Initial three-month experience. medRxiv. 2020.

Autor

Foto Prof. Diener
Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener. Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen, Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE).